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Wechsel von Kakà und Ronaldo: Löw und Magath kritisieren Transfer-Wahn

Bei Real Madrid scheint Geld keine Rolle zu spielen: Nach den Verpflichtungen von Kakà und Cristiano Ronaldo soll nun auch noch Franck Ribéry kommen. Das Gesamt-Paket würde schätzungsweise 235 Millionen Euro kosten. Bundestrainer Joachim Löw und Meistertrainer Felix Magath äußern sich kritisch und sehen den sportlichen Wettbewerb in Gefahr.

94 Millionen für Cristiano Ronaldo, 65 Millionen für Kakà - und nun 76 Millionen für Franck Ribéry? Auf dem Euro-Kontinent werfen einige Fußball-Topclubs in diesem Sommer mit Geld nur so um sich. Doch Experten wie Bundestrainer Joachim Löw und Meistercoach Felix Magath haben sich über den selten in dieser Form herrschenden Transferwahnsinn erneut kritisch geäußert. Nach dem perfekten Kakà-Deal zu Real Madrid und der bevorstehenden Rekord-Verpflichtung des Portugiesen Ronaldo berichteten englische Medien am Donnerstag übereinstimmend von der 76-Millionen-Euro-Offerte des FC Chelsea für Bayern Münchnens französischen Vize-Weltmeister Ribéry: Damit wären für das Top-Trio zusammen 235 Millionen Euro aufgerufen.

"Summen unangemessen und völlig überzogen"

"In der aktuellen wirtschaftlichen Situation halte ich solche Summen für unangemessen und für völlig überzogen", sagte Löw dem Fachmagazin "kicker" mit dem Hinweis, dass gerade in Spanien einige Clubs "vor dem Kollaps" stehen. In Deutschland werde dagegen "relativ vernünftig gewirtschaftet". Darin aber liegt für seinen Trainer-Kollegen Magath die Crux - er befürchtet, das zuletzt wenig erfolgreiche Abschneiden der DFB-Teams im Meistercup halte an.

"Gerade in der Champions League findet längst kein fairer sportlicher Wettbewerb mehr statt", befand der Meistermacher des VfL Wolfsburg und künftige Schalke-Coach. "Die Voraussetzungen für die einzelnen Vereine sind in Europa so unterschiedlich geworden, dass man von einem Wettbewerb auf Augenhöhe nicht mehr reden kann." Dabei verwies er auf die in Deutschland deutlich niedrigeren Einnahme-Möglichkeiten bei den Fernseh-Geldern sowie auf die Unterschiede in der Steuergesetzgebung und im Lizenzierungsverfahren.

Ronaldo soll in Madrid mit mehr als elf Millionen Euro pro Jahr verdienen - eine wahnsinnig hohe Summe. Löw empfiehlt, vermehrt perspektivisch zu denken und zu investieren. "Generell sollten wir in der Bundesliga verstärkt auf junge Spieler setzen, in der Liga gibt es zu viele durchschnittliche Ausländer." Als Beweis dafür, dass in die Jugendförderung gestecktes Geld "immer gut angelegt" sei, nannte Löw das leuchtende Beispiel Nationalspieler Mario Gomez: Für sein Eigengewächs streicht der VfB Stuttgart rund 30 Millionen Euro Ablöse vom FC Bayern ein.

Real kann angeblich 300 Millionen Euro locker machen

Die Münchener könnten sich nun durch den Verkauf ihres Mittelfeld-Asses Ribéry schadlos halten. Laut "Times Online" und weiterer Insel-Medien will Michael Ballacks FC Chelsea für den 26-Jährigen tief in die Tasche greifen. Und auch in Madrid herrscht weiter Top-Interesse an Ribéry: "Unser Ziel ist es, dass er zu Real kommt", bestätigte Zinedine Zidane. Der Franzose ist engster Berater von Clubchef Florentino Perez, der angeblich 300 Millionen Euro für neue Stars locker machen will. Aus diesem Super-Budget könnte der finanzstarke Bauunternehmer auch die vom klammen FC Valencia auf 50 Millionen erhöhte Forderung für EM-Torschützenkönig David Villa noch stemmen.

Mittlerweile befasst sich sogar das spanische Parlament mit den astronomischen Summen, weil sie wegen der weltweiten Wirtschaftskrise "gegen jegliche Ethik und Moral verstoßen". Fußball-Clubs sind aber wie Privatunternehmen anzusehen, es herrsche freie Marktwirtschaft. So meinte die konservative Abgeordnete Celia Villalobos: "Wenn ein Club mit einem 100 Millionen Euro schweren Neuzugang Selbstmord begehen will, ist das sein Problem, nicht das Problem der Spanier."

Thomas Prüfer/DPA / DPA

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