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Was meinen Strunz?: Showdown in der "Todesgruppe"

Werder hat Chelsea geschlagen und hat jetzt ein "Spiel für die Ewigkeit" vor sich. stern.de-Experte Thomas Strunz blickt schon mal voraus. Mit den schlappen HSV-Profis geht der Ex-Profi ganz hart ins Gericht.

So langsam trennt sich in der Champions League die Spreu vom Weizen. Nach dem fünften Spieltag sind die ersten Vorentscheidungen gefallen. Chelsea, Bayern, Inter Mailand, Liverpool, Eindhoven, Valencia, Lyon, Real Madrid, Celtic Glasgow und der AC Mailand haben sich bereits vorzeitig fürs Achtelfinale qualifizieren können. Und der Titelverteidiger FC Barcelona? Der muss doch tatsächlich in der "Todesgruppe" mit Werder und dem Ballack-Club ernsthaft zittern. Doch der Reihe nach.

Schafft Werder das Wunder von Barcelona und zieht ins Achtelfinale ein?

Am Dienstag trat unser Sorgenkind, der HSV, bei Arsenal London an. Durch das frühe Traumtor von Kapitän Rafael van der Vaart gelang es dem HSV, den großen Favoriten über 45 Minuten in Schach zu halten. Ein Stellungsfehler des wiederholt sehr schwachen Thimothee Atouba ermöglichte den "Gunners" zunächst den Ausgleich kurz nach der Pause. Ein Patzer von Torhüter Stefan Wächter kurz vor Ende des Spiels verdeutlichte ein weiteres Mal, dass in dieser schwierigen Situation immer wieder individuelle Fehler die Bemühungen des Teams von Thomas Doll zerstören. Das hat nichts mit Glück oder Pech zu tun, sondern ist vielmehr ein Qualitätsmerkmal jedes einzelnen Spielers. Atouba, so gut und spektakulär er in der vergangenen Saison auch gespielt hat, ist mit der aktuellen Situation aus meiner Sicht völlig überfordert. Seine leichtsinnige Spielweise und die immer wiederkehrenden Stellungsfehler sind in einer solchen Phase von einer Mannschaft nicht aufzufangen.

Die Bayern müssen sich steigern

Auch auf der Torwartposition drückt der Schuh: Mit Kirschstein und Wächter sind die "Rothosen" nur durchschnittlich besetzt. Gerade jetzt wäre ein stabiler Rückhalt zwischen den Pfosten immens wichtig, damit die Mannschaft das Gefühl hat, dass vielleicht auch mal nur ein Tor für einen Sieg reichen könnte. Das Team ist momentan nicht in der Lage einen Vorsprung über die Zeit zu bringen. Für die Hamburger kann das Spiel am Wochenende gegen den FC Bayern ein Befreiungsschlag werden, denn alles andere als eine deutliche Niederlage wäre eine Überraschung. Ein Wort zu Thomas Doll. Er scheint noch immer innerlich zu brennen. Das ist wichtig für das Team und den gesamten Club. Eine Trennung würde den Verein aus meiner Sicht ins Chaos stürzen, die Fans gegen ihren HSV aufbringen und die Führung um Bernd Hofmann sehr stark ins Wanken bringen. Gerade jetzt benötigt der HSV Stabilität und Zusammengehörigkeit, deshalb glaube ich weiter an Thomas Doll und sein Trainergeschick.

Der FC Bayern München zeigte sich auf dem Kunstrasen (!!!) von Moskau gut vorbereitet und konnte auch den schnellen Rückstand durch zwei Pizarro-Tore schnell in eine Führung umwandeln. Der deutsche Rekordmeister versäumte es allerdings in der Folgezeit, den Sack zuzumachen - auch im Hinblick auf den wichtigen ersten Platz in der Vorrunden-Abschlusstabelle. Durch das 2:2 gegen Spartak Moskau wird jetzt das letzte Spiel gegen Inter Mailand in der Allianz-Arena über den ersten Tabellenplatz entscheiden. Die Münchener werden sich allerdings steigern müssen, wenn sie in dieser Saison bis ins Finale kommen wollen.

Barca brutal unter Druck

Kommen wir zur bereits oben angesprochenen "Todesgruppe" mit Werder Bremen. Durch den phantastischen 1:0 Heimsieg gegen die Wundertruppe des FC Chelsea haben die Hanseaten nun alle Trümpfe selbst in der Hand, um am letzten Spieltag beim FC Barcelona in die nächste Runde einzuziehen. Das wird ein echter Kracher, für Werder vielleicht ja ein Spiel für die Ewigkeit. Ganz Europa wird auf dieses Spiel schauen. Der Druck in dieser Partie liegt eindeutig auf dem Titelverteidiger.

Barca muss unbedingt gewinnen, um in die nächste Runde einzuziehen. Werder hat schon im Hinspiel beim unglücklichen 1:1 gezeigt, dass sie die Katalanen an den Rand einer Niederlage bringen können. Bei Barcelona ist auffällig, dass es selbst einer europäischen Spitzenmannschaft nicht gelingt, einen Stürmer der Klasse Eto’s zu ersetzen. Ich glaube an Werder Bremen und bin davon überzeugt, dass sie die Sensation schaffen werden und in die nächste Runde einziehen. Sollte es wirklich so kommen, wäre die erste Riesensensation der diesjährigen Champions-League-Saison perfekt und der Titelverteidiger aus Spanien, der FC Barcelona, wäre ausgeschieden. Ich drücke dem Team von Thomas Schaaf die Daumen und würde mich freuen wenn die "deutscheste" unserer Mannschaften in die nächste Runde einziehen könnte.

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