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Uli Hoeneß-Interview: "Der FC Bayern muss den anderen Klubs wieder wehtun"

"Der FC Bayern muss den anderen Klubs wieder wehtun"

Hamburg - Auch wenn Bremen in dieser Saison Deutscher Fußballmeister wird, glaubt Uli Hoeneß nicht, "dass Werder uns auf Dauer gefährlich werden kann". Borussia Dortmund oder der VfB Stuttgart wären auf Dauer eher ernsthafte Konkurrenten für seinen Klub, sagte der Manager des FC Bayern in einem Interview mit dem stern. Natürlich wolle er Meister werden, "aber vielleicht ist der zweite Platz besser für uns. Da kannst du was ändern, und wir müssen hier ordentlich was ändern."

Zu diesen Änderungen zählt laut Hoeneß nicht die Ablösung Ottmar Hitzfelds. Man solle die Verantwortung für die gegenwärtige sportliche Situation nicht nur beim Trainer, sondern auch bei den Spielern suchen. Mit Hitzfelds Hilfe habe der FC Bayern "riesige Erfolge gefeiert" und sich "wirtschaftlich toll entwickelt". Trotz aller Dankbarkeit habe Hoeneß auch "kritische Gedanken, was die Zusammenarbeit von Hitzfeld mit der Mannschaft betrifft". Der Klub müsse aber, "zumindest bis zum nächsten Jahr", noch "aushalten", dass der Vertrag mit Hitzfeld bis zum 30. Juni 2005 verlängert wurde.

Immer noch ist Hoeneß, der am 1. Mai vor 25 Jahren seinen Manager-Job angetreten hatte, für die Fans anderer Bundesliga-Vereine das Feindbild schlechthin. Im stern-Interview stellt er auch nicht in Frage, dass er sich angreifbar gemacht hat: "Ich habe in meiner Anfangszeit schon provokante Dinge gesagt, war aggressiv, habe ausgeteilt und ganz hart die Ellbogen eingesetzt." Im Lauf der Zeit sei er aber "harmoniesüchtiger" geworden: "Ich will nicht mehr jeden Tag der böse Bube sein." Da habe er sich schon verändert. Das sei aber auch eine gefährliche Entwicklung. "Denn der gesamte FC Bayern sollte aufpassen, dass er nicht zu brav wird." Er müsse den "anderen Klubs auch mal wieder wehtun."

So sei Mitleid mit den "armen" Dortmundern nicht angebracht, nach dem Motto "die haben gerade so Finanzprobleme, da können wir denen den Torsten Frings nicht wegnehmen". Hoeneß: "Wir müssen das aber tun." Schalke und Werder verhielten sich bei Spielerverpflichtungen nicht anders.

Offen lässt Hoeneß im stern-Interview, ob er wie geplant 2006 seinen Managerjob an Oliver Kahn abgeben wird, um die Nachfolge des Bayern-Präsidenten Franz Beckenbauer anzutreten. Bis Ende 2004 werde zwar mit keinem anderen als Kahn verhandelt. Der sei aber nicht der einzige Kandidat. "Auf so einer wesentlichen Position kann man sich nicht nur auf einen beschränken." Vielleicht müsse man diese Position auch teilen und einen "geschäftlichen" und einen "sportlichen" Manager einstellen. Hoeneß schließt sogar nicht aus, dass er selbst als Manager weitermacht. Beckenbauer habe ihm gesagt: "Du musst das machen, bis du nicht mehr atmen kannst. Meine Frau sagt immer was anderes. Zwischen diesen beiden Polen lebe ich."

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