VG-Wort Pixel

Fifa-Skandal Blatter greift durch - Rapport und Maulkorb


Fifa-Chef Josef Blatter nimmt den Korruptionsverdacht in seinen Reihen offenbar Ernst: Die zwei betroffenen Funktionäre des Fußball-Weltverbandes müssen vor den Ethikrat. Allen führenden Kollegen hat Blatter einen Maulkorb verpasst.

Fifa-Präsident Joseph Blatter hat den Korruptionsfall in seinem Verband zur Chefsache erklärt und die beiden unter Verdacht geratenen Funktionäre zum Rapport bestellt. Reynald Temarii aus Tahiti und der Nigerianer Amos Adamu müssen der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes an diesem Mittwoch Rede und Antwort stehen. Die beiden Mitglieder der "Fifa-Regierung" sollen sich bereiterklärt haben, ihre Stimmen bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 zu verkaufen. Das Exekutivkomitee der Fifa vergibt beide Turniere am 2. Dezember in Zürich.

In ungewöhnlicher Offenheit bestätigte der Fußball-Weltverband am Montagabend, dass er ein Ethikverfahren gegen zwei aktuelle Mitglieder des Exekutivkomitees eingeleitet habe. Dabei soll geklärt werden, "ob diese gegen das Ethikreglement der Fifa verstoßen haben." Zudem sei auch eine Untersuchung gegen die entsprechenden Nationalverbände und entsprechenden Bewerbungskomitees eingeleitet worden. Darüber hinaus laufen ebenfalls Untersuchungen gegen andere Fifa-Offizielle, "die im Rahmen des Vorfalles eine Rolle gespielt haben könnten."

Temarii meldete sich am Montag mit einer halbherzigen Entschuldigung zu Wort. Er sei absolut integer, sagte der 43-Jährige. "Aber ich habe einen Fehler gemacht, als ich auf diese Art und Weise gesprochen habe." In einem Gespräch mit Reportern der britischen Zeitung "Sunday Times" soll er bereit gewesen sein, seine Stimme bei der Vergabe der WM 2018 und 2022 für 3 Millionen neuseeländische Dollar (rund 1,6 Millionen Euro) zu verkaufen, um eine Fußball- Akademie in Auckland zu gründen. Die Journalisten hatten sich als amerikanische Geschäftsleute ausgegeben, die die Weltmeisterschaft 2022 in die USA holen wollten.

Verschiebung der WM-Vergabe kein Thema

Temarii hatte sich am Sonntag mit Blatter getroffen und den mächtigen Verbandschef um eine Untersuchung gebeten. Der 74 Jahre alte Blatter hatte die "sehr unschöne Situation" zur Chefsache erklärt und den 24 Mitgliedern des Exekutivkomitees in einem Brief einen Maulkorb verpasst. Auch Adamu traf am Wochenende in der Fifa-Zentrale in Zürich ein, wollte sein Gespräch mit Blatter aber nicht kommentieren. Die Sitzung der 2006 ins Leben gerufenen Ethikkommission am Mittwoch sei schon seit längerem anberaumt und keine ad-hoc-Entscheidung, teilte ein Fifa-Sprecher am Montag mit.

Eine Verschiebung der WM-Vergabe war zunächst kein Thema. "Wir sollten das in dem vorgesehenen Zeitraum schaffen. Wir wollen die Themen separat behandeln und es ist wichtig, dass wir an der WM-Entscheidung festhalten. Es gibt keinen Grund, dies nicht zu tun. Die Untersuchungen können sofort beginnen", sagte Exekutivkomitee-Mitglied Chuck Blazer aus den Vereinigten Staaten.

Blatter hatte sich am Sonntag per Brief an die Mitglieder der "Regierung" des Weltverbandes gewandt, eine "gründliche Untersuchung" angekündigt und die 24 Funktionäre gebeten, "von jeglichen öffentlichen Äußerungen in dieser Angelegenheit abzusehen".

DPA/ben DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker