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Fußball-WM in Südafrika: Pannen-Keeper kostet England Sieg

England, deine Torhüter! Durch einen schweren Patzer ihres Keepers verspielten die Engländer den Sieg gegen die USA. Die Leistung des selbsternannten WM-Favoriten war aber auch sonst nicht titelreif.

Pannen-Keeper Robert Green hat Englands Titeljägern bei der Fußball-WM gleich zum Auftakt einen Dämpfer versetzt. Nach einem kapitalen Aussetzer ihres Schlussmanns mussten sich die zahnlosen "Three Lions" am Samstag in Rustenburg mit einem 1:1 (1:1) gegen die USA begnügen. Clint Dempseys harmloser Schuss rutschte WM-Debütant Green in der 40. Minute durch die Hände und trudelte zum Ausgleich über die Torlinie. Mehr als das frühe Führungstor von Steven Gerrard (4.) brachte der schwache Favorit beim Turnier-Einstieg nicht zustande. Damit steht England am Freitag gegen Algerien schon unter Druck.

"Unglücklicherweise haben wir ein unglückliches Tor bekommen, das war ein bisschen ein Schock", sagte Englands Kapitän Steven Gerrard. "Danach haben wir natürlich erwartet, dass wir gewinnen", fügte der Mittelfeldspieler vom FC Liverpool hinzu. Dem Unglücksraben Green wollte er freilich zunächst keinen Vorwurf machen: "Wir müssen uns jetzt alle hinter ihn stellen."

Geheimnis um Englands Aufstellung


Wie angekündigt lüftete Englands Coach Fabio Capello erst kurz vor dem Anpfiff das Geheimnis um seine Aufstellung. Er gab im Tor Green vor "Oldie" David James (Spitzname: Calamity-James. Zu deutsch: Katastrophen-James) und überraschend im linken Mittelfeld James Milner vor Joe Cole den Vorzug. Mit seiner Last-Minute-Nominierung hatte der italienische Coach die Engländer offensichtlich so richtig heiß gemacht. Denn sie legten los wie die Feuerwehr - und schon der erste sehenswerte Angriff führte zur Führung. Kapitän Gerrard spielte wunderschön Doppelpass mit Emile Heskey und schob den Ball dann eiskalt zu seinem 17. Länderspiel-Treffer ein.

In der Folge zeigten die Briten in der Defensive einige Schwächen, die die nach dem frühen Rückstand recht forsch zu Werke gehenden Amerikaner um die Bundesliga-Legionäre Steven Cherundolo, Michael Bradley und Ricardo Clark nicht zu nutzen vermochten. Jozy Altidore (19.) und Oguchi Onyewu (26.) vergaben gute Chancen durch Kopfbälle, bei denen sich Englands Hintermannschaft unerwartet anfällig zeigte.

Dann der Auftritt von Torwart Green


Dann half Pechvogel Green kräftig mit: Er ließ Dempseys harmlosen Linksschuss durch die Hände rutschen und setzte damit die "schwarze Serie" des Fußball-Mutterlandes auf der Problemposition zwischen den Pfosten fort. Somit erwiesen sich beide Entscheidungen Capellos schnell als unglücklich. Denn zuvor hatte der mittlerweile an der Seitenlinie tobende Coach den gegen die flinken Gegner indisponierten und bereits mit Gelb verwarnten Milner schon wieder vom Feld geholt.

Englische Torhüter patzten immer wieder - Green reihte sich nahtlos in die Reihe der englischen Torhüter wie David Seaman ein. Seit dem Abdanken von Peter Shilton, der nach der WM 1990 seine Karriere beendet hatte, wartet England auf einen Keeper von Weltklasse-Format.

England spielte insgesamt schwach


Aber auch die Vorderleute des Pechvogels agierten icht viel besser. Nach der Pause versuchten die Engländer, für mehr Impulse aus dem Mittelfeld zu sorgen und den in der Luft hängenden Stürmerstar Wayne Rooney endlich mal in Szene zu setzen. Dessen Nebenmann Heskey zog freistehend von der Strafraumgrenze ab, aber der starke US-Keeper Tim Howard reagierte ebenso glänzend (51.) wie gegen Frank Lampard (63.). Doch auch der von Landon Donovan oft gut in Szene gesetzte und weiter spritzig wirkende Confed-Cup-Finalist von 2009 blieb gefährlich. So konnte auch Green seine Klasse unter Beweis stellen, als er Altidores Schuss aus Nahdistanz reaktionsschnell an den Pfosten lenkte (64.).

Das Spiel ging jetzt hin und her. Rooney (74.) und Shaun Wright-Phillips (75.), der in Howard seinen Meister fand, hatten das zweite Tor für England auf dem Fuß. In der Schlussphase brachte Capello auch noch Stürmer Peter Crouch, doch auch dem Zwei-Meter-Mann gelang nicht der ersehnte Siegtreffer für den Favoriten.

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DPA/SID/tis / DPA

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