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Verbalgewitter: Solidaritätsbekundungen für Völler

Nach seinem Gefühlsausbruch vor laufender Kamera bekommt DFB-Teamchef Rudi Völler sogar Rückendeckung von Bundesinnenminister Schily und dem SPD-Präsidium.

Nach seinem Gefühlsausbruch vor laufender Kamera bekommt DFB-Teamchef Rudi Völler sogar Rückendeckung aus der Politik. Bundesinnenminister Otto Schily äußerte am Montag Verständnis und auch das SDP-Präsidium erklärte sich mit Völler solidarisch. Bundeskanzler Gerhard Schröder erklärte, er könne sich zwar nicht zu der Brandrede äußern, weil er nicht über die nötigen fachlichen Qualitäten verfüge. "Aber wenn ich könnte und dürfte, wie ich gelegentlich mal wollte, dann würden wir uns alle freuen", sagte Schröder.

Schily betonte, angesichts der harschen Kritik an der deutschen Nationalelf könne er verstehen, dass Völler "mal der Kragen platzt". Der Teamchef habe schon Recht, wenn er fordere, nicht immer Superlativen wie "den tiefsten Tiefpunkt" zu gebrauchen. Völler sei ein Mensch, der gute Arbeit leiste und auch bei der Mannschaft kräftige Worte wähle. Im Spiel gegen Island habe die Nationalelf aber keine Glanzleistung gezeigt. Nach den Worten von SPD-Generalsekretär Olaf Scholz gab es im SPD-Präsidium zwar keine Abstimmung; das Einvernehmen sei jedoch groß gewesen.

Hat Völler mit seinem Vorwurf, die Medien würden alles in den Dreck ziehen, recht?

Völler hält an Inhalt seiner Kritik fest

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle sagte im Nachrichtensender n-tv, der Teamchef habe ihm so ein bisschen aus dem Herzen gesprochen: "Vieles, was wir immer runterschlucken müssen, würde ich gerne auch einmal so auf den Punkt bringen, wie dies Völler getan hat."

Völler selbst räumte ein, möglicherweise etwas übertrieben zu haben, hielt an dem Inhalt seiner Äußerungen jedoch fest: Die Kritik an der Mannschaft habe eine Form angenommen, "die nicht mehr zu ertragen war", erklärte er. Vom Grundsatz her stehe er daher zu seiner Kritik: "Da wird es von mir keine Änderung geben."

Rückendeckung von Beckenbauer

Rückendeckung bekam Völler auch von Franz Beckenbauer und den Ex-Nationalspielern Oliver Bierhoff und Marco Bode. Zwar könne man solche Aussagen nicht immer machen, sagte Beckenbauer. "Aber der Zeitpunkt war richtig." Und fügte hinzu: "Gut, dass er sich getraut hat, einer Mehrheit die Meinung zu sagen." Allerdings könne Völler "ganz schön jähzornig sein," sagte Beckenbauer. "Das war er auch schon als Spieler."

Ex-Kapitän Bierhoff erklärte in der Sendung "Sportclub-Live" von NDR und Radio-Bremen, er habe vor dem Fernseher gesessen und sich gefreut. "Das war sehr menschlich von Rudi Völler." Bode gab zu bedenken, dass Ironie und Süffisanz von Moderatoren auch an Trainern und Spielern nage. Auch BVB-Präsident Gerd Nienbaum äußerte Verständnis für Rudi Völler.

Fußballlegenden kritisieren Völler

In der "Bild"-Zeitung waren bereits Bayern Manager Uli Hoeneß, Bochum-Trainer Peter Neururer, Berti Vogts und Ciri Sforza Völler zur Seite gesprungen. "Das war die beste Vorstellung eines Bundestrainers seit ich denken kann", zitierte die Zeitung Hoeneß. "Endlich wird mal mit offenem Visier gekämpft im deutschen Fernsehen." Neururer wurde mit den Worten zitiert: "Endlich hat mal einer den Mut, diese beiden Klugschätzer richtig bloßzustellen."

Kritik kam hingegen von den Fußballlegenden Uwe Seeler, Paul Breitner und Gerd Müller. "Das Spiel war schlecht, die Kommentatoren haben Recht gehabt", sagte Seeler. "Wenn alle Spieler am Mittwoch so explodieren wie Rudi, dann wird das ein gutes Spiel." Breitner zitierte "Bild" mit den Worten, so etwas dürfe sich ein Teamchef absolut nicht erlauben.

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