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Meinung

0:7-Klatsche gegen Manchester City: Warum Schalke sich von Trainer Domenico Tedesco trennen muss

Nach der peinlichen 0:7-Niederlage gegen Manchester City ist klar: Schalke hat aus falsch verstandener Dankbarkeit viel zu lange an Trainer Domenico Tedesco festgehalten. Jetzt wird die Krise gefährlich.

Eines muss man ihm lassen: Schalke-Trainer Domenico Tedesco steht immer noch Rede und Antwort

Eines muss man ihm lassen: Schalke-Trainer Domenico Tedesco steht immer noch Rede und Antwort

DPA

Das Drama um Schalke und Trainer Domenico Tedesco hat mittlerweile groteske Züge angenommen. Die "oberpeinliche" 0:7-Niederlage ("Süddeutsche Zeitung") gegen Manchester City in der Champions League ist nur der jüngste Tiefpunkt der lange währenden Krise. Hauptverantwortlich ist die Vereinsführung, die viel zu lange an Trainer Tedesco festgehalten zu hat.

Konsequent war bislang nur einer auf Schalke: Christian Heidel. Der Manager nahm wegen der sportlichen Misere und des angeblich schlecht zusammengestellten Kaders seinen Hut. Heidel hatte erkannt, dass er durch die massive Kritik an seiner Transferpolitik im Klub und unter den Fans verbrannt war.

Tedesco will die Realität nicht anerkennen

Tedesco fehlt offensichtlich die Fähigkeit, die eigene Situation realistisch einzuschätzen. "Ich bin auch in dieser schwierigen Situation und gebe alles. Aber grundsätzlich mache ich mir über meine Person, muss ich sagen, keine Gedanken", sagte er nach historischen Klatsche in Manchester. Die vermeintliche Standhaftigkeit, die der Coach an den Tag legt, mag ehrenhaft sein, aber die Krise währt schon viel zu lange, als dass seine Worte noch glaubhaft klingen. Er hat sie schon viel zu oft ausgesprochen in den vergangenen Wochen. In Wahrheit kaschieren sie nur, dass er keinen Ausweg mehr weiß. Seine Zeit auf Schalke ist vorüber - endgültig.

Es mag ehrenwert gewesen sein, dass die Führung um Klub-Boss Clemens Tönnies Tedesco nicht so schnell aufgeben wollte. Schließlich hat er ihnen im vergangenen Jahr die Vizemeisterschaft beschert. Zudem genießt er, so heißt es, hohe Wertschätzung im Verein. Er gilt als fair und höflich im Umgang und als jemand, der den Job bei den Königsblauen als Berufung und als Auszeichnung versteht. Doch der Versuch, die ewigen Gesetze des Fußballs auszuhebeln, indem man ausnahmsweise mal nicht das schwächste Glied in der Kette, den Trainer, austauscht, ist gescheitert. Und kann im Hinblick auf den Abstiegskampf sogar noch gefährlich werden. 

Es ist eine ausweglose Situation

So bitter es ist, der Fußball richtet sich (zumindest auf Schalke) nicht nach nach idealisierten Wunschvorstellungen. Die Wahrheit ist: Ein guter Trainer verwandelt eine Mannschaft nicht innerhalb eines Jahres von einem Vizemeister in eine abstiegsgefährdete Trümmertruppe, die von einer Blamage zur nächsten eilt. Ein guter Trainer hat es nicht nötig, nur die Spieler aufzustellen, die ihm gegenüber loyal sind. Das haben sie auf Schalke lange verkannt. Leidtragende sind Mannschaft und der Trainer selbst, die sich gemeinsam in einer Situation wiederfinden, aus der sie in dieser Konstellation einfach nicht herausfinden können. Es ist an der Zeit, sich wieder den ewigen Gesetzen des Fußball zu beugen. Zumindest in diesem Fall.

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