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Wechsel-Tornado in Wolfsburg: Transferkönig Magath setzt auf Pay-per-Play

Keiner hält die Wechselbörse in der Bundesliga dermaßen in Bewegung wie Felix Magath - so auch am letzten Tag der Transferperiode. Bilanz des Wolfsburger Trainermanagers: Kein vorzeigbares Geschäftsergebnis, Verärgerung beim Kollegen Arnesen und eine Kurzzeit-Ausleihe auf Pay-per-Play-Basis.

Von Dieter Hoß

Einen Tag nach dem hektischen Treiben am letzten Tag der Transferperiode war Felix Magath via Handy nicht zu erreichen. Der allmächtige Trainermanager des VfL Wolfsburg widmete sich wieder dem Coaching seiner Mannschaft, nachdem er wie kein anderer in der Bundesliga das Wechsel-Karrussell angetrieben hatte. Ob er dabei ein wenig den Überblick verlor oder einfach nur rücksichtslos agierte, wird Magaths Geheimnis bleiben.

"So schlecht ist mein Deutsch nicht, dass ich das falsch verstanden habe", ärgerte sich jedenfalls Managerkollege Frank Arnsesen vom Hamburger SV. "So geht man nicht mit Kollegen um." Grund der Verärgerung: Der Wechsel des Koreaners Ja-Cheol Koo von den "Wölfen" zum HSV war - jedenfalls aus Hamburger Sicht - schon beschlossene Sache. Wenig später zog Magath seine Zusage wieder zurück - angeblich ohne Angaben von Gründen. Koo bleibt nun wohl vorerst einer von sage und schreibe 34 Profis im VfL-Kader. Im Januar verpflichtet, absolvierte der 22-Jährige bisher satte 22 Bundesligaminuten für die Wolfsburger. Ob Magath sich nun doch noch einiges von dem Mittelfeldspieler erhofft? Und wenn ja, warum engagierte er zuletzt die erfahrenen Thomas Hitzlsperger, den vereinslosen Ex-Frankfurter Chris und Alexander Hleb vom FC Barcelona - allesamt Mittelfeldspieler um die 30.

Hleb kommt als Lückenfüller

Die Modalitäten der Ausleihe von Hleb erstaunen ebenfalls. Der Weißrusse, den Magath aus gemeinsamen Stuttgarter Zeiten kennt, kommt lediglich für vier Monate! In dieser Zeit soll er nicht weniger als die vakante Position des Spielmachers beim VfL ausfüllen - und das, obwohl der 30-Jährige nach einer Meniskus-OP noch zwei Wochen braucht, um ins Training einzusteigen. Zunächst hieß es, dass Wolfsburg für diesen Lückenfüllerjob 1,5 Millionen Euro an den FC Barcelona überweist - eine Summe, die die meisten Bundesligisten aufwenden, um Spieler über mehrere Jahre an sich zu binden. Zuletzt hieß es nun, dass sich die Leihgebühr nach den Einsatzzeiten Hlebs berechne. Nach Pay per View für die Fans nun Pay per Play für die Spieler? Das ließe sich sicherlich auch im Minutentakt abrechnen.

Möglicherweise eine Geschäftsidee für Magath, der in der aktuellen Transferbilanz ein dickes Minus von 12,68 Millionen Euro stehen hat. Zugestehen muss man dem Wolfsburger Allmächtigen, dass die fest eingeplanten Einnahmen aus Verkäufen der in Ungnade gefallenen Stars Diego und Simon Kjaer weggebrochen sind. Beide konnten nur verliehen werden. "Ein Leihgeschäft war nicht mein Wunsch", bestätigte Magath der "Süddeutschen Zeitung". Vielmehr hatte er sich Einnahmen von 20 Millionen Euro erhofft. Doch für Kjaer zahlt der AS Rom nur drei Millionen Leihgebühr (und weitere sieben später, sollte der Däne doch noch gekauft werden) und Diego durfte - ebenfalls auf Leihbasis - sogar zum Nulltarif zu Atlético Madrid. Das spart zumindest das immense Gehalt der Brasilianers, der am Ende der Saison aber wohl wieder auf der Matte steht. Denn auf eine Kaufoption haben die Madrilenen verzichtet.

