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Nordostdeutscher Fußballverband Warum Tennis Borussia Berlin keine Werbung für den "Opferfonds rechte Gewalt" machen darf

Nemanja Samardzic (r.) ist blank auf der Brust, noch fehlt TeBe ein Trikotsponsor für die Saison
Nemanja Samardzic (r.) ist blank auf der Brust, noch fehlt TeBe ein Trikotsponsor für die Saison
© Daniel Lakomski / Imago Images
Der Nordostdeutsche Fußballverband hat dem Fußball-Klub Tennis Borussia Berlin untersagt, für einen Fonds zu werben, der Betroffene rechter Gewalt unterstützt. Besonders die Begründung hat für Aufregung gesorgt.

Was politisch ist oder zivilgesellschaftlich selbstverständlich, also quasi über-politisch, darüber gehen die Meinungen manchmal auseinander. In der Fußball-Regionalliga Nordost spielt sich gerade ein Konflikt ab, in dem es genau um diese Frage geht. Tennis Borussia Berlin hatte zu Beginn der Saison noch keinen Trikotsponsor und wollte die freie Fläche nutzen, um für Cura - Opferfonds rechte Gewalt zu werben, der zur Amadeu Antonio Stiftung gehört. Doch daraus wurde nichts, weil der Nordostdeutsche Fußballverband dies kurzerhand untersagte - seitdem herrscht Aufregung.

Der NOFV berief sich in seiner Begründung des Verbots auf Paragraph 25, Ziffer 8 der Spielordnung. Die verbietet "Werbung für politische Gruppierungen und politische Aussagen", schrieb der Verband in einer Mail Ende Juli an den Klub. Dort wurde das Verbot mit Verärgerung aufgenommen. Zumal in besagter Mitteilung eine weitere Begründung geliefert wurde. Da ist von der Sorge die Rede, dass sich durch die Trikotwerbung "eine bestimmte Gruppe von Personen provoziert fühlen könnte". Man fragt sich natürlich sofort, wer diese "bestimmten Gruppen" sind. Rechte Totschläger und Sympathisanten etwa?

Der NOFV steht mächtig unter Druck

Tebe veröffentlichte die Mail und seither steht der NOFV mächtig unter Druck. Bei dem Versuch, Schadensbegrenzung zu betreiben, machte der Verband alles nur noch schlimmer. Der NOFV schob eine weitere Erklärung hinterher, in der nichts mehr von provozierten Gruppen stand, dafür aber eine umständliche Begründung, warum die Werbung angeblich politisch unausgewogen sei.

Das liege am "Hinweis auf ausschließlich rechte Gewalt, denn es gibt auch Gewalt von links und weitere Formen von Aggressionen und Diskriminierungen". Der Verband stehe selbstverständlich für "Vielfalt und Toleranz" und trete "rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie anderen diskriminierenden oder menschenver­achten­den Verhaltensweisen entschieden entgegen". Aber eben nicht mit so einer Werbung.

Tebe veröffentlichte offenen Brief

Die nächste Stufe in dem Konflikt zündete TeBe am vergangenen Mittwoch. Der Verein veröffentlichte einen offenen Brief auf seiner Homepage, der von zahlreichen Unterstützern unterzeichnet wurde. Darin fordern die Verantwortlichen ein Umdenken des Verbandes und machen den Vorschlag, die Spielordnung zu ändern. Es "könnte eine rechtliche Grundlage innerhalb der Spielordnung schaffen, die zivilgesellschaftliches Engagement gegen Diskriminierung und für eine offene Gesellschaft zulässt".

Doch beim Verband will man davon nichts hören. Auf die Frage, wie und ob man darauf reagieren werde, sagte Geschäftsführer Holger Fuchs am Telefon gegenüber dem stern, man habe in der Angelegenheit "kein Statement von dem Verein" erhalten und deshalb noch nicht reagiert. Fuchs berief sich auf die offizielle Begründung, man solle diese "respektieren". Über die erste Begründung, dass sich "Personen provoziert fühlen könnten" werde man "intern tiefgründig" reden. Ansonsten gebe es keinen Kommentar.

Quellen: "Süddeutsche Zeitung", "Frankfurter Allgemeine Zeitung", Tennis Borussia Berlin, NOFV


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