Interview mit Carlos Bilardo "Deutschland ist, wie es immer war"


In einem Interview spricht der argentinische Weltmeister-Coach von 1986, Carlos Bilardo, über das kommende Duell mit Deutschland, seine bisherigen WM-Eindrücken und - natürlich - über Klinsmann.

Worauf kommt es im Spiel Argentinien - Deutschland am Freitag an?

Carlos Bilardo: "Der Schlüssel zum Erfolg für Argentinien liegt darin, die deutsche Innenverteidigung zu attackieren. Metzelder und Mertesacker sind das Schwächste, was Deutschland zu bieten hat."

Welches wird das entscheidende Duell sein, Frings gegen Riquelme oder Mascherano gegen Ballack?

Bilardo: "Ballack spielt immer ein bisschen weiter vorne als Riquelme und schießt viel mehr auf das Tor. Ballack oder Riquelme werden den Rhythmus des Spiels bestimmen. Und dann muss man sehen, wer den besten Tag hat; Crespo und Saviola oder Klose und Podolski."

Für Argentinien wird es ein Auswärtsspiel im Olympiastadion. Glauben Sie, die Partie wird schwieriger als jene im Finale von 1986?

Bilardo: "Es ist anders, weil es damals auf neutralem Boden stattfand. Es wird schwierig werden, sehr schwierig. Der Heimvorteil spielt immer eine Rolle, aber Vorsicht! Es sind viele Argentinier gekommen, und die schreien viel und laut!"

Wer ist für Sie der Favorit?

Bilardo: "Es ist schwierig, von Favoriten zu sprechen. Argentinien war Favorit und hatte große Schwierigkeiten, Mexiko zu besiegen. Es ist eine ausgeglichene Situation."

Besitzt die Argentinier die Nerven für eine solch wichtige Partie?

Bilardo: "Ja, obwohl gut, richtig gut, waren sie meiner Meinung nach nur gegen Serbien-Montenegro. Gegen die Elfenbeinküste waren sie am Ende nicht gut. Gegen Holland war es eine merkwürdige Partie, weil beide Mannschaften Ersatzspieler auf das Feld schickten. Mexiko war besser als Argentinien bis zur 60. Minute."

Deutschland wird überall gelobt. Was beeindruckt Sie am meisten an dieser Mannschaft?

Bilardo: "Dieses Deutschland hat schlecht angefangen. Erst jetzt, in dem letzten Spiel, sind Klose und Podolski aufgetaucht. Sie sind diejenigen, die den größten Eindruck bei mir hinterlassen haben."

Menotti sagte, Klinsmann habe eine Revolution im deutschen Fußball angezettelt. Sind Sie seiner Meinung?

Bilardo: "Deutschland ist so wie es vor 15 Tagen war (lacht). Ich war hier vor zwei Monaten und man kritisierte Klinsmann, weil er in Los Angeles weiterhin lebt. Ich habe das gar nicht gewusst. Sie zeigten ein Foto von ihm in Badehose, während man hier im Schnee spielte. Ich glaube, Deutschland ist so, wie es immer war."

Eduardo García Barassi/DPA DPA

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