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WM 2018 in Russland Was für eine Blamage: Mexiko entzaubert Deutschland

Thomas Müller war im Spiel gegen Mexiko kaum zu sehen
Die Spieler der DFB-Elf nach dem WM-Spiel gegen Mexiko in der Einzelkritik:
  1. Manuel Neuer: Wenn er geprüft wurde, war er zur Stelle. Aufmerksam und fehlerlos. Ein gewohnt sicherer Rückhalt.
  2. Mats Hummels: Hatte von Begin viel zu tun, leistete sich der ersten Halbzeit zwei schwere Fehler.
  3. Joshua Kimmich: Gute Leistung des Außenverteidigers, offensiv aktiv hatte in der Defensive aber wie alle Probleme 
  4. Jérôme Boateng: Rettete zu Beginn in höchster Not, ansonsten solide.
  5. Marvin Plattenhardt: Wirkte wie ein Fremdkörper, zeigte auch, was er gut kann: Flanken.
  6. Toni Kroos: Sah beim Gegentor nicht gut aus, die Lücken im Mittelfeld gehen auch auf sein Konto.  Hatte mit einem Freistoß die beste deutsche Chance in der ersten Halbzeit.
  7. Julian Draxler: Setzte immer wieder mit Dribblings Akzente, blieb aber oft glücklos.
  8. Sami Khedira: Totalausfall, zu Recht früh ausgewechselt.
  9. Timo Werner: Mutigster Mann einer besonders in der 1. Halbzeit zaghaften Offensive.
  10. Mesut Özil: In der 1. Halbzeit ein Aktivposten, in der 2. Halbzeit nicht mehr zu sehen.
  11. Thomas Müller: Im negativen Sinne unauffällig, das kann er viel besser.
  12. Marco Reus: Kam in der 69. Minute für Khedira und hat die Offensive deutlich belebt.
  13. Mario Gomez: Kam in der 79. Minute, konnte nichts mehr ausrichten.
  14. Julian Brandt: Spielte in den letzten Minuten für den angeschlagenen Timo Werner, wäre beinahe noch Matchwinner geworden - traf aber nur den Außenpfosten. 
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Der Fehlstart ist perfekt: Gegen Mexiko fanden die deutschen Weltmeister kein Mittel und wurden mit einer 0:1-Niederlage bestraft. Jetzt ist das DFB-Team gegen Schweden und Südkorea unter Druck.

Das Projekt Titelverteidigung ist nach einem krachenden Fehlstart der  eutschen Fußball-Weltmeister gegen aggressive Mexikaner schon in Gefahr.  Die Nationalmannschaft ließ beim 0:1 (0:1) im Moskauer Finalstadion alle Titel-Qualitäten vermissen und kassierte die erste Turnier-Auftaktniederlage in der Ära von Joachim Löw. Offensiv fehlte ein Konzept, defensiv herrschte Notstand. Tempofußball spielte nur der Gegner, der durch den starken Linksaußen Hirving Lozano (35. Minute) vor 78. 011 Zuschauern im Luschniki-Stadion den Weltmeister mit seinem Siegtor vor den weiteren Partien gegen Schweden und Südkorea in Not brachte.

Bundestrainer Löw ergriff mit der Einwechslung von Marco Reus für Sami Khedira nach einer Stunde notgedrungen ein taktisches Gegenmittel. Offensives Risiko war notwendig, nachdem zuvor Stabilität und Ordnung gefehlt hatten. Doch die Wende blieb aus. Ein Freistoß von Toni Kroos (39.), den Mexikos Torwart Guillermo Ochoa mit den Fingern an die Latte lenken konnte, schon in der ersten Halbzeit und mehr Druck in der Schlussphase waren einfach viel zu wenig. Mexiko siegte verdient und deckte die Mängel im deutschen Spiel schonungslos auf. Letztmals verlor Deutschland vor 36 Jahren zum WM-Auftakt, damals 1:2 gegen Algerien.

