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Ex-Bayern-Profi: Willy Sagnol schlittert in Rassismus-Affäre

In der französischen Rassismus-Affäre um Willy Sagnol hat sich der frühere Bayern-Verteidiger entschuldigt. Aber Sagnol verteidigt sich auch. Es hagelte allerdings Kritik.

Willy Sagnol steht nach rassistischen Äußerungen in der Kritik

Willy Sagnol steht nach rassistischen Äußerungen in der Kritik

Nach umstrittenen Aussagen über afrikanische Fußballer hat der frühere Bayern-Profi Willy Sagnol in seinem Heimatland Frankreich um Entschuldigung gebeten - gleichzeitig aber die Rassismus-Vorwürfe energisch zurückgewiesen. "Es tut mir leid, wenn sich jemand von meinen Aussagen schockiert, gedemütigt oder verletzt gefühlt hat", erklärte der Trainer des französischen Erstligisten Girondins Bordeaux am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Liga-Spiel beim RC Lens.

In seiner Erklärung betonte Sagnol, er sei missverstanden worden, weil er sich "nicht klar genug" ausgedrückt habe. Er sei kein Rassist. "Ich bin 37. 32 Jahre habe ich in Fußball-Umkleideräumen verbracht. Und ich hatte nie Probleme jedweder Art", versicherte der 58-malige Nationalspieler und Vizeweltmeister von 2006.

"Typisch afrikanische Spieler"

Sagnol hatte im Interview der Zeitung "Sud Ouest" gesagt, der "typische afrikanische Spieler" sei nicht teuer, sei "kampfbereit" und agiere auf dem Feld "kraftvoll". Das sei im Fußball aber nicht alles. "Fußball ist auch Technik, Intelligenz, Disziplin. Man braucht alles. Auch Spieler aus dem Norden", fügte er an.

Nicht wenige interpretierten diese Worte Sagnols als rassistische Attacke gegen Afrikaner. Der im Tschad geborene Ex-Präsident von Olympique Marseille, Pape Diouf, rief die afrikanischen Profis der Ligue 1 dazu auf, aus Protest gegen Sagnol für einen Spieltag in den Streik zu treten. Die Sozialistische Partei (PS) forderte eine Strafe durch den französischen Nationalverband FFF.

Thuram kritisiert seinen ehemaligen Mitspieler

Zu den Kritikern des früheren Bayern-Abwehrspielers (184 Spiele/7 Tore) gehören unter anderen auch Lens-Trainer Antoine Kambouare und Liliam Thuram, der sich aktiv gegen die Diskriminierung von dunkelhäutigen Menschen nicht nur im Sport einsetzt. "Ich bin überrascht und enttäuscht, weil er sich davor nie so ausgedrückt hatte. Leider gibt es immer noch viele Vorurteile über Afrikaner, über Schwarze", sagte der Weltmeister von 1998 und Ex-Kollege von Sagnol bei "Les Bleus".

Sagnol wehrt sich in seiner Stellungnahme gegen seine Kritiker: "Die Interpretationen, die diese Personen gegeben haben, spiegeln meine Gedanken und vor allem meine humanistischen Überzeugungen überhaupt nicht wider". Als er zum Beispiel über Intelligenz gesprochen habe, habe er lediglich die taktische Intelligenz im Fußball gemeint.

Kritik und Rückendeckung

Sagnol, der in Bordeaux zahlreiche afrikanische Spieler wie Ludovic Sané (Senegal), André Biyogo Poko (Gabun) oder Abdou Traoré (Mali) trainiert, bekam viel Kritik, aber auch Rückendeckung. Dass sich der frühere Trainer der französischen U-21-Auswahl lediglich "ungeschickt" ausgedrückt habe, meinten zum Beispiel der frühere Nationalspieler und heutige Senegal-Trainer Alain Giresse, der Staatssekretär für Sport, Thierry Braillard, der Präsident des FFF, Noël Le Graët, und Girondins-Boss Jean-Louis Triaud.

In Schutz wurde Sagnol sogar auch vom Präsidenten der Europäischen Stiftung für ein Mahnmal für den Sklavenhandel, Karfa Diallo, genommen. Die Worte Sagnols seien "überinterpretiert" worden. "Es ging um Spielkultur: Kraft gegen Technik, Teamspieler gegen Einzelspieler", so der aus dem Senegal stammende Franzose.

Hintergrund: Afrika-Cup

Im Interview von "Sud Ouest" hatte Sagnol vor allem gesagt, er wolle in Zukunft weniger Spieler aus Afrika verpflichten, da die Nationalspieler wegen des alle zwei Jahre ausgetragenen Afrika-Cups ihren Clubs zu oft nicht zur Verfügung stehen. Das nächste Turnier soll vom 17. Januar bis 8. Februar in Marokko stattfinden.

feh/DPA / DPA

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