WM 2010 - Deutschland Lahm von Sieg gegen Ghana überzeugt


Wird Deutschland Ghana schlagen und ins Achtelfinale der Fußball-WM einziehen? Für Philipp Lahm ist das gar keine Frage. Der Kapitän der DFB-Elf ist hat keine Zweifel, dass Deutschland weiterkommt. "Wir werden es auch diesmal schaffen", betont er im Interview.

Herr Lahm, ist die Enttäuschung noch groß?
Nicht mehr so groß wie unmittelbar nach dem Spiel. Wir haben immer gesagt, dass wir in Südafrika nicht einfach so durch das Turnier marschieren können. Es ist jetzt allerdings gut zu wissen, dass wir die Sache selbst in der Hand haben. Wir sind nicht abhängig von anderen, so wie beispielsweise die Franzosen. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen um uns und bin sicher, dass wir Ghana schlagen und ins Achtelfinale einziehen.

Als Kapitän, der Sie seit drei Wochen für eine vorübergehende Zeit sind, sind Sie nun erstmals gefordert.
Ich bin mir dieser Verantwortung vollkommen bewusst. Ich werde versuchen, Einfluss zu nehmen und insbesondere auch mit den Spielern das Gespräch suchen, die solche Situationen wie diese noch nicht so oft erlebt haben. Es ist wichtig, dass man gerade den jungen Spielern vermittelt, dass sie Vertrauen in sich haben und an das Team glauben sollen. Wir müssen an uns und unsere Stärke glauben.

Der Druck wird jedoch von Tag zu Tag zunehmen.
Ja, aber die meisten von uns kennen Situationen wie diese. 2008 bei der Europameisterschaft war es ähnlich. Da brauchten wir im letzten Vorrundenspiel unbedingt ein Unentschieden, sonst wären wir aus dem Turnier geflogen. Wir haben es damals in die nächste Runde geschafft und werden es auch diesmal schaffen.

Die Stimmung in Deutschland ist enorm, das zeigen nicht nur hohe Einschaltquoten. Spürt die Mannschaft den nationalen Auftrag?
Wir kriegen natürlich auch in der Ferne mit, was in der Heimat los ist. Durch Telefonate, Fernseh- oder Zeitungsberichte. Es ist sensationell, was in Deutschland gerade passiert. Der Verkehr steht praktisch still, wenn wir spielen. Die Menschen finden zusammen, grillen, trinken und feuern uns an. Wir sind uns bewusst, dass wir den Menschen in Deutschland eine Freude machen können, wenn wir hier Erfolg haben.

Haben die Fans nach der Niederlage noch das ganz große Vertrauen?
Die Fans haben gegen Serbien gesehen, dass eine Mannschaft auf dem Platz gestanden hat, die intakt ist und alles versucht hat, mit zehn Mann den Rückstand aufzuholen. Wir hatten in manchen Situationen Pech. Ich bin fest überzeugt, dass die Anhänger hinter uns stehen. Das hat man auch beim Spiel gegen Serbien in Port Elizabeth gesehen. Das war ja praktisch ein Heimspiel für uns. Klasse, wie viele Menschen sich auf den weiten Weg nach Südafrika gemacht haben.

Wie soll es gegen Ghana mit einem Sieg funktionieren?
Wir müssen an die zweite Halbzeit gegen Serbien anknüpfen. Es ist wichtig, dass wir das Passspiel verbessern und schneller spielen. Ich mache mir keine Sorgen. Denn die Mannschaft hat gezeigt, dass sie in der Lage ist, sich Möglichkeiten zu erarbeiten. Wir sind eine kreative Mannschaft.

Woher nehmen Sie eigentlich Ihre Zuversicht, dass die Mannschaft das Achtelfinale sicher erreicht?
Wenn ich das Spiel gegen Serbien insgesamt betrachte, gibt es für mich nicht mal im Ansatz einen Grund, Angst zu haben. Denn wir sind in der Lage, unsere Gegner zu dominieren. Ich bin mir absolut sicher, dass wir das Spiel gegen Serbien nicht verloren und mit Sicherheit sogar gewonnen hätten, wenn es die Gelb-Rote Karte für Miroslav Klose nicht gegeben hätte.

