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Fußball-WM 2010: Schweizer bauen Mauer wieder auf

Ottmar Hitzfeld setzt erneut auf das Erfolgsrezept des überraschenden Sieges ggen Spanien. Gegen Chile soll die Abwehr seiner Schweizer noch besser stehen. Die Partie der Südamerikaner gegen die Schweiz ist zum Gipfeltreffen in der Gruppe H geworden.

Ottmar Hitzfeld lächelte milde und kündigte mit diplomatischen Worten an, auch gegen Chile auf den Schweizer Riegel zu setzen. Die Offensive der Südamerikaner bezeichnete er am Abend vor dem Spiel als "noch stärker als die der Spanier" und folgerte: "Deshalb müssen wir in den Defensive noch besser stehen." Mit Mauertaktik und Kontern will der erfahrene Coach am Montag (16.00 Uhr/ZDF und Sky) für die zweite Überraschung sorgen. Listig erklärte er dann noch, es könne auch sein, dass er mit zwei oder drei Stürmern spiele.

Der routinierte Coach schob schlitzohrig den Südamerikanern die Favoritenrolle zu und machte sein Team zum klaren Außenseiter. "Wir machen sicher nicht den Fehler, uns selbst zu überschätzen", sagte der Trainer der Schweizer Fußball-Nationalmannschaft: "Über die Stärken von Chile möchte ich nicht weiter sprechen, sonst dauert die Pressekonferenz zu lange."

Die Außenseiterrolle scheint Hitzfeld wie schon vor dem Spanien- Spiel zu genießen. "Ich glaube, dass Favoriten immer den meisten Druck in der Gruppenphase haben", erklärte der ehemalige Meistercoach von Bayern München und Borussia Dortmund. "Da steckt immer ein bisschen Angst im Hinterkopf."

Das Kräftemessen zwischen Alpen- und Andenkickern ist durch den sensationellen Sieg der Eidgenossen gegen WM-Favorit Spanien zum Gipfeltreffen in der Gruppe H geworden. Dem Gewinner winkt auf jeden Fall die alleinige Tabellenführung und im Fall eines Remis zwischen Spanien und Honduras sogar der vorzeitige Einzug ins Achtelfinale.

Psycho-Geplänkel hin oder her: Entscheidend ist, ob die Schweizer ihre stolze Serie von acht Stunden ohne WM-Gegentor ausbauen können. Bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland hatten sie in vier Partien kein Gegentor in der regulären Spielzeit kassiert und waren im Achtelfinale erst im Elfmeterschießen an der Ukraine gescheitert. Nach ihrem überraschenden 1:0-Sieg gegen Spanien in Südafrika sind sie seit 484 Minuten ohne Gegentreffer. Diese Serie will Chile in Port Elizabeth beenden.

"Es ist uns niemand böse, wenn wir weiterkommen und dabei das eine oder andere Tor kassieren", versicherte Diego Benaglio. Der bislang starke Schlussmann des VfL Wolfsburg misst dem Thema wie seine Teamkollegen keine allzu große Bedeutung bei. Die Eidgenossen waren nach ihrem Auftakt-Coup in erster Linie damit beschäftigt, die Euphorie zu dämpfen. "Diese drei Punkte helfen uns nur, wenn wir jetzt nachlegen", sagte Benaglio.

Dass die beiden erfahrenen Führungskräfte Alexander Frei und Valon Behrami nach überstandenen Verletzungen wieder fit sind, stellt Hitzfeld vor die Qual der Wahl. "Jeder Spieler, der gegen Spanien dabei war, hat es verdient, wieder zu spielen. Allerdings sind auch zwei Spieler wieder fit, die einen wesentlichen Anteil an unserer Qualifikation hatten", beschrieb er sein Problem.

Von Hitzfelds Lob lassen sich die Südamerikaner nicht blenden. "Das wird ein sehr ausgeglichenes Spiel", sagte Jean Beausejour, der Schütze des 1:0 gegen Honduras. "Es gibt keinen Favoriten", versicherte Verteidiger Ismael Fuentes. Und angesichts des starken Schlussgegners Spanien urteilte Mittelfeldmann Rodrigo Millar: "Wenn wir das Achtelfinale erreichen wollen, ist das ein Schlüsselspiel für uns, wir müssen gewinnen." Der nach seiner leichten Blessur wieder einsatzbereite Stürmer-Star Humberto Suazo soll vorne für den nötigen Druck sorgen. Spielmacher Jorge Valdivia droht wegen eines "Pferdekusses" im rechten Oberschenkel dagegen auszufallen.

Michael Rossmann und Elmar Dreher, DPA / DPA

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