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Fußball-WM 2018 und 2022: Korruptionsskandal gefährdet Turnier-Vergabe

Platzt die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022? Am Donnerstag soll die Entscheidung fallen, doch die Korruptionsvorwürfe gegen zwei Funktionäre könnten diese in letzter Sekunde stoppen. Trotz allem stellen sich die Bewerber für 2022 vor.

Eine Woche der Entscheidungen: Nachdem am Montag die Gruppen für die Frauen-WM in Deutschland ausgelost wurden, gibt der Fußball-Weltverband Fifa am Donnerstag in Zürich die Austragungsorte der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 bekannt. Während die übernächste WM wieder in Europa stattfinden wird, steht noch nicht fest, auf welchem Kontinent das Turnier in zwölf Jahren ausgetragen werden soll. Die im Vorfeld bekannt gewordenen Korruptionsskandale überschatten die Veranstaltung allerdings. Am Ende könnte die Vergabe für 2022 sogar platzen.

Grund hierfür ist, dass anstehende Entscheidung über die beiden Endrunden durch den Ausschuluss zweier Funktionäre möglicherweise ungültig sein wird: "Das Risiko der Fifa ist, dass ihr WM-Votum unwirksam sein könnte, wenn wir dem juristischen Prozedere folgen und der Sportgerichtshof CAS am Ende die Suspendierung aufheben sollte", sagte die Anwältin des suspendierten Fifa-Spitzenfunktionärs Reynald Temarii der "Süddeutschen Zeitung". Temarii wurde aus dem Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes ausgeschlossen, weil der Tahitianer seine Stimme bei der WM-Vergabe einem britischen Journalisten zum Kauf angeboten haben soll. Auch der Nigerianer Amos Adamu wurde suspendiert. Damit stehen nur noch 22 der 24 Evekutivmitglieder zur Verfügung.

Ozeanien verzichtigt auf Stimmgabe

Temarri hat angekündigt, gegen die Sperre in Berufung zu gehen. "Ich habe mich entschieden, nicht auf dieses fundamentale Recht zu verzichten, um meine Ehre, Würde und Integrität nach diesen verleumderischen Vorwürfen wiederherzustellen", schrieb er in einem Brief an die Fifa. Bislang habe er noch keine schriftliche Begründung für seine Suspendierung vom Verband erhalten. "Ich kann meinem Klienten doch nicht empfehlen, eine Strafe zu akzeptieren, für die es gar keinen Beschluss gibt", erklärte seine Anwältin. Zudem kritisierte sie, dass die Fifa nicht gegen drei weitere Mitglieder der Exekutive vorgeht, die zu Beginn dieser Woche ebenfalls unter Korruptionsverdacht geraten waren. "Wenn die Fifa die aktuellen Fälle nicht wie bei meinem Klienten verfolgt, werde ich das in einem Prozess nutzen", warnte sie.

Durch den bestehenden Einspruch darf die Konföderation Ozeaniens OFC keinen Ersatz-Wahlmann für Temarii entsenden. Die Rücknahme hatte die Fifa als Voraussetzung für eine Stimmabgabe genannt. Der Verband teilte nun mit, dass er auf seine Stimmabgabe am Donnerstag verzichten wird. Das gab OFC-Interims-Präsident David Chung bekannt.

Ob Fifa-Chef Sepp Blatter am Donnerstag eine Entscheidung bekannt geben wird, bleibt abzuwarten. Australien, Südkorea, Katar, die USA und Japan haben dennoch ihre Bewerbung für das Turnier 2022 abgegeben. Kurz bevor die Entscheidung am Donnerstag fällt, zeigen sich auch noch die potenziellen Kandidaten für das Turnier in acht Jahren. Zu ihnen gehören neben den beiden Doppelbewerbern Belgien/Niederlande und Spanien/Portugal auch England und Russland, das als Favorit gilt.

mm/DPA/SID / DPA

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