VG-Wort Pixel

WM 2010: Platz 3 für Deutschland Viel Spielwitz und noch mehr Willenskraft


Was für ein WM-Abschluss: Beim Spiel um Platz drei gegen Uruguay mobilisierte die deutsche Mannschaft ein letztes Mal alle Kräfte - und siegte 3:2. Es war auch ein Erfolg der Willenskraft.
Von Klaus Bellstedt, Centurion

Wie war das noch mal? Spiele um Platz drei bei Fußball-Weltmeisterschaften gelten als langweilig und für die teilnehmenden Teams als lästige Pflicht? Von wegen! Im kleinen Finale von Port Elizabeth zwischen der DFB-Auswahl und Uruguay entwickelte sich von Beginn an ein intensives und schnelles Match. Man merkte beiden Mannschaften an, dass sie eine für sie sowieso schon gute WM unbedingt mit dem dritten Platz krönen wollten. Da konnte nicht mal der peitschende Dauerregen in der "Windy City" am Indischen Ozean etwas ändern.

Auch ohne Klose, Lahm und Podolski in der Startelf und mit dem dritten Torhüter Jörg Butt zwischen den Pfosten nahm die deutsche Mannschaft den Kampf an und zog von Beginn an ihr Spiel auf. Vor allem die Hereinnahme von Marcell Jansen, der auf der Podolski-Position im linken offensiven Mittelfeld zum Einsatz kam, wirkte sich positiv aus. Der Hamburger nutze die Freiräume, die sich ihm boten immer wieder geschickt aus und lief bis zur Grundlinie durch. In dieser Form hätte Jansen vielleicht auch gegen Spanien der Mannschaft von Joachim Löw weiterhelfen können - hätte er denn im Halbfinale von Joachim Löw von Anfang eine Chance bekommen.

Müller lauerte und vollstreckte


Aber es waren vor allem auch die Mittelfeld-Nebenleute von Jansen, Mesut Özil und Thomas Müller, die für Belebung sorgten. Da erinnerte vieles schon wieder an die begeisternden Auftritte gegen England und Argentinien. Das 1:0 durch Müller (sein fünftes Tor im sechsten WM-Spiel) aus der 19. Minute war nicht nur eine logische Konsequenz des Spielverlaufs, sondern auch ein Beleg dafür, wie gut dieser 21-jährige Jungspund der Bayern schon ist. Im Stile eines echten Torjägers lauerte Müller auf den Abpraller und vollstreckte eiskalt.

Es war eine Unaufmerksamkeit von Bastian Schweinsteiger, der den Ball in der Vorwärtsbewegung verlor, die Uruguay wieder in Spiel brachte. Auch die Innenverteidigung wirkte in dieser 28. Minute nicht konzentriert genug, als Cavani einen herausgespielten Konter abschließen konnte. Der Ausgleichstreffer zeigte Wirkung bei den deutschen Spielern. Sie verloren ihre Linie - auch weil Uruguay äußerst bissig dagegen hielt und mit Suarez und Forlan die Defensive der DFB-Elf unter Druck setzen konnte.

DFB-Elf bewies Moral


Apropos Forlan: Der Toptorjäger zeigte seine ganze Klasse beim 2:1 für die Lateinamerikaner, als er eine Flanke von rechts per Seitfallzieher und unhaltbar für Jörg Butt verwertete (51.). Bei dieser Szene konnte man dem Abwehrverbund um Chef Mertesacker wirklich keinen Vorwurf machen. Es zeichnete die deutsche Mannschaft an diesem Abend in Port Elizabeth aus, dass sie Moral bewies und ein letztes Mal bei diesem Turnier alle Kräfte mobilisierte und zurückkam. Jansen (56.) und Khedira (82.) drehten schließlich doch noch die Partie, die bis zum Schluss höchsten Unterhaltungswert bot. Mit viel Spielwitz und noch mehr Willenskraft erarbeitete sich die DFB-Auswahl am Ende also Platz drei bei dieser WM. Versöhnlicher konnte der Abend für die Mannschaft von Joachim Löw nicht enden.

P.S.: Wie bewerten Sie das letzte WM-Spiel der deutschen Mannschaft? Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010 der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker