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Werder-Torwart Tim Wiese: "Chelsea hat mehr Geld, das ist alles"

Am Mittwochabend empfängt Werder in der Königsklasse den Ballack-Club Chelsea London. Im stern.de-Interview spricht Bremens Torwart Tim Wiese über Unterschiede, Trostpreise und das Thema 'Nationalmannschaft'.

Von einer gelungenen Generalprobe vor dem Knaller gegen Chelsea kann man nach dem mühsamen 2:2 in Aachen wohl nicht sprechen. So geht Werder am Mittwoch unter, oder nicht?

Gegen Aachen sind wir überhaupt nicht ins Spiel gekommen, haben auch die Zweikämpfe von Beginn an nicht richtig angenommen. Nach der Pause wurde es dann besser. Die zweiten 45 Minuten kann man deshalb doch noch als gelungene Generalprobe für Mittwoch abbuchen. 45 gute Minuten werden allerdings gegen Chelsea kaum reichen. Aber das wissen wir selbst am besten.

Ist es nicht auch so, dass sie als Champions League erprobte Profis mit den Köpfen schon bei Chelsea ward? Miro Klose hat das nach dem Spiel jedenfalls kritisiert.

Ich kann hier wirklich nur von mir sprechen. Mir ist es total egal, ob ich nun Cottbus, Bielefeld oder Chelsea vor der Brust habe. Ich gehe immer mit der gleichen Einstellung in die 90 Minuten. Auf mich trifft das nicht zu. Und ich denke, auf die anderen Jungs auch nicht.

Wie gelingt denn dann der Spagat zwischen dem Bundesliga-Alltag und den Spielen in der Königklasse? Die sind für jeden von ihnen ja auch persönlich absolute Highlights.

Dafür braucht man mentale Stärke. Aber die kann man ja wohl auch von Fußball-Profis, die viel Geld verdienen, verlangen. Bei uns klappt das bisher ganz gut.

Nun also geht es gegen den FC Chelsea, derzeit vielleicht die stärkste Mannschaft Europas. Wie gehen sie in dieses Spiel rein? Abwartend oder wie immer stürmisch?

Mal schauen, das sagt uns der Trainer ja immer erst kurz vor dem Spiel. Aber Fakt ist: Wir spielen zuhause und sind eine Offensiv ausgerichtete Mannschaft, die immer versucht, dem Gegner ihr Spiel aufzuzwingen. Das wird gegen Chelsea nicht anders sein.

Chelsea gilt als abgezockte Truppe, die mit Weltstars gespickt ist. Wo steht Werder im Vergleich dazu?

Chelsea steht vor uns. Aber wir sind nicht viel schlechter. Das Problem, wenn es denn überhaupt eines für Werder ist, besteht doch darin: Roman Abramowitsch erfüllt Trainer Mourinho nahezu jeden Wunsch. Für den ist das wie in einem Selbstbedienungsladen. Der bekommt jeden Spieler, den er will. Der FC Chelsea hat mehr Geld als Werder Bremen, das ist der einzige Unterschied.

Im Hinspiel konnten Sie nicht spielen. Am Ende spielte Werder zwar gut mit, verlor aber 0:2. Warum läuft es dieses Mal anders?

Weil wir schon in London nicht schlecht gespielt haben, weil wir vor eigenem Publikum schon Barcelona am Rande einer Niederlage hatten, und weil wir alle ein Ziel haben: Wir wollen ins Achtelfinale einziehen. Ich bin mir sicher, dass wir eine Topleistung abliefern werden und Chelsea schlagen können.

Noch mal kurz zurück zum Hinspiel. Der Elfmeter zum 2:0 von Ballack, hätten Sie den eigentlich gehalten?

Wie bitte? Den hält kein Keeper der Welt.

Auch wenn sie gegen Chelsea gewinnen sollten, wird es wohl auf ein Endspiel in Barcelona hinauslaufen. Dann wartet die nächste Weltauswahl auf Werder...

Ich freu mich schon drauf. Und irgendwie will man sich doch immer auch mit den Besten messen. Da kommt auch ein Gegner wie Barcelona gerade recht. Aber wie schon am Anfang gesagt: Es kommt gar nicht so sehr auf den Gegner an. Wichtig ist, dass man seine Leistung abliefert.

Im letzten Jahr haben sie gegen Juventus Turin eine Weltklasseleistung gezeigt, bis zu diesem bitteren Moment. Das war auch so ein Alles-oder-Nichts-Spiel. Schwirrt ihnen dieser Moment eigentlich noch manchmal vor großen Spielen im Kopf herum?

Gar nicht, kein bisschen, nicht eine Sekunde. Es sei denn sie fragen mich danach.

Letzte Frage zur Champions League: Sollte Werder in dieser so genannten Todesgruppe doch nach der Vorrunde ausscheiden, wäre der Gewinn des Uefa Cups ein Trost?

Damit beschäftigen wir uns momentan gar nicht. Wir haben es selbst in der Hand weiterzukommen. Diese Ausgangsposition haben wir uns erarbeitet. Was am Ende dabei herauskommt, werden wir sehen. Aber ganz ehrlich: Über den Gewinn des Uefa-Pokals mache ich mir jetzt wirklich keine Gedanken.

Kurz noch zur Nationalmannschaft: Sie haben im letzten Jahr in einem Interview mit der Sportbild gesagt, dass sie nach der WM 2006 die Nummer 1 sein wollen. Wie stehen sie heute zu dieser Aussage?

Leider bin ich bisher nicht eingeladen worden, so dass ich meine Leistung im Kreis der Nationalmannschaft auch nicht zeigen konnte. So einfach ist das. Natürlich will ich für Deutschland spielen, aber im Moment haben sie mich da nicht auf dem Zettel. Da kann ich nur eins machen: Weiter gut halten.

Das Interview führte Klaus Bellstedt

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