Spiel um Platz 3 Lehmanns Geschenk an Olli Kahn


Es sieht ganz danach aus, als würde bei Spiel gegen Portugal nicht Jens Lehmann, sondern sein ehemals größter Konkurrent Oliver Kahn im deutschen Tor stehen - und die Nummer 1 im Klinsmann-Kader hat überhaupt nichts dagegen.

Der einstmals erbitterte Kampf zwischen Jens Lehmann und Oliver Kahn findet ausgerechnet bei der Fußball-WM in Deutschland ein Ende in großen menschlichen Gesten. Beim Spiel um Platz drei am Samstag gegen Portugal räumt Lehmann sogar freiwillig den Platz zwischen den Pfosten für seinen langjährigen Rivalen. Der zum Reservisten degradierte Kahn soll als Dank für sein tadelloses Auftreten als Nummer 2 sein 86. Länderspiel bestreiten - es könnte zugleich ein Nationalmannschafts-Abschied auf ganz großer Bühne sein.

"Die Chance ist schon groß, dass Oliver spielt. Eine endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen", sagte Torwarttrainer Andreas Köpke. Lehmann stimmte dem Plan von Bundestrainer Jürgen Klinsmann am Donnerstag bereits öffentlich zu. "Wenn Oliver spielen möchte und die Trainer auch zu der Überzeugung kommen, dann hat er das auch verdient", betonte der 37-Jährige.

Kahn - der professionelle Ersatzmann

Verbissen hatten Lehmann und Kahn in Zeiten von "Torhüter- Rotation", "Torwart-Streit" und "Keeper-Krieg" um den Platz im Tor gekämpft, für den Münchner endete das Duell mit der Ausmusterung als Nummer 1 und dem schwersten persönlichen Tiefschlag seiner Karriere. Unglaublich professionell war der Ersatzmann in die ungeliebte Rolle geschlüpft - spätestens seit seinem Auftritt vor dem Elfmeterschießen im Viertelfinale-Krimi gegen Argentinien ist er von einer Art WM- Maskottchen zum "Torhüter der Herzen" aufgestiegen. Kahn hatte Lehmann den Kopf getätschelt und ihn persönlich auf den erfolgreichen Shootout eingeschworen, danach umarmte er den Elfmeter-Helden.

"Er hat sich hervorragend verhalten hier bei dem Turnier, auch mir gegenüber. Ich glaube, das Spiel um Platz drei ist für ihn ein versöhnlicher Abschluss", meinte Lehmann, der Kahn am Donnerstag erstmals öffentlich lobte. "Es gab einige schöne Gesten." Auch nach dem Halbfinal-K.o. gegen Italien war Routinier Kahn in Erscheinung getreten und spielte den Seelentröster - auch Lehmann nahm er kurz in den Arm, als dieser mit glasigen Augen im Strafraum herumstand.

"Ein Einsatz wäre auch eine supergroße Geste an Kahn"

Ob Kahn, der auch beim Confed-Cup vor einem Jahr ebenfalls im "kleinen Finale" gegen Mexiko (4:3 n.V.) zwischen den Pfosten stand, das Geschenk tatsächlich annimmt, war zunächst ungewiss. "Man muss die Wünsche der Spieler berücksichtigen, die nicht so zum Zuge gekommen sind", erklärte Lehmann, der neben Philipp Lahm und Per Mertesacker als einziger deutscher Spieler alle bisherigen 600 Spielminuten bei der Heim-WM absolviert hat. "Ein Einsatz wäre auch eine supergroße Geste an Kahn für die vergangenen sieben Wochen, in denen er sich vorbildlich verhalten hat", sagte Köpke.

Der Torwartwechsel beim Trostspiel hat durchaus Tradition. 1934 durfte Hans Jakob für Stammkraft Willibald Kreß vor 7000 Zuschauern beim 3:2 gegen Österreich zwischen die Pfosten. Gleich sechs Gegentore gab es beim 3:6 gegen Frankreich für Heinrich Kwiatkowski, der 1958 von Sepp Herberger anstelle von Fritz Herkenrath seinen WM- Einsatz im Spiel um Platz drei bekam. 1970 schickte Helmut Schön für seine Nummer 1 Sepp Maier den Braunschweiger Horst Wolter auf den Rasen - der blieb beim 1:0 gegen Uruguay ohne Gegentreffer.

Weder Lehmann noch Kahn haben sich bislang konkret über ihre Zukunft im Nationaltrikot geäußert. Beide Torhüter spielen bei europäischen Spitzenclubs und fühlen sich fit für die neue Saison. Als Reservist dürfte sich Kahn nicht weiter zur Verfügung stellen, Lehmann hat bei seinem ersten großen Turnier als Nummer 1 dagegen Blut geleckt. "Ich werde sicher mit dem Trainer sprechen, wobei erstmal die Frage besteht, ob er weitermacht oder nicht", sagte der 38-malige Nationalspieler.

Christian Kunz und Klaus Bergmann/DPA DPA

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