"Baustelle VfL" mit Fehlstart

Mit insgesamt zwölf Profis verpflichtete Magath in diesem Sommer so viele Spieler wie kein anderer Bundesliga-Manager. Erstaunlich für jemanden, der nach seiner Rückkehr zum VfL im Frühjahr noch verkündet hatte: "Ich habe nicht vor, hier wieder einen großen Umbruch zu machen." Doch nach dem mühsam erreichten Klassenverbleib blieb der 58-Jährige seinem bekannten Verhaltensmuster treu, was letztlich den Kader enorm aufgebläht hat.

Die Personal-Rochaden erinnern massiv an die Radikalreform des Schalke-Kaders vor Jahresfrist. Spieler wie Ciprian Deac oder Hans Sarpei holte Magath damals zu Schalke, wo sich die jetzt Verantwortlichen schwertaten, den Kader von den Ladenhütern zu befreien. Wie mit Schalke 2010 legte Magath nun auch mit der "Baustelle VfL" einen Saison-Fehlstart mit zuletzt drei Niederlagen und dabei 1:8 Toren hin. Immerhin kamen die Schalker mit Magaths Mannen noch bis ins Halbfinale der Champions League und wurden Pokalsieger - der aktuelle Trainer Ralf Rangnick konnte dabei die Früchte ernten, die Magath gesät hatte. Denn der hatte Gelsenkirchen zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen. Sein Managergehabe und die Arbeitertradition auf Schalke passten nicht zusammen.

Routiniers sollen es schnell richten

Beim VfL Wolfsburg, so etwas wie eine Abteilung des VW-Konzerns, stößt Magaths Hire-and-Fire-Philosophie zumindest vorerst nicht auf Skepsis. Nach vier Spielen soll die Saison für den VfL jetzt erst so richtig losgehen. Der Druck ist bereits groß. "Es muss aufwärtsgehen", sagte der aus Kaiserslautern gekommene Stürmer Srdjan Lakic am Donnerstag.

Angesichts der Transfer-Aktivitäten stellt sich aber die Frage nach dem Wert der Vorbereitungsarbeit. Für den noch in dieser Saison gewünschten Einzug in den Europapokal des aktuell Tabellen-15. sollen in erster Linie die neu verpflichteten Routiniers Hitzlsperger (29), Chris (33), Hleb (30) und Sotirios Kyrgiakos (32) sorgen. Die müssen sich allerdings erst noch integrieren. "Für einen Einsatz in der Bundesliga ist es etwas zu früh", bekannte Chris schon. "Mein oberstes Ziel ist jetzt, mich so schnell wie möglich in die Mannschaft einzufügen", sagte Hleb, dem dazu - wie gesagt - kaum Zeit bleibt.

Gleichzeitig bot Magath zuletzt schon integrierte Spieler wie Patrick Helmes, bisher übrigens der treffsicherste Stürmer im Team, wie Sauerbier an. Niemand wollte den Ex-Nationalspieler haben, er muss nun bleiben. Zumindest bis zum 1. Januar 2012. Dann öffnet sich das nächste Transferfenster.

Felix Magaths Transfers

TransferperiodeZugängeAbgänge
Sommer 2007/08 (Wolfsburg)16 Spieler (12 Spieler für 27,95 Mio. €)14 Spieler (7 Spieler für 12,2 Mio. €)
Winter 2008 (Wolfsburg)6 (1 für 2 Mio. €)5 (1 für 0,1 Mio. €)
Sommer 2008/09 (Wolfsburg)14 (7 für 28,0 Mio. €)14 (1 für 1 Mio. €)
Winter 2009 (Wolfsburg)2 (2 für 3,3 Mio. €)4 (2 für 0,5 Mio. €)
Sommer2009/10 (Schalke)10 (3 für 4,9 Mio. €)4 (1 für 3,5 Mio. €)
Winter 2010
(Schalke)
9 (5 für 3,05 Mio. €)5 (keine Erlöse)
Sommer 2010/11 (Schalke)14 (7 für 36 Mio. €)15 (5 für 16 Mio. €)
Winter 2011
(Schalke)
4 (1 für 2,5 Mio. €)5 (2 für 2,4 Mio. €)
Sommer 2011/12 (Wolfsburg)14 (6 für 21,4 Mio. €)13 (4 für 8,72 Mio. €)

Insgesamt89 (44 für 129,1 Mio. €)
mit DPA

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