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1:1-Unentschieden gegen Island: Messis Elfer-Versagen offenbart alle Schwächen Argentiniens

Es war ein Debakel: Argentinien spielt im WM-Auftaktspiel gegen Island nur unentschieden und Messi verschießt einen Strafstoß - schlimmer hätte es für die Albiceleste nicht kommen können. Jetzt steht die ganze Elf in Frage.

Stern-Reporter Lionel Messi

Lionel Messi enttäuscht die Fans und sich selbst

DPA

Als der Schiedsrichter abpfiff, hatte Messi den Ball zwischen seinen Füßen, er schoss ihn frustriert in den Nachmittagshimmel von Moskau, er riss sich die Kapitänsbinde vom Trikot und schleppte sich mit gesenktem Kopf Richtung Stadionausgang. 

1:1 gegen Island, Land der 330.000 Einwohner, klein wie ein Vorort von Buenos Aires.

Hinter ihm lag ein Auftritt, wie er ihn so oft mit der Nationalmannschaft erlebt hatte: Wenig Kreativität, Schwächen in der Abwehr, alles ist abhängig von ihm. Wenn es bei ihm nicht läuft, geht gar nichts.

Messi versucht viel, aber es war nicht genug

Es war nicht so, dass Messi es nicht versuchte. Er tauchte nicht unter, wie in so manchem Länderspiel zuvor. Er gab ein paar gute Vorlagen, er versuchte es immer wieder mit Dribblings, er hatte drei Freistoßchancen, er war immer wieder umgeben von drei bis vier blonden Hünen.

Und er hatte den Elfmeter.

Er schoss ihn so schlecht wie selten, so wie man ihn nicht schießt, halbhoch, einfach zu parieren für den Keeper.

Die Argentinier auf den Tribünen schrien umso trotziger: "Messi, Messi, Messi." Sie werden ihn nicht fallen lassen.

Hoch oben in einer VIP-Loge stand Diego Maradona in Nähe der Fans und zog genüsslich an seiner Zigarre. Es war nicht auszumachen, ob er sich freute. Die Fans feierten ihn frenetisch. Es gab sonst nicht viel zu feiern.

Messi stellt sich den Journalisten

Danach gingen die Spieler zu den Interviews. Sergio Agüero, Argentiniens Torschütze, sagte, dass sie jetzt für Messi da sein müssen, er habe Argentinien so oft gerettet. Und er sagte einen sehr unargentinischen Satz: "Wichtig war, es nicht zu verlieren." Gegen Island!

Trainer Sampaoli beließ es bei Durchhalteparolen. "Wir müssen stark bleiben und an uns glauben. Wir besitzen die Waffen, um es mit jedem aufzunehmen." Zu Messi sagte er: "Es war ein unangenehmes Spiel für ihn." In der Heimat fielen sie da bereits über ihn her. Falsche Aufstellung, falsche Einwechslungen, schlechte Taktik.

Messi, der sonst an Journalisten gern vorbeigeht, blieb diesmal stehen. Er verließ die Umkleidekabine als erster und verkündete, nur er werde mit den Journalisten sprechen. Er wusste, dass er sich stellen musste. Er war der Mann des Spiels, wenn auch auf tragische Weise. Messi sagte: "Die Stimmung in der Kabine ist schlecht, klar, aber der Weg ist sehr lang, er hat gerade erst begonnen."

Über den verschossenen Elfmeter wollte er nichts sagen. Nur soviel: "Wir hatten genug Chancen, um drei Punkte zu holen, wir haben sie nicht genutzt. Jetzt müssen wir die Partie schnell vergessen."

Enttäuschte Fans

Vor ihm liegen vier Tage Fragen, Kritik, Zweifel an der Fußballnation Argentinien. Island sollte der einfachste Gegner der Vorrunde sein. Jetzt warten Kroatien und Nigeria. Zumindest gegen Kroatien ist Argentinien nicht mal mehr Favorit.

Argentinien war insgesamt zwar überlegen - Island kam in der zweiten Halbzeit kaum noch aus der eigenen Hälfte - aber es war offensichtlich, wie viele Mängel das Team hat. Nur von Messi geht Kreativität aus. Nicht von Di Maria, nicht von Biglia oder Agüero. Zudem weist die Abwehr große Lücken auf, selbst gegen das kleine Island hätten in der ersten Hälfte zwei weitere Gegentreffer fallen können.

WM 2018

Der verpatzte Auftakt ist umso trauriger für Argentinien, weil die Fans in Scharen angereist waren. Schon Stunden vorher machten sie vor dem Spartak-Stadion und später drinnen große Stimmung. Sie hielten selbstgemalte Plakate hoch mit Messi und Maradona oder Messi und dem Papst. Viele sind Migranten, die in Europa leben, viele andere aus dem Krisenland haben vier Jahre lang gespart, um einmal eine WM zu erleben. Sie schufen die erste richtige WM-Stimmung dieser WM. Jedenfalls vor dem Spiel und bis zur 90. Minute. Dann feierten die Isländer.

tis

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