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Nationalmannschaft vor EM-Auslosung: Todesgruppe? Und wenn schon!

Und ewig winkt die Todesgruppe: Dem DFB-Team drohen bei der EM-Gruppenauslosung am Abend in Kiew schwierige Gegner - zum Beispiel Spanien. Bundestrainer Joachim Löw kümmert das wenig.

Von Klaus Bellstedt

Joachim Löw ist ein entspannter Typ. Fast immer. Einerseits liegt das am ausgeglichenen Wesen des Bundestrainers, andererseits natürlich auch an seiner Mannschaft. Das DFB-Team hat Löw beinahe ausschließlich Freude bereitet. Durch die EM-Qualifikation spazierte die deutsche Nationalmannschaft mit zehn Siegen in zehn Spielen. Zum Abschluss des Länderspieljahres feierte Löws junge Spaßmachertruppe einen berauschenden 3:0-Sieg gegen die Niederlande - eine Mannschaft, die genau wie Deutschland, zu den großen Favoriten auf den EM-Titel zählt.

Am Abend findet in Kiew die Gruppenauslosung zu eben dieser Europameisterschaft, die im nächsten Jahr vom 8. Juni bis zum 1. Juli in Polen und der Ukraine ausgetragen wird, statt - und es deutet nichts darauf hin, dass sich an der Coolness des Bundestrainers auch im Anschluss an die mit Spannung erwartete Ziehung (ab 17.30 Uhr im stern.de-Liveticker) etwas ändern könnte.

Ja, Deutschland könnte theoretisch in die oft zitierte Todesgruppe mit Spanien, Frankreich und Portugal gelost werden. Und wenn schon? "Und was soll dieses blöde Wort 'Todesgruppe' überhaupt?", mag sich Löw denken. Eine solche Konstellation kann den DFB-Coach nicht schrecken. Das Vertrauen in die eigene Stärke ist viel zu groß. So gibt es weder Wunsch- noch Angstgegner. Löw geht sogar noch weiter: "Wir nehmen die Auslosung, wie sie kommt. Es gibt keine Gegner, gegen die wir nicht gern spielen", sagt der Bundestrainer, der sich längst mit der Rolle des EM-Mitfavoriten angefreundet hat.

Deutschland in Topf zwei

Löws Kompagnon bei der Nationalmannschaft, Teammanager Oliver Bierhoff, strahlt die gleiche Gelassenheit aus. Zittern vor Welt- und Europameister Spanien? Angst vor den wiedererstarkten Franzosen? Fehlanzeige! "Davon machen wir uns frei", sagt Bierhoff. "Wir haben eine derart hohe Qualität und können jeden schlagen. Gegen wen wir in der Vorrunde kommen, ist uns egal." Das klingt fast schon großspurig.

Nach einem Koeffizienten, errechnet aus den Ergebnissen der Qualifikation zur EM 2008 und 2012 und zur WM 2010 sowie den Endrundenergebnissen in der Schweiz/Österreich sowie in Südafrika, steckt Deutschland am Freitagabend im Kunstpalast "Ukraina" von Kiew im zweiten Lostopf. Gesetzt sind neben den beiden Gastgebern Polen und Ukraine als Köpfe der Gruppen A und D noch Spanien und die Niederlande.

Löw kann auch anders

Mit der DFB-Auswahl befinden sich Italien, England und Russland im zweiten Topf und können so in der Gruppenphase nicht auf die Nationalmannschaft treffen. Aus Topf drei werden Kroatien, Griechenland, Portugal und Schweden zugelost, aus dem vierten Topf Dänemark, Frankreich, Tschechien und Irland. Beim traditionellen Losglück der Deutschen wäre beispielsweise auch eine Gruppe mit Polen, Griechenland und Irland möglich. Aber wie gesagt: Um Glück oder Pech schert sich der Bundestrainer schon lange nicht mehr. "Die Lose haben keinen großen Einfluss auf das Turnier", sagt Löw - lässig wie immer.

Aber der 51-Jährige kann sehr wohl auch anders. Spätestens wenn die EM auch wirklich startet, wird es vorbei sein mit der Lockerheit. "Weniger gelassen bin ich, wenn es losgeht", hat der Bundestrainer bereits angekündigt. Denn dann kann man sich für alte Verdienste nichts mehr kaufen. Löw weiß, dass seine Mannschaft über eine hohe Qualität verfügt und zu den besten Teams der Welt gehört. Aber er weiß auch, dass bei einem erstklassig besetzten Turnier wie der Euro 2012 Kleinigkeiten über Wohl und Wehe entscheiden. Umso mehr gilt dann: högschde Disziplin.

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