Macht es Sinn, gegen Ghana etwas zu ändern oder am Stil festzuhalten?
Warum sollte man nach einer Niederlage alles über den Haufen werfen? Mal abgesehen von einem Ersatz des gesperrten Klose gibt es keinen Grund zu ändern.

Bei der EM 2008 gab es nach der Vorrunden-Niederlage gegen Kroatien Änderungen.
Man kann das nicht vergleichen. Damals haben wir schlecht gespielt. Diesmal nicht. Wir sollten an unserem Stil festhalten. Doch müssen wir kritisch ansprechen, was gegen Serbien nicht gut war.

Für das Gegentor im Serbienspiel ist vor allem Holger Badstuber hart kritisiert worden.
Es war nicht nur ein Fehler von Holger. Ich spiele doch selbst auf der Außenbahn und weiß aus Erfahrung, dass man nicht jede Flanke verhindern kann. Der Fehler lag viel mehr im Zentrum der Abwehr. Dort waren ich, Per Mertesacker und Arne Friedrich nicht richtig geordnet.

Mit dem verschossenen Elfmeter hat Lukas Podolski die große Chance zum Ausgleich vergeben. Hätten Sie als Kapitän eigentlich die Möglichkeit gehabt auf dem Platz, einen anderen Schützen zu bestimmen?
Es ist nicht meine Aufgabe, darüber zu entscheiden, wer bei uns Elfmeter schießt. Die Spieler, die dafür vom Trainer bestimmt sind, müssen selbst wissen, ob sie sich in der Lage fühlen, den Elfmeter zu verwandeln.

War es falsch, dass Lukas Podolski geschossen hat?
Nein, das war nicht falsch. Falsch war höchstens die Ecke, die er gewählt hat, denn in die ist der Torhüter gesprungen. Es ist auch müßig, darüber zu diskutieren, ob nun Lukas oder Bastian Schweinsteiger hätte schießen sollen. Schaut man sich die Statistik über Elfmeter anschaut, die Lukas in der Nationalmannschaft geschossen hat, sieht man, dass er zuvor alle verwandelt hat.

Sind Sie sauer auf die Schiedsrichter, die sehr kleinlich pfeifen?
Natürlich ärgern wir uns, wenn man das Gefühl hat, dass der Spielfluss unnötig unterbrochen wird. Aber es liegt an uns, sich auf diese Situation einzustellen. Wir müssen schauen, dass wir bei allem Einsatz nicht von hinten oder der Seite in die Gegenspieler gehen.

Sie haben kürzlich gesagt, dass es die beste deutsche Nationalmannschaft sei, in der sie bislang gespielt haben. Liegt die Messlatte nicht zu hoch?
Nein, ganz im Gegenteil. Die Mannschaft hat Qualität und das gegen Australien und Serbien unter Beweis gestellt. Es gibt heutzutage im Weltfußball keine Laufkundschaft mehr, der man auf dem Platz gegenüber steht und sie einfach so wegfegt. Das sehen wir doch derzeit bei dieser WM. Spanien hat nicht schlecht gegen die Schweiz gespielt, aber trotzdem verloren. Auch die Engländer und Franzosen tun sich schwer. Es sind alles harte Gegner, denen man sich mittlerweile stellen muss. Wenn wir uns mit zehn Mann gute Chancen erarbeiten, wie gegen Serbien, werte ich das als ein Zeichen der Stärke.

Man merkt, Sie sind begeistert von dem Team.
Ja, weil es eine Mannschaft ist, mit unheimlichen vielen Typen, die sich freuen, den Ball am Fuß zu haben. Es macht ihnen Spaß, raus auf den Platz zu gehen und zu spielen. Das ist der Unterschied zu früher. Heute schwingt eine gewisse Leichtigkeit mit auf dem Platz.

Nach dem 4:0 gegen Australien ist die Mannschaft gefeiert worden. Nun gab es viel Häme. Wie geht man mit Kritik um?
Das ist ein Teil des Geschäfts. Damit muss man als Profi auf diesem Niveau umgehen können. So schnell und überschwänglich wie man hochgejubelt wird, so schnell und hart wird man kritisiert, wenn es mal nicht läuft. Allerdings lassen wir uns nicht einreden, dass das ein schlechtes Spiel gegen Serbien war. Vor allem auf die 20 Minuten nach der Pause lässt sich aufbauen.

Mit freundlicher Genehmigung von WELT online.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker