Was meinen Strunz? Die Spreu trennt sich vom Weizen


Frust in Hamburg, Ärger in Bremen, Jubel in München: Der zweite Spieltag der Champions League hätte für die deutschen Teams nicht unterschiedlicher verlaufen können. stern.de-Experte Thomas Strunz hat den Auftritt des Trios analysiert.

Am Dienstag stand der Hamburger SV vor einem wohl richtungsweisenden Spiel beim russischen Meister ZSKA Moskau. Doch was der HSV dort bot war weit entfernt von internationaler Klasse und berechtigt zu keinerlei Hoffnungen auf das Erreichen der K.-o.-Runden. Mit einer, insbesondere in der Offensive, katastrophal agierenden Mannschaft werden die Hamburger die Gruppenphase der Champions-League nicht überstehen können.

Die strukturellen Probleme, die die Hanseaten im bisherigen Saison-Verlauf plagen, sowie die mangelnde Durchschlagskraft in der Offensive sind insbesondere in den internationalen Vergleichen noch deutlicher sichtbar als in der heimischen Liga. Konnte man im ersten Spiel gegen Jens Lehmanns Arsenal London noch von Pech und einer unberechtigten roten Karte für Keeper Kirschstein reden, so war die Vorstellung am Dienstagabend in der russischen Hauptstadt einfach nur schlecht.

Fehlender Teamgedanke beim HSV

Kaum ein Spieler erreichte in Moskau seine Normalform. Und auch die Führungsprobleme auf dem Feld wurden in diesem Spiel deutlich. Dem Hamburger SV und seinem Trainer Thomas Doll ist es bislang noch nicht gelungen aus den zweifelsfrei guten Einzelspielern ein funktionierendes Kollektiv zu formen. Man hat den Eindruck, dass zu viele Protagonisten mit sich selbst beschäftigt sind oder andere Prioritäten setzen. Diskussionen über neue Verträge mit Gehaltserhöhungen der "alten" Spieler gehen einher mit der Integration der zum Teil sehr spät verpflichteten neuen Spieler. Verletzungssorgen und rote Karten durch Disziplinlosigkeiten einiger Akteure verschlechtern die Situation nachhaltig. Woran es den Hanseaten derzeit augenscheinlich mangelt: Geduld, mannschaftliche Geschlossenheit und geniale Momente ihres Spielmachers Rafael van der Vaart. Allesamt Punkte, die den HSV in der vergangenen Saison so stark gemacht haben.

Sollten es die Verantwortlichen nicht schaffen die Situation kurzfristig zu drehen, könnte es ein sehr unruhiger Herbst in der Hansestadt werden. Ich bin jedoch von den Qualitäten der handelnden Personen absolut überzeugt und sicher, dass sie die Mannschaft schon bald wieder zurück in die Erfolgsspur lenken werden. So verrückt es klingen mag: Eine solche Phase des Misserfolges kann bei richtiger Aufarbeitung sogar einen positiven Effekt haben. Dies könnte dann ein weiterer wichtiger Schritt für den Hamburger SV an die Spitze der Bundesliga und in den internationalen Fußball sein.

Gemischte Gefühlswelt in Bremen

Am gestrigen Mittwoch spielte Werder Bremen in einem berauschenden Spiel gegen die momentan wohl beste Mannschaft Europas, den FC Barcelona. Über 75 Minuten waren die Bremer dem großen Favoriten in nahezu allen Belangen überlegen. Es war beeindruckend, welches Tempo die Werderaner anschlugen. Wie sie mit schnellem, direktem Spiel die Abwehr um Thuram und Puyol immer wieder vor große Probleme stellten. Vom viel gepriesenen Passspiel der Katalanen war nahezu nichts zu sehen.

Besonders hervorzuheben ist, dass in Werders Startelf insgesamt neun (!) deutsche Spieler standen. Einzige Ausländer: die Brasilianer Naldo und Diego. Hierdurch wird deutlich, dass auch deutsche Kicker in der Königsklasse mithalten können - wenn man sie nur spielen lässt. Klaus Allofs und Thomas Schaaf haben in diesem Punkt eine herausragende Arbeit geleistet. Das es dann letztlich nur zu einem 1:1-Unentschieden reichte, trübt das Bild leider ein wenig.

Bremen kann's noch schaffen

Dennoch: Werder Bremen hat, wie schon im ersten Spiel bei Chelsea London, gezeigt, dass sie sich in der "Todesgruppe" durchsetzen wollen. Und ein Weiterkommen ist tatsächlich noch möglich. Ein Sieg gegen Sofia ist jedoch Pflicht, um die Chance dafür zu wahren.

Herausragende Figuren der Bremer Mannschaft waren der junge Aaron Hunt im Sturm und Clemens Fritz, der Ronaldinho überhaupt nicht ins Spiel kommen ließ und darüber hinaus auch noch Akzente in der Offensive setzte. Auch Per Mertesacker lieferte nach dreimonatiger Verletzungspause ein sehr gutes Comeback ab. In dieser Form ist mit Werder auf jeden Fall noch zu rechnen.

Bayern mit verdientem Sieg in Mailand

Die dritte Mannschaft im deutschen Champions-League-Bunde, der FC Bayern München, hat sich mit dem 2-0 Sieg im Mailänder San-Siro-Stadion eine exzellente Ausgangsposition verschafft. Die Tore durch Pizarro und Podolski gegen eine enttäuschende Mailänder Mannschaft fielen spät, jedoch verdient. Jetzt kann im nächsten Spiel gegen Sporting Lissabon bereits der Einzug in die nächste Runde perfekt gemacht werden.

Thomas Strunz

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