HOME

Stern Logo WM 2010

Fußball-WM in Südafrika: Fluch-Crashkurs für brasilianischen Schiri

Wayne Rooney sollte sich im WM-Auftaktspiel der englischen Fußball-Nationalmannschaft gegen die USA besser zurückhalten: Der brasilianische Schiedsrichter Carlos Simon hat sich eigens eine Liste der gängigsten englischen Flüche besorgt, um die traditionell lautsprecherischen Stars aus der Premier League für ihre deftige Wortwahl auch bestrafen zu können.

Fluchen verboten: Stürmerstar Wayne Rooney hat vor der Fußball-WM einen Maulkorb bekommen. "Er muss seinen Frust am Gegner abarbeiten, nicht an den Schiedsrichtern. Wayne ist erfahren genug, damit umzugehen. Er weiß, dass wir ihn brauchen", warnte Englands Kapitän Steven Gerrard den hitzköpfigen Torjäger am Donnerstag. Die brasilianischen Referees beim Auftaktmatch der "Three Lions" gegen die USA am Samstag (20.30 Uhr/ARD und Sky) sollen sich bereits mit einem Schimpfwort-Crashkurs auf verbale Fehltritte von Rooney vorbereitet haben.

Referee Carlos Simon und seine beiden Assistenten hätten extra eine Liste mit 20 englischen Beleidigungen studiert, berichteten britische Medien. "Dann heißt eben die Ansage: Nicht fluchen", betonte der zum Chef beförderte Gerrard. Der Weltfußballverband FIFA versicherte indes, er habe kein Schimpfwort-Verzeichnis unter den Unparteiischen verteilt.

Seit Tagen schwelt im WM-Quartier der Engländer eine Disziplin- Debatte, nachdem Rooney beim WM-Abschlusstest den südafrikanischen Schiedsrichter beleidigt hatte. "Alle Spieler sind vom Trainerstab aufgefordert worden, ihre Emotionen in die richtigen Bahnen zu lenken", erklärte Mittelfeldspieler Gerrard.

Sturmpartner Emile Heskey ergriff hingegen Partei für Rooney. "Er will einfach nur gewinnen. Er ist so heißblütig und trägt sein Herz auf der Zunge", meinte der Angreifer. Auch Liverpool-Star Gerrard will Rooney in seinem Vorwärtsdrang keineswegs bremsen. "Natürlich wollen wir ihm sein Feuer nicht nehmen. Er steht immer unter Strom, deshalb ist er einer der besten Spieler der Welt", erklärte der Kapitän, der sein Team anstelle des verletzten Rio Ferdinand ins Turnier führen wird.

So erwartet Rooney eine Gratwanderung zwischen brennendem Ehrgeiz und gebotener Coolness. Bei der WM 2006 hatte er sein Temperament nicht zügeln können und war nach einem Frust-Tritt gegen Portugals Ricardo Carvalho im Viertelfinale vom Platz geflogen. Auch in den ersten Tagen in Südafrika wirkte der 24-Jährige wie aufgezogen. Beobachter scherzten bereits, Rooney habe sich bei einer Safari-Tour sogar ein intensives Blick-Duell mit einem Löwen geliefert.

Vor allem wegen der häufigen Flüche des bulligen Torjägers von Manchester United wollen die Unparteiischen im Spiel gegen die USA genau hinhören. "Wir müssen lernen, welche Worte die Spieler benutzen. Alle Spieler fluchen, das wissen wir", sagte Altemir Hausmann, einer der beiden Assistenten von Referee Simon.

Keine Gefahr droht Rooney dagegen wohl von den Amerikanern. "Nein, wir werden nicht versuchen, ihn aufzuziehen. So etwas machen wir nicht", beteuerte US-Coach Bob Bradley. Und auch der frühere Bundesliga-Profi Landon Donovan meinte: "Rooney soll sich mal keine Sorgen machen."

SID/DPA / DPA

Wissenscommunity