Mexiko startet furios

Ein Abtasten gab es nicht in der Betonschüssel Luschniki. Schon in der ersten Minute wurde das deutsche Abwehr-Harakiri von den Mexikanern schonungslos offen gelegt. Über die linke Seite konnte Lozano in den Strafraum eindringen. Jérôme Boateng rettete per Grätsche - eine Riesentat. Wenige Sekunden später musste Manuel Neuer das erste Mal zupacken, als Marvin Plattenhardt den Ball vom Knie Richtung DFB-Tor bugsierte. Der Berliner sprang kurzfristig als rechter Verteidiger für den grippe-kranken Jonas Hector ein.

Die Problemzone war aber die andere Flanke. Joshua Kimmich spielte praktisch Rechtsaußen. Seine Defensivaufgaben blieben unerledigt. Immer wieder stießen die schnellen Mexikaner per Konter in diese Lücke. Löw reagierte auf dieses taktische Problem nicht Das Gegentor durch Lozano zeichnete sich förmlich ab. Die Fehlerkette, die zum ersten Gegentor in einem WM-Auftaktspiel unter Löw führte, war symptomatisch für das deutsche Spiel. Der schwerfällige Khedira verlor in der gegnerischen Hälfte einen Zweikampf, Mats Hummels rutschte in der Rückwärtsbewegung aus und die Kimmich-Seite war verwaist. Bezeichnend, dass der eigentlich fürs Kreative weit vorne vorgesehene Mesut Özil den finalen Zweikampf im führen musste - und diesen verlor. Lazano ließ sich die Chance diesmal nicht nehmen.

Löws Taktik ging hinten und vorne nicht auf

Löws Taktik ging hinten und vorne nicht auf. Zu große Abstände zwischen den Mannschaftsteilen, keine Ordnung, keine Stabilität. Von der versprochenen Besserung nach den mauen Tests gegen Österreich (1:2) und Saudi-Arabien (2:1) war nicht zu sehen. Vor allem Khedira und Toni Kroos konnten die Lücken nicht schließen. 

Einzig Boateng nahm die Zweikämpfe kompromisslos und körperbetont an, wurde mit seinem Defensivpartner Hummels und dem aufmerksamen und sicheren Neuer aber sehr allein gelassen. Gegen Hector Herrera (10.) und bei einem Kopfball von Hector Moreno (14.) packte der rechtzeitig genesene Schlussmann sicher zu.

WM 2018

Kroos' Freistoß war in der ersten Halbzeit die mit Abstand beste deutsche Möglichkeit, nachdem Timo Werner (3.) recht früh aus spitzem Winkel vorbei geschossen hatte. Der Leipziger wurde bei seinem WM-Debüt viel zu selten in Szene gesetzt. 

Deutschland bleib bis zum Ende defensiv anfällig

In der zweiten Halbzeit verzichtete Löw zunächst auf neue Impulse. Die Mexikaner waren nicht mehr so laufstark, doch die DFB-Elf blieb in der Rückwärtsbewegung anfällig. Den Mexikanern fehlte zum Glück für Löw schlicht der Punch - wie Stürmerstar Chicharito (57.) bei einem Konter.

Dann kam Reus - ein Signal für die Jagd nach dem Ausgleich. Der Dortmunder rutschte bei seiner WM-Premiere am Ball vorbei (68.) und schoss aus spitzem Winkel drüber (71.). Bei den nun häufigeren Offensivaktionen war es vor allem Julian Draxler, der immer wieder Richtung Ochoa-Tor strebte, doch auch der PSG-Profi hatte kein Fortune. Mexiko warf sich in jeden deutschen Schuss. Kroos (76.) zirkelte den Ball knapp vorbei. Mario Gomez kam noch als finaler Joker - konnte die Premieren-Pleite aber nicht mehr abwenden.  Gomez vergab eine Kopfballchance (87.), Brandt hatte Pech mit einem Kracher an den Außenpfosten (89.).

tis / Von Klaus Bergmann, Jens Mende, Christian Kunz und Arne Richter DPA

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