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WM 2010 - DFB-Team: "Herr Cacau" mimt den Stoßstürmer

Miroslav Klose wird nicht spielen gegen Ghana. Der Torjäger ist gesperrt. Bundestrainer Joachim Löw braucht sich aber keine Sorgen machen. Cacau steht bereit. Doch der sympathische Angreifer könnte sogar einen zusätzlichen Sturmpartner bekommen.

Von Wigbert Löer, Centurion

Und da steht er, den Kopf komplett geschoren, was bei ihm aber schon deshalb nicht weiter gefährlich aussieht, weil er zur Glatze eine Brille mit dünn umrandeten Gläsern und breiten Bügeln trägt. Dazu das mit Abstand breiteste Lächeln, das ein deutscher Nationalspieler jemals gelächelt hat. Cacau.

So sprechen ihn die Journalisten auch an, Cacau, sagen sie und siezen ihn dann, eher die Ausnahme in der großen journalistischen Begleiterschar der Nationalmannschaft. Und Cacau sagt an diesem sonnigen und gar nicht kalten Montag im Teamhotel Velmore Grande, dass eine Anrede wie "Herr Cacau" unnötig sei.

Cacau vor dem Startelfdebüt

Der Brasilianer mit der ruhigen, einnehmenden Art ist jenseits des Rasens Deutschlands auffälligster Neuzugang, eingebürgert von schwäbischen Behörden, integriert von sich selbst und nach mehr als zehn Jahren hierzulande mit einem Wortschatz ausgestattet, der beeindruckt. "Zuversicht" habe er vor dem Spiel gegen Ghana, sagt Cacau. Das fällt auf in einem Milieu, in dem man an seiner Stelle gewöhnlich "optimistisch" ist oder einfach nur "positiv".

Am Mittwoch um 20.30 Uhr im Soccer-City-Stadion von Johannesburg wird Cacau voraussichtlich in der Startelf stehen - das erste Mal bei einem Pflichtspiel. Miroslav Klose ist gegen Ghana gesperrt. Mit ihm, sagt Cacau, sei er nicht zu vergleichen. "Ich bin ein anderer Spielertyp." Und genau deshalb fragt man sich nun, was der Bundestrainer plant.

Risiko "4-4-2"

Cacau könnte Miroslav Klose schlicht in der Spitze ersetzen. Allerdings stände dann als einziger Angreifer kein klassischer Strafraumstürmer auf dem Platz. Ein Risiko wäre das wohl, eines, das bislang kaum ein Trainer einging. Nicht unmöglich ist, dass Joachim Löw seine taktische Aufstellung grundsätzlich ändert, statt der Variante "4-2-3-1" mit zwei Stürmern antritt. Das flache "4-4-2"-System würde im Moment fast wie eine kleine Revolution wirken. Dabei spielte die Nationalmannschaft es lange Zeit, unter Klinsmann und auch unter Löw.

Erst die starken Leistungen des Bremers Mesut Özil ermöglichten vor einem knappen Jahr erstmals, mit einem klassischen Zehner zu planen, umgeben von zwei offensiven und abgesichert von zwei defensiven Mittelfeldspielern. Spielen zwei Stürmer, müsste Özil im Mittelfeld auf außen weichen. Da Lukas Podolski auf Links gesetzt ist, würde er auf der anderen Seite Thomas Müller verdrängen. Wer aber bekäme dann im Angriff neben Cacau eine Chance?

Cacau und Gomez - wie in Stuttgarter Zeiten?

Während gemeinsamer Jahre in Stuttgart harmonierte Cacau gut mit Mario Gomez. Gomez wurde von Löw bei dieser WM in beiden Spielen eingewechselt, hinterließ aber jedes Mal einen schwachen Eindruck. Der andere Mittelstürmer im Kader heißt Stefan Kießling. Er bekam bisher noch keine Gelegenheit zu spielen. Ob er sich im Training in starker Form präsentiert, ist nicht bekannt. Ob er dem deutschen Angriff Durchschlagskraft geben könnte, ist fraglich. Das wiederum gilt ebenso für Mario Gomez.

Cacau hat sich nicht dazu geäußert, ob er lieber allein stürmen wolle oder zu zweit in dem Spiel, das das letzte dieser Weltmeisterschaft für die Deutschen sein könnte. Aber immerhin hat er verraten, was passiert, falls Ghana morgen gewinnen sollte. "Dann verliere ich meine gute Laune", sagt Cacau, lächelt und fügt hinzu: "Für kurze Zeit."

Soll Cacau gegen Ghana stürmen? Und wenn ja, in welchem System? Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010, der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

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