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Teamvergleich Darum sind die Franzosen (bisher) stärker als Deutschland


Frankreich und Deutschland spielen das gleiche System und interpetieren es doch anders. Die Teams sind annähernd gleich stark. Doch die Franzosen überraschen vor allem in einem Mannschaftsteil.
Von Felix Haas

Frankreich gegen Deutschland - das waren meistens enge Spiele. Auch dieses Mal dürften beide Teams ähnlich stark sein. Das zeigt die Teamanalyse. Sie zeigt auch, warum die Franzosen bislang (etwas) überzeugender durchs Turnier kamen als die deutsche Mannschaft.

Die Taktik

Sowohl Frankreich als auch Deutschland spielen bei dieser WM in einem 4-3-3-System. Dennoch interpretieren beide Teams das System vollkommen unterschiedlich. Deutschland will den Ball haben und lässt den Ball so viel wie keine zweite Nation (hinten herum) durch die eigenen Reihen laufen. Frankreich überlässt den Gegnern gerne zur Hälfte den Ball, wartet beim Ballbesitz geduldig auf den richtigen Moment für einen Zweikampf und den folgenden Konter. Frankreichs Fußball erinnert stark an die deutsche Spielweise von 2010.

Keine Vorteile.

Die Torhüter

Hugo Lloris galt in seiner Zeit bei Olympique Lyon als kommender Welttorhüter. Die ganz großen Erwartungen erfüllte er seit seinem Wechsel zu Tottenham zwar nicht - dennoch gehört Lloris vor allem dank seiner starken Reflexe auf der Linie zu den besten Torhütern der Welt.

Manuel Neuerist

der beste Torhüter der Welt. Es gibt derzeit keinen vergleichbaren Torwart. Mehr muss man zu dem Thema nicht schreiben.

Vorteil: Deutschland.

Die Abwehr

Frankreich hat erst zwei Gegentore bei dieser WM kassiert. Und diese zwei Tore fielen beim 5:2 gegen die Schweiz, als das Spiel ohnehin schon entschieden war. Das Team verteidigt kollektiv, zieht sich mal geduldig zurück und attackiert dann wieder aggressiv den Gegner - selbst Karim Benzema ordnet sich unter. Die Viererkette verbindet Erfahrung (Patrice Evra, links) mit Talent (Raphael Varane, Mitte), Robustheit (Mamadou Sakho, Mitte) und Geschwindigkeit (Mathieu Debuchy, rechts).

Über

Deutschlands Abwehr

mit seinen großen Innenverteidigern ist schon jede Menge geschrieben worden. Bislang haben Mertesacker und Co. vieles abgeräumt. Das DFB-Team kassierte bislang drei Tore. Eines allerdings ebenfalls in der Nachspielzeit gegen Algerien - als kaum einer mehr laufen konnte. Gegen Frankreich wird das Team im kollektiv dennoch besser verteidigen müssen.

Vorteil: Frankreich.

Das Mittelfeld

Frankreich: Kein Mittelfeld war bei dieser Weltmeisterschaft so zweikampfstark wie das französische. Blaise Matuidi gewinnt 66 Prozent seiner Zweikämpfe, Paul Pogba 64 Prozent. Gemeinsam mit Cabaye bilden sie das Herzstück des französischen Spiels. Sie spielen robust, clever und eröffnen das Spiel schnell und zielstrebig. Das Mittelfeld sorgt auch immer wieder für Torgefahr. Matuidi traf gegen die Schweiz, Pogba erzielte das wichtige Kopfballtor zur Führung gegen Nigeria.

Deutschlands Mittelfeld

mag von den Namen her stärker besetzt sein. Doch einzig Lahm kann gegen die zweikampfstarken Franzosen mithalten (66 Prozent gewonnen Zweikämpfe). Kroos (53 Prozent), Schweinsteiger (54 Prozent) und Khedira (48 Prozent) fallen in dieser Statistik ab. Aus dem deutschen Mittelfeld erzielte zudem noch keiner ein Tor.

Vorteil: Frankreich.

Der Angriff

Frankreich: Auch ohne Franck Ribery ziehen die Franzosen ein Hochgeschwindigkeits-Offensivspiel auf. Dafür sorgt vor allem Mathieu Valbuena, der 1,66-große Zwerg eröffnet flink Räume und zieht das Spiel immer wieder in die Breite. Davon profitiert Karim Benzema in der Mitte, der ohnehin so stark ist wie nie.

Im

deutschen Sturm

überzeugt bislang einzig Thomas Müller. Mesut Özil musste viel Kritik einstecken. Dabei verzeichnet er statistisch herausragende Werte für einen Außenstürmer. Er gewann bei dieser WM bislang 52 Prozent seiner Zweikämpfe und brachte 88 Prozent seiner Pässe an den Mitspieler. Die Werte könnten aber auch dafür sprechen, dass Özil zu wenig gewagt hat. Vielen Fans wäre etwas mehr Mut bei Özil sicher recht.

Keine Vorteile.

Die Bank

Bei Frankreich hocken Weltstars wie Lauren Koscielny und Bacary Sagna von Arsenal London auf der Bank. Beide sind Abwehrspieler. Im Angriff hat Deschamps entweder Olivier Giroud oder Antoine Griezmann in der Hinterhand.

Deutschland

ist in der Breite allerdings noch besser besetzt. Podolski, Schürrle oder Götze, Draxler, Khedira oder Schweinsteiger - dazu noch Miroslav Klose: So eine starke Bank hat kein verbliebenes Team.

Vorteil: Deutschland.

Fazit

Die Franzosen spielen im Mittelfeld so aggressiv und geschickt wie kein anderes Team bei dieser WM. Darum ist das Team von Deschamps bislang auch überzeugender durchs Turnier gekommen als Deutschland. Frankreich spielte vor allem in der Gruppenphase einen ähnlichen Fußball wie Deutschland 2010 - das ist begeisternd und schön anzuschauen. Doch gegen ein Topteam wie die DFB-Elf haben sie bei dieser WM noch nicht gespielt. Es dürfte ein enges Spiel werden, bei dem es auf die Bankspieler ankommen könnte - und da liegt der Vorteil bei Deutschland.


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