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Werder Bremen: Frings legt nach

Vor dem Uefa-Cup-Rückspiel gegen Ajax Amsterdam ist es bei Werder Bremen vorbei mit der Harmonie. Nach der Pleitenserie in der Bundesliga kam die Kritik von Kapitän Torsten Frings bei den Kollegen nicht gut an - der aber legte nach.

"Es gehört dazu, dass man als Kapitän die Meinung sagt. Torsten tut so etwas auf seine direkte Art und Weise", sagte Trainer Thomas Schaaf. Der Coach forderte, sich nun auf das Spiel zu konzentrieren und die vorzügliche Ausgangssituation nach dem 3:0-Sieg im Hinspiel zu nutzen, auch wenn in Abwehrchef Naldo und Frings zwei weitere Spieler auszufallen drohen.

Entstanden ist die in Bremen bisher unbekannte Form des Zoffs durch die krassen Kommentare von Frings nach der dritten Bundesliga-Niederlage in Folge gegen den Hamburger SV. Der mangelnde Einsatz einiger Spieler sei "auch eine Charakterfrage", nicht alle "reißen sich den Arsch auf", hatte der Nationalspieler geschimpft - und damit Widerspruch hervorgerufen. "Bei mir bleibt Kritik in der Kabine", kritisierte Spielmacher Diego das Auftreten von Frings, der für den verletzten Frank Baumann als Kapitän amtiert. Ähnlich äußerte sich Daniel Jensen: "Das ist Sache der Mannschaft, und da sollten wir so etwas auch bereden."

Frings gibt nicht klein bei

Doch Frings gab nicht klein bei. Im Gegenteil: Er schlug verbal zurück, nicht in der Kabine, sondern erneut in der Öffentlichkeit. "Als Kapitän muss ich auch mal deutlich werden", sagte er zur Kritik der Kollegen und wählte besonders markige Worte: "Wenn sich deshalb einer angepisst fühlt, kann ich ihm auch nicht helfen, dann hat er bei uns nichts zu suchen." Damit nicht genug, kündigte Frings an: "Wenn ich das Bedürfnis habe, werde ich es weiter machen. Es interessiert mich nicht, ob die anderen was dagegen haben."

Der Trainer sagte trotz des Disputs: "Es gibt keinen Zoff." Und Manager Klaus Allofs versicherte: "Die Mannschaft ist nicht gespalten. Das ist Blödsinn." Das mit Frings geführte Einzelgespräch bezeichnete er als "völlig normal". Wie Schaaf unterstützte auch Allofs die Vorgehensweise des Kapitäns: "Ich bin absolut auf Torstens Seite. Er will die Mannschaft voranbringen und aufrütteln. Dabei darf man auch mal über das Ziel hinausschießen. Das ist mir lieber, als alles lethargisch über sich ergehen zu lassen."

Werder will nach vorne spielen

Mit einem Erfolgserlebnis in Amsterdam ließen sich die Wogen sicher am besten glätten. Das 3:0 sei ein "guter Vorsprung", sagte Schaaf, mahnte jedoch: "Wir dürfen nicht naiv und nachlässig zu Werke gehen." Er kündigte an, nach vorne zu spielen, aber "nicht unvernünftig offensiv". Zu erwarten ist eine klassische Kontertaktik.

Offen ist indes, ob Naldo und Frings zu den fehlenden Ivan Klasnic, Frank Baumann und Patrick Owomoyela auf die Liste der Ausfälle kommen. Der Manndecker hat muskuläre Probleme und könnte durch den ehemaligen Ajax-Spieler Petri Pasanen ersetzt werden. Frings klagte über Rückenprobleme, für ihn könnte Jurica Vranjes auflaufen. Wahrscheinlicher ist hingegen der Einsatz von Tim Borowski, der zuletzt wegen einer Zehenprellung pausiert hatte. Die Entscheidungen fallen erst am Spieltag. "Wir werden abwarten und alle Möglichkeiten durchspielen", sagte Schaaf. Trotz des guten Hinspiel- Ergebnisses werde jedoch kein Spieler geschont.

Voraussichtliche Aufstellungen:

Ajax Amsterdam:

Stekelenburg - Ogararu, Stam, Heitinga, Roger - Perez, Maduro, Sneijder - Leonardo, Huntelaar, Babel

Werder Bremen:

Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo (Pasanen), Wome - Frings (Vranjes) - Daniel Jensen, Borowski - Diego - Klose, Hunt (Almeida)

Schiedsrichter:

Webb (England)

Michael Rossmann/DPA / DPA

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