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WM-Aus gegen Costa Rica Erst Flick, dann Bierhoff –ARD-Duo Schweinsteiger/Sedlaczek quält DFB-Verantwortliche mit unbequemen Fragen

Bastian Schweinsteiger und Esther Sedlaczek
Bastian Schweinsteiger und Esther Sedlaczek 
© ARD / stern
Man hat Bastian Schweinsteiger oft vorgeworfen, er würde als TV-Experte die Dinge schönreden und weichspülen. Doch am Abend der Niederlage gegen Costa Rica ragten er und seine ARD-Kollegin Esther Sedlaczek mit ihren Interviews tatsächlich heraus.

Es ist viel gesagt worden an diesem denkwürdigen Abend rund um die Katakomben des Al Chaur-Stadions in Katar. Doch wohl nur wenige Sätze werden so in Erinnerung bleiben wie die von ARD-Experte Bastian Schweinsteiger, als er nach dem desillusionierenden Auftritt der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Costa Rica die Leistung der DFB-Elf verbal zerlegte. "Ich bin echt enttäuscht und schockiert, wie das verlief. Das Auftreten der Nationalmannschaft ist zu wenig. Das reicht nicht", urteilte der 38-Jährige.

Sein Kernvorwurf richtete sich dabei nicht gegen die sportlichen Qualitäten der Akteure auf dem Platz, sondern Schweinsteiger warf der DFB-Elf mangelnde Einstellung vor. Andere Mannschaften hätten während des gesamten Turniers mehr "gebrannt" als die deutsche.

Man merkte dem Weltmeister von 2014 regelrecht an, wie sehr ihm dieses Larifari-Gekicke gegen den Strich ging. Schweinsteiger ruderte mit den Armen, malträtierte dabei einen roten Kugelschreiber, mit dem er sich zuvor vermutlich Notizen zu all den Fehlleistungen seiner ehemaligen Kollegen gemacht hatte. Er selbst hatte sich 2014 im WM-Finale gegen Argentinien noch mit Blut an der Stirn und Krämpfen in den Beinen durch die Verlängerung geschleppt – und musste jetzt zusehen wie David Raum mit einem fahrlässigen Pass Jamal Musiala in Verlegenheit brachte, aus dem dann das 1:1 hervorging. "Ich mag den David Raum, aber so einen Ball spiel darf ich niemals spielen", echauffierte sich Schweinsteiger.

Schweinsteiger überrascht mit scharfer Kritik

Die Schärfe des Urteils hatte wohl auch Bundestrainer Hansi Flick überrascht, der es im gemeinsamen Interview mit Schweinsteiger und dessen ARD-Kollegin Esther Sedlaczek zunächst als "absoluter Quatsch" abtun wollte. Auf Flicks Frage, woran er das denn fest mache, legte Schweinstiger dann aber konkret nach: "Es gibt Situationen, wo ich von außen merke: Da fehlen jetzt die fünf Prozent Konzentration – wie heute beim 1:1 als Campell völlig frei in der Mitte steht", begründete Schweinsteiger seinen Vorwurf. "Brennen heißt ja nicht nur immer attackieren, sondern auch im Kopf mitdenken und dabei sein."
Die Mannschaft habe gegen Japan und Costa Rica "zu oft den Gegenspieler teilweise freigelassen und nicht zugestellt. (…) Da habe ich mir mehr erwartet. Das meine ich mit brennen. Das habe ich bei anderen Spielen viel deutlicher gesehen. (…) Tonio Rüdiger macht das ja normalerweise. Aber die anderen? Da fehlt mir einfach was", lederte Schweinsteiger.

Sedlaczek lässt Bierhoff nicht vom Haken

Doch nicht nur Schweinsteiger lief an diesem für Fußball-Deutschland so enttäuschendem Abend zu guter Form auf, auch seine Partnerin Esther Sedlaczek ließ erst Flick und danach vor allem Manager Oliver Bierhoff nicht von Haken. Respektvoll im Ton, aber hart in der Sache konfrontierte sie insbesondere Bierhoff mit seiner eigenen Verantwortung für das Versagen der Nationalelf bei nun schon drei großen Turnieren in den vergangenen vier Jahren. "Auf wen empfinden Sie Wut?", wollte sie konkret wissen, als Bierhoff sich mit bewährten Floskeln über die Zeit retten wollte. "Hätte man mit dem Thema One-Love-Binde anders umgehen können?" "Braucht es auch auf ihrem Posten eine Veränderung?" Knallhart-Fragen, wie man sonst eigentlich nur von der ZDF-Kollegin Marietta Slomka kennt.
Man muss Bierhoff und Flick zu Gute halten, dass sie sich bei den unbequemen Fragen nicht weggeduckt haben, sondern tatsächlich mit Argumenten gegengehalten haben. Wenn es demnächst tatsächlich die vielbeschworene Analyse des verkorksten WM-Auftritts in Katar geben sollte, dann haben Schweinsteiger und Sedlaczek an diesem Abend den Ton vorgegeben. Mag das Spiel gegen Costa Rica für die deutschen Fußballfans auch eine Enttäuschung gewesen sein, die anschließende Aufarbeitung im TV-Studio war es nicht.

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