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Werder-Star Klasnic: Ärzte bezweifeln frühes Comeback

Die Bundesliga sorgt sich um Ivan Klasnic. Der Stürmer von Herbstmeister Werder Bremen muss sich einem komplizierten operativen Eingriff unterziehen und wird in den nächsten Tagen eine neue Niere erhalten. Wann der Kroate wieder Fußball spielen kann, ist völlig ungewiss.

"Die behandelnden Ärzte gehen davon aus, dass der Spieler sechs bis acht Wochen später dem Verein wieder zur Verfügung steht", sagte Klasnics Anwalt Horndasch am Dienstag. Es gibt aber auch Stimmen von Fachleuten, die ein ganz anderes Zukunftsbild malen. "Klasnic wird über einen längeren Zeitraum Medikamente mit einem breiten Nebenwirkungsspektrum gegen eine Abstoßungsreaktion nehmen müssen. Man darf nicht vergessen, dass wir hier von einem Leistungssportler sprechen, der auf Topniveau Fußball spielt. Realistischer ist wohl eine Pause von sechs Monaten", sagte Claas Pawelek, Chirurg im Universitäts-Klinikum-Eppendorf, im Gespräch mit stern.de.

Andere Mediziner sind sogar noch skeptischer. "Nach einer Nierentransplantation ist es nicht unbedingt empfehlenswert, nach acht Wochen eine Kontaktsportart wie Fußball auszuüben. Das ist vollkommen utopisch. Sollte der Spieler einen Schlag auf die Niere bekommen, kann es im schlimmsten Fall sogar zum Versagen des transplantierten Organs kommen", so die Einschätzung von Mirko Boadu, Arzt in der Diabetologischen Schwerpunktpraxis Wandsbek, gegenüber stern.de.

Optimale Nierenspende steht zur Verfügung

Angesichts der Neuigkeiten um Klasnic verblasste bei den Bremer Verantwortlichen die Enttäuschung über die Absage von John Carew, der zu Aston Villa statt zum Bundesligisten wechselt. Die Suche nach einem neuen Stürmer geht aber weiter.

Seit Dienstag befinde sich Klasnic im Krankenhaus zur Vorbereitung der Transplantation, sagte der Anwalt. Die Nierenprobleme des Stürmers waren erstmals bei einer Blinddarm-Operation Anfang November 2005 aufgefallen. "Bis vor einigen Tagen ging Ivan Klasnic gemeinsam mit den behandelnden Ärzten davon aus, dass es gelingt, eine Nieren-Insuffizienz zu verhindern. Bedauerlicherweise hat sich nunmehr herausgestellt, dass die Verpflanzung einer neuen Niere erforderlich ist", erklärte der Anwalt. "Glücklichen Umständen ist es zu verdanken, dass eine optimal passende Nierenspende zur Verfügung steht." Eine anschließende Dialyse-Behandlung sei nach derzeitigem Kenntnisstand nicht erforderlich, so dass Klasnic weiter Leistungssport betreiben könne. Fragt sich nur: wann?

"Wir geben ihm alle Zeit"

Gespräche über eine mögliche Vertragsverlängerung sollen nun erst geführt werden, wenn der Spieler wieder gesund ist. "Dies ist eine außergewöhnliche Situation, die uns alle sehr bewegt. Er kann sich jeglicher Unterstützung von unserer Seite gewiss sein", sagte Manager Klaus Allofs. Zuletzt hatte es Verstimmungen gegeben, weil Klasnic seine gesundheitlichen Probleme nicht öffentlich erklären wollte. "In erster Linie ist es wichtig, dass Ivan wieder ganz gesund wird. Dafür geben wir ihm alle Zeit", sagte Trainer Thomas Schaaf. Wir hoffen, dass der Eingriff ohne Probleme durchgeführt werden kann und dass Ivan schon bald wieder Fußball spielt."

Der 26 Jahre alte Stürmer spielt seit 2001 bei Werder und hat in 123 Bundesliga-Einsätzen 41 Tore geschossen. Zuletzt hatte es wiederholt Spekulationen über seine Zukunft in Bremen gegeben, weil sein Vertrag zum Saisonende ausläuft und der Profi seit längerem nicht die gewohnte Form zeigte.

Suarez und Rosenberg im Gespräch

Ungeachtet der Situation von Klasnic sucht Werder weiter einen Stürmer. Nach der Absage des norwegischen Nationalspielers Carew, der am Vortag im Tausch mit dem Tschechen Milan Baros vom französischen Meister Olympique Lyon zu Aston Villa in die englische Premier League gewechselt war, will sich Werder nicht unter Druck setzen lassen. "Wir haben einige Kandidaten, die wir prüfen", sagte Allofs. "Aber wir können auch mit drei Stürmern in die Rückrunde gehen." Durch den Verkauf von Mohamed Zidan an den FSV Mainz 05 und Klasnic' längeren Ausfall haben die Bremer nur drei erprobte Angreifer im Kader: Miroslav Klose, Hugo Almeida und Aaron Hunt.

"Namen werden wir nicht kommentieren", sagte Allofs. Zuletzt war in Bremen über 19 Jahre alte Luiz Suarez vom niederländischen Erstligisten FC Groningen spekuliert worden. Und nach Informationen der Bild-Zeitung soll der der 24 Jahre alte Schwede Markus Rosenberg von Ajax Amsterdam schon zur Rückrunde kommen.

Klaus Bellstedt mit DPA

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