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Iran: Die schwierige politische WM-Mission

Schöner Anfang, schlechte Fortsetzung: Nach der erfolgreichen WM-Quali geriet der Iran durch die zweifelhaften politischen Äußerungen von Präsident Mahmud Ahmadineschad in die internationale Kritik - niemand wollte mehr gegen den Iran spielen.

Alles hatte so schön begonnen. Der Iran qualifizierte sich für die Weltmeisterschaft mit einer Nationalmannschaft, die von vielen Experten als beste der iranischen Fußballgeschichte eingestuft wird. Mit den Bundesliga-Legionären Mehdi Mahdavikia, Vahid Haschemian, Ali Karimi und Fereydoon Zandi sowie dem Kapitän und ehemaligen Bayern München-Profi Ali Daei wurde das WM-Achtelfinale als Ziel ausgerufen. Doch dann lief vieles falsch.

Gleichzeitig mit der WM-Qualifikation wurde der Außenseiter Mahmud Ahmadinedschad völlig überraschend zum iranischen Staatspräsidenten gewählt. Mit seiner Atompolitik sorgte der 49-jährige ultrakonservative Politiker gleich nach Amtsantritt für internationale Aufregung. Kurz danach forderte er die Eliminierung Israels und bezweifelte den Holocaust. Nun plant Ahmadinedschad noch vor der WM eine Konferenz in Teheran, bei der "das wahre Ausmaß des Holocausts" diskutiert werden soll.

Tod dem WM-Gastgeber

Im Streit um die Karikaturen des moslemischen Propheten Mohammed randalierten seine Anhänger vor mehreren europäischen Botschaften und riefen Hassparolen gegen den Westen. Vor der deutschen Botschaft in Teheran wünschten Islamisten dem WM-Gastgeber den Tod. Für Empörung sorgte auch eine im Berliner "Tagespiegel" veröffentlichte Karikatur, die iranische Fußballspieler mit umgeschnallten Bombengürteln neben Bundeswehrsoldaten in einem deutschen Fußballstadion zeigt. "Jegliche Beleidigung unserer Nationalmannschaft ist gleichzusetzen mit Schließung der deutschen Botschaft", warnten Studenten in einer Protestdemonstration vor der deutschen Botschaft.

Die politischen Turbulenzen wirkten sich negativ auf die Nationalmannschaft aus. Plötzlich wollte kein Land mehr gegen Iran spielen. Rumänien, die Ukraine und Spanien nahmen ihre Zusage zurück. "Die Vorbereitungsspiele wurden aus Gründen, die nichts mit Fußball zu tun haben, einfach abgesagt", klagte der Präsident des iranischen Fußballverbands (FFI), Mohammad Dadkan. Mit viel Mühe konnte der FFI schließlich (das mit 3:2 besiegte) Costa Rica für ein Spiel gewinnen. Die Fans befürchten, dass weitere politische Kontroversen gar zu einem WM-Ausschluss der Nationalmannschaft führen könnten, nach dem Beispiel Jugoslawien, das von der Europameisterschaft 1992 ausgeschlossen worden war.

Karten sind viel zu teuer

Aber auch organisatorisch läuft nicht alles rund. Der FFI besitzt die Exklusivrechte der WM-Tickets, sie werden nur im Rahmen eines Pakets verkauft: Karten, Visa, Versicherung, Flug, Hotel, Transport und Fan-Artikel. Dafür forderte der FFI umgerechnet 4400 Euro. Dies führte zu heftigen Protesten. Das staatliche Fernsehen forderte vom FFI detaillierte Angaben zu den Kalkulationen. Der Verband musste dem Druck der Presse nachgeben und den Betrag auf 3777 Euro reduzieren. Offenbar will der FFI von dem Betrag weiterhin 870 Euro für "sportkulturelle Zwecke" beanspruchen.

Für die treuesten iranischen Fans ist die Reise nach Deutschland unbezahlbar. Kaum mehr als zehn Prozent des dem Iran zustehenden Kartenkontingents von 8413 sind bisher verkauft. Falls der Trend sich nicht ändern sollte, plant der FFI, die Tickets an Perser im Ausland zu verkaufen.

Iran will in Deutschland sportlich für positive Schlagzeilen sorgen

Den FFI und die Mannschaft werden 31 Sportreporter und sieben Fotografen begleiten. 80 weitere Journalisten, die keine Akkreditierung erhalten konnten, bekommen dafür normale Eintrittskarten. Ob führende Politiker mit der Mannschaft nach Deutschland reisen, ist aus Sicherheitsgründen noch unklar. Vizepräsident Ali Abadi, der zugleich auch Sportchef des Landes ist, wird aber mit Sicherheit mit dabei sein. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat seinem iranischen Kollegen zugesagt, das Nationalteam ganz besonders schützen zu wollen. Iran wird sein WM-Quartier in Friedrichshafen am Bodensee aufschlagen.

Trotz der politischen Spannungen, die eine optimale Vorbreitung der Nationalmannschaft auf die WM nicht zulassen, will Iran in Deutschland sportlich für positive Schlagzeilen sorgen und mit einem kulturellen Programm ein friedliches Bild geben. Der Verband plant in den Austragungsorten Frankfurt am Main, Leipzig und Nürnberg "persische Nächte" mit Beiträgen der Topstars des iranischen Chansons, Mohammad- Resa Schadscharian und Ali-Resa Eftekhari, und landestypischen Gerichten.

Farshid Motahari/DPA / DPA

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