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WM-Aus gegen Costa Rica: England steht vor einem Trümmerhaufen

Diese WM dürfte die englische Nationalelf lange verfolgen. Von wütenden Schlagzeilen wurde das Team nach der schlechtesten Bilanz seiner Geschichte in der Heimat empfangen.

Beschämt flüchteten Englands WM-Versager so schnell es ging vom Ort der bittersten Weltmeisterschaft ihrer Geschichte. Nach einer kurzen Zwischenlandung in Rio de Janeiro hoben Wayne Rooney & Co. nur gut sechs Stunden nach dem mauen 0:0 gegen Costa Rica mitten in der Nacht gen Heimat ab - im Königreich warteten bereits bitterböse Schlagzeilen auf sie. "England RIP", titelte der "Daily Express". "Kein Herz, kein Können, keine Seele".

Nur ein Punkt aus drei Spielen - so schlecht waren die einst so stolzen Three Lions noch nie bei einem Weltturnier. Wenig amüsiert und kommentarlos schlurften Rooney und Steven Gerrard mit weißen Plastikbeuteln an den Journalisten und Kamerateams im Stadion von Belo Horizonte vorbei.

Englands Boulevard fordert Kopf des Trainers

Noch an Rios Flughafen kommentierte zumindest Roy Hodgson das erste Vorrundenaus seit 56 Jahren. "Dieser Tag hat mir viel Positives gegeben", behauptete der angeschlagene Coach allen Ernstes. Zumindest die Reaktion der Fans am Ort, wo England mit dem 0:1 gegen die USA 1950 seine bislang größte Schmach erlebt hatte, durfte Hodgson mit Stolz erfüllen. "Sie haben uns eine Ovation gegeben, die unsere Resultate offensichtlich nicht verdienen. Wir sind so traurig und enttäuscht für sie, weil wir wissen, was sie durchmachen."

Trotz der Vertrauensbekundung durch den Verband forderte der englische Boulevard wie bereits zuvor sein sofortiges Amtsende. "Hodgsons Flops schleichen zurück aus Brasilien, eine vergangene Macht im Weltfußball... (Italiens) Prandelli tritt zurück und so sollte es auch Roy tun", schrieb die "Daily Mail".

Neben dem Ersatzkapitän Frank Lampard, der das Team in seinem womöglich letzten Einsatz im Nationaltrikot angeführt hatte, stellte sich zumindest Jack Wilshere den Fragen. "Wir gehen nun zurück nach England und werden jeden Tag daran denken müssen", meinte der 22-Jährige. "Es wäre für mich einfach zu sagen, wir sind jung", meinte er mit Blick in die Zukunft des Weltmeisters von 1966. Doch genau Spieler wie er machen auf der Insel Mut. "Diese WM kam für unsere Youngsters zu früh", meinte Ex-Nationalspieler Gary Lineker, "aber ich denke immer noch, dass wir eine strahlende Zukunft haben werden. Wir haben so viele talentierte Kids", twitterte er.

Zwei Wochen englische Tristesse

In Brasilien herrschte gut zwei Wochen lang aber nur englische Tristesse. "Die jungen Spieler werden von dieser schlimmen Erfahrung profitieren", glaubt aber Routinier Lampard. Für den 36-Jährigen war es ein emotionaler Abschied von der WM-Bühne. Mit nacktem Oberkörper stand er sichtlich bewegt vor den Fans, die ihn und die ganze Mannschaft feierten. "In England sind die Fans einfach so. Es war unglaublich", sagte Lampard.

Zwei Jahre bis zur EM in Frankreich haben sie nun Zeit, aus den Trümmern eine Mannschaft mit Format aufzubauen. Hodgsons Vertrag läuft noch bis nach der Europameisterschaft 2016. Mut für die kommenden 24 Monate macht ihm der 90-minütige Auftritt im Estádio Mineirão, in dem er vor allem den jungen Ersatzspielern eine Chance gegeben hatte. "Sie waren beeindruckend", lobte Lampard die, die es besser machen sollen als seine Generation: "Sie werden das Richtige tun."

Dennoch reichte es nicht mal gegen den relativ zurückhaltend spielenden Überraschungs-Gruppensieger Costa Rica zum dritten Tor im Turnier und zum ersten Sieg. Trost findet sich aber immer irgendwo. "1988 haben wir alle drei Gruppenspiele bei der EM verloren", erinnerte sich Lineker: "Zwei Jahre später waren wir nur ein Elfmeterschießen vom WM-Finale entfernt."

Florian Lütticke und Jens Marx/DPA / DPA

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