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Argentiniens Maskottchen: Diegos göttliche Aura

Andere Fußballteams zählen auf ihre Fans als "zwölften Mann". Argentinien hat bei der WM eine besondere Verstärkung: Fußball-Legende Diego Maradona - und der fühlt sich, als wäre er wieder ein Spieler.

Franz Beckenbauer im Trikot mit dem Bundesadler auf der VIP-Tribüne oder Pelé im gelb-grünen Dress Brasiliens - so gut wie undenkbar. Bei Diego Armando Maradona ist das etwas anderes. Eigentlich als Kommentator mit einem Salär von angeblich zwei Millionen Euro für einen spanischen Fernsehsender im Einsatz, will der Weltmeister von 1986 der argentinischen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM mit seiner "göttlichen Aura" zum Titel verhelfen. Weiter mit ihr schreien, mit ihr leiden und sich mit ihr freuen - als Edel-Fan in Himmelblau und Weiß. "Wenn ich das argentinische Trikot überziehe, bin ich ein anderer Mensch", sagt Maradona.

Es gebe zwei Shirts, die ihn verrückt machen. Das von den Boca Juniors, wo die einzigartige, sportlich wie menschlich von extremen Höhen und Tiefen geprägte Karriere des Fußball-Genies begann. Und das "glorreiche" Trikot der Nationalmannschaft, traditionell mit den breiten Blockstreifen in den Landesfarben. "Ich habe das nie verhehlt und am wenigsten jetzt, wo es um nichts weniger als um die WM geht", sagt er.

Maradona als Glücksbringer

Auf der Bühne, auf der er vor zwanzig Jahren durch sein Tor mit der "Hand Gottes" und durch den WM-Titel berühmt wurde, übernimmt er erneut eine Hauptrolle. Wie viel Ehre gebührt also Maradona, sollte die "Albiceleste" am 9. Juli die begehrteste Fußball-Trophäe holen? Antwort: "Man geht ganz anders auf das Feld, wenn man seine Worte hört und die Unterstützung vom besten Spieler der Welt erfährt", sagt Routinier Roberto Ayala (101 Länderspiele).

Beim Auftaktsieg gegen die Elfenbeinküste war der frühere Superstar als Glücksbringer im Umkleideraum der argentinischen Elf. Und weil das so gut funktioniert hat, soll das auch im Spiel gegen Serbien-Montenegro so beibehalten werden. Wenn es nach Maradona geht, will er den "Gauchos" bis ins Finale als Maskottchen beistehen. "Es war ein wunderbarer Moment. Ich fühlte mich in der Umkleidekabine wieder wie ein Spieler", freute sich Maradona. "Das war toll, und gegen Serbien und die Niederlande werde ich das wiederholen, und wir wollen hoffen, auch im Endspiel."

"Gott ist Argentinier"

Für Maradona wird die WM 2006 auch zu einer Zeitreise. "Ich habe mich selbst wieder wie als Spieler gefühlt. Es war großartig", erzählte er, nachdem er seine Nachfolger vor dem 2:1-Auftaktsieg gegen die Elfenbeinküste in der Kabine heiß gemacht hatte. "Ich hoffe, dass ich das auch gegen Serbien-Montenegro und die Niederlande und - wenn Gott will - auch vor dem Endspiel machen kann." Die Tour durch Deutschland unternimmt er mit seiner Ex-Frau Claudia und seiner Tochter Giannina.

Dabei sieht sich die stets von zwei Bodyguards bewachte Legende als "Teil des Fußballs. Ich will nicht so ins Stadion gehen, als wäre ich im Theatro Colón", sagt Maradona in Anspielung auf das berühmteste Opernhaus Südamerikas. "Ich bin nichts als ein Fan, der den Fußball atmet und der sich bei Toren heißer schreit. Das ist Fußball." Das ist Maradona.

Die Verehrung der Argentinier für Maradona, der die Südamerikaner vor 20 Jahren zum WM-Titel 1986 geführt hat, kennt keine Grenzen. "Der Papst ist Deutscher. Gott ist Argentinier - Diego X", ist auf einem weißen Auto zu lesen, das häufig am Trainingsgelände der Argentinier im fränkischen Herzogenaurach zu sehen ist.

DPA/AP / AP / DPA

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