Uli Hoeneß "Wir sind gerüstet für die Zeit ohne Ballack"


Bayern München hat mit den Vertragsverlängerungen von Lucio, Deisler und Sagnol ein Signal der Stärke an andere Großvereine gesandt. Für Manager Uli Hoeneß waren dies zudem wichtige Schritte, um dem drohenden Weggang von Michael Ballack zu entgegnen.

Bayern München hat das Wett-Bieten um Willy Sagnol gegen Juventus Turin gewonnen und ein kostspieliges Signal der Stärke an die anderen Großvereine in Europa gesandt. Während der französische Fußball-Nationalspieler nach dem Nachtflug von München nach Dubai wie seine Mannschaftskollegen erst einmal im Mannschaftshotel bis zur ersten Übungseinheit am späten Nachmittag ausschlafen durfte, bestätigte Manager Uli Hoeneß die nicht mehr überraschende Einigung auf eine Vertragsverlängerung. "Seine Zusage hatten wir schon vor Weihnachten", sagte Hoeneß.

Sagnol bleibt bis 2010

Sagnol wird seinen am Saisonende auslaufenden Kontrakt wohl gleich um vier Jahre bis 2010 verlängern. Der Abwehrspieler hat bei seinem Ja-Wort finanziell erheblich von der Ungewissheit um die Zukunft von Michael Ballack profitiert. Das war auch schon schon bei Weltmeister Lucio und dem deutschen Nationalspieler Sebastian Deisler der Fall gewesen, die bereits vor Weihnachten bis 2010 bzw. 2009 verlängert hatten. "Wir haben nun Gelder verlagert auf andere Spieler, die wir unbedingt halten wollten. Willy Sagnol zum Beispiel", erklärte Hoeneß in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung".

Ballacks Zögern bei seiner Entscheidung, wo er nach der Weltmeisterschaft spielen will, nervt die Münchner Vereinsführung. "Das Störende ist, dass er so lange braucht", klagte Hoeneß. Die Bayern-Macher sahen sich deswegen zum Handeln veranlasst, auch wenn das den Verein Geld kostete. "Wenn Michael unterschrieben hätte, hätten wir vielleicht bei dem einen oder anderen die Grenze tiefer gesetzt. Aber wir wollten Erfolgserlebnisse und zeigen, dass der FC Bayern eine Adresse ist und seine Spieler beieinander halten kann", erläuterte Hoeneß.

"Wir wollten Flagge zeigen"

Im Fall Sagnol und Juventus Turin ging es ein Jahr nach dem Wechsel des Kroaten Robert Kovac auch darum, nicht erneut eine Stammkraft an den italienischen Rekordmeister zu verlieren. "Wir wollten Flagge zeigen: Ein FC Bayern lässt sich nicht permanent vorführen. Das haben wir uns was kosten lassen", gestand Hoeneß offen in der "Süddeutschen Zeitung" ein.

Für eine Verlängerung mit Ballack wäre zwar immer noch Geld im Überfluss vorhanden - Hoeneß spricht von liquiden Mitteln in Höhe von 120 bis 150 Millionen Euro -, aber der Bundesliga-Spitzenreiter hat sich mit seinen Planungen längst auf eine Zukunft ohne den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft eingerichtet. "Wir sind gerüstet für die Zeit ohne ihn", betonte Hoeneß.

"Podolski ist auf jeden Fall das größte deutsche Stürmertalent"

Beim weiterhin zögernden Ballack können die Bayern nicht agieren, darum bemühen sie sich lieber intensiv um Nationalstürmer Lukas Podolski vom 1. FC Köln. "Er ist auf jeden Fall das größte deutsche Stürmertalent", meinte Hoeneß. Trainer Felix Magath würde am liebsten noch einen Spieler verpflichten, vor dem die anderen Angst hätten, verriet der Manager: "Einen bösartigen." Einer vom Schlag des Iren Roy Keane oder der beiden beim FC Chelsea spielenden Engländer Frank Lampard und John Terry.

Das ist allerdings Zukunftsmusik. Die Gegenwart verheißt den Bayern-Profis zunächst zehn schweißtreibende Tage im sonnigen Dubai. "Ich denke, es wird wieder angenehm", bemerkte Magath mit einem Schmunzeln. Vor der ersten Trainingseinheit im Stadion des "Al Wasl Football Club" stattete der Trainer am Samstag jedoch nach der Ankunft zunächst noch gemeinsam mit Delegationschef Hoeneß und dem iranischen Nationalspieler Ali Karimi einen Kondolenzbesuch im Herrscherhaus des Emirates Dubai ab. Scheich Maktum bin Raschid al- Maktum war Mitte der Woche im Alter von 62 Jahren gestorben.

Klaus Bergmann/DPA DPA

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