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Vorrunden-Aus der Spanier: Die rote Bestie ist müde

Zwei schwache Spiele und schon ist mit Spanien ein Titelfavorit der WM ausgeschieden. Die einstige "Furia Roja" ist entzaubert. Es ist der Abschied von einer goldenen Fußballer-Generation.

Von Thomas Krause

Im berühmten Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro ist an diesem Abend nicht weniger als eine Ära zu Ende gegangen. Die Spanier, die den Fußball in Europa und der Welt seit Jahren dominiert haben, danken am selben Tag ab wie ihr König Juan Carlos. Schon in den ersten Minuten der Partie gegen Chile war den Spaniern anzumerken, wie sehr die krachende Niederlage gegen die Niederlande zum WM-Auftakt an ihrem Selbstbewusstsein genagt hat.

Kaum etwas war zu sehen von dem eleganten Kombinationsfußball, mit dem Xabi Alonso, Sergio Ramos und Co. seit Jahren die Fans in aller Welt verzückt haben. Stattdessen attackierten die Chilenen früh - und das reichte schon. An der Mittellinie setzten sie Alonso so unter Druck, dass er einen Fehlpass spielte. Über Aléxis Sanchez und Arturo Vidal kam der Ball in den Strafraum, Charles Aránguiz legte quer und so vollendete Eduardo Vargas diese wunderbare Kombination in der 20. Minute zum 1:0.

Casillas wirkt alt und müde

Es war nicht einmal die erste hochkarätige Chance, die sich die Chilenen erarbeitet hatten. Nun war den Spaniern die Angst deutlich anzumerken. Und noch vor der Halbzeit wurden ihre Befürchtungen bittere Realität. In der 43. Minute faustete der spanische Torwart Iker Casillas einen Freistoß von Sanchez nach vorne weg, wo Aránguiz den Ball mit der Pike ins Tor schoss.

Casillas hatte schon im Auftaktspiel einen schlechten Eindruck hinterlassen. Dem 32-Jährigen war von seiner früheren Souveränität nichts mehr geblieben. Alt und müde wirkte der Keeper, der auch bei Real Madrid längst nicht mehr unumstritten ist. Und er war damit nicht alleine. Alonso, Ramos, Xabi Alonso - keinem von ihnen gelang es, die spanische Nationalmannschaft zu gewohnter Stärke zu führen. Den großen Regisseur Xavi hatte Trainer Vicente del Bosque erst gar nicht aufgestellt. Schon in der ersten Halbzeit war der sonst so friedfertige Andrés Iniesta dermaßen genervt, dass er sich zu einem Frustfoul hinreißen ließ. In der zweiten Halbzeit konnte Chile es sich leisten, auf Konter zu lauern. Und obwohl die Spanier nun mehr Platz hatten, gelang ihnen kaum etwas. Nichts war mehr da von der "Furia Roja", der roten Bestie, die einst Gegnern das Fürchten gelehrt hatte. Schlimmer noch: Die Hilflosigkeit dieser spanischen Mannschaft ließ Mitleid aufkommen.

Zeit für eine neue Ära

Nach nur zwei Spielen ist klar, dass der Titelverteidiger die Vorrunde dieser Weltmeisterschaft nicht überstehen wird. Das ist den Franzosen 2002 und den Italienern 2010 auch passiert. Aber mit den Spaniern verabschiedet sich nicht nur einer der Titelfavoriten, sondern eine goldene Fußballer-Generation. Xabi Alonso, Xavi, David Villa dürften bei der nächsten WM nicht mehr dabei sein. Auch Iker Casillas und Fernando Torres werden 2018 übers beste Fußballeralter hinaus sein. Sie haben mit ihrem Tiki-Taka den Fußball auf ein neues Niveau gehoben. Andere haben erst gestaunt, dann von den Spaniern gelernt.

Besonders das Spiel gegen die Niederlande hat gezeigt: Der Tiki-Taka-Code ist geknackt. Es ist Zeit für eine neue Ära. Wer die kommende Epoche prägen wird, zeigt sich vielleicht schon in Brasilien.

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