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Willy Sagnol: Willys Traum

Schafft er mit den Franzosen in "seinem" Münchner WM-Stadion den zweiten Einzug ins WM-Finale? Der bayerische Franzose fiebert besonders dem Halbfinale gegen Portugal entgegen.

Wenn Willy Sagnol an diesem Mittwoch im WM-Halbfinalhit gegen Portugal den Rasen betritt, will er sich einen großen Traum erfüllen. Den zweiten Finaleinzug seiner Franzosen nach 1998. Eine weitere Sternstunde für die "Équipe tricolore" nach dem Viertelfinal- Coup gegen den fünfmaligen Champion Brasilien. Der Abwehrspieler vom Rekordmeister FC Bayern München spielt schließlich "zu Hause". In der Münchner WM-Arena.

Zwischen dem zu alter Genialität zurückgekehrten Superstar Zinédine Zidane (34 Jahre) auf Abschiedstournee und dem bei der WM aufgegangenen Stern von Franck Ribéry (23) repräsentiert Sagnol die mittlere Generation bei den "Blauen" - und als idealtypischer Mannschaftsspieler den im idyllischen WM-Quartier zum Leben erweckten Geist der Solidarität. Das Quartier heißt witzigerweise "Schlosshotel Münchhausen". "Fußball ist ein Mannschaftssport und du kannst nur als Mannschaft Erfolg haben. Bei uns ist die Stimmung mit jedem Sieg besser und unsere mentale Stärke größer geworden. So etwas habe ich noch nicht erlebt, seit ich in der Nationalmannschaft spiele", sagte Sagnol.

Wasserträger von Zidane

Der Freund und "Adjutant" des großen Strategen Zidane hat nicht unwesentlichen Anteil daran, dass die von Trainer Raymond Domenech zusammengefügte Erfolgsmixtur das Gerede von einem angeblichen Generationenkonflikt ad absurdum führte. Nicht der schweigsame Kapitän Zidane, sondern sein treuer Husar Sagnol ("Sie sollen das Maul halten") war es, der den Mund aufmachte, als es galt, die von Frankreichs Altstars kübelweise über die durch die Vorrunde stolpernde "Equipe" ausgegossene Kritik zu kontern.

Deutscher Wille

"Der Willy sagt, was er denkt und lässt sich nicht verbiegen", meinte auch sein langjähriger Münchner Mitspieler Bixente Lizarazu. Sein gestiegener Stellenwert in dem mit Stars gespickten Team dokumentierte auch die Tatsache, dass Zidane ihm als Mitglied des Mannschaftsrates vor der WM auch das Aushandeln der Titelprämie von 250.000 Euro übertrug. "Willy weiß immer, was er will", meinte Lizarazu. Seinen unbeugsamen Willen bekam auch Bayern-Manager Uli Hoeneß zu spüren, als es darum ging, den Vertrag langfristig zu verlängern. Als er mit Juventus Turin schon einig war, musste Hoeneß zu Lasten des Etats für andere Mitspieler noch eine erkleckliche Summe drauflegen. Nun hat er bei Bayern einen Rentenvertrag bis 2010.

"Ich fühle mich sehr wohl in München und wenn man jetzt die Riesenbegeisterung bei der WM in Deutschland erlebt, brauche ich nichts zu bereuen", meinte Sagnol. Vereinstitel hat der in St. Etienne Geborene zu Genüge gesammelt: Champions-League-Sieger (2001), vier Mal Meister und drei Mal DFB-Pokalsieger mit dem FC Bayern, dazu französischer Meister mit dem AS Monaco. Jetzt greift er mit den Franzosen nach dem größten Titel, nachdem er den EM-K.o. 2004 gegen Griechenland wegen seines Armbruchs nicht verhindern konnte. Die Sympathie-Rufe der Fans ("Willllyyyy") sollen ihn bei seinem Heimspiel gegen Portugal beflügeln.

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