WM-Reiseführer "Vermeiden Sie die östlichen Vororte Berlins"


"Die Welt zu Gast bei Freunden", so lautet bekanntlich das Motto der WM. Internationale Reiseführer beschreiben jedoch, dass es nicht überall in "Germany" so freundlich zugeht. So genannte "No-Go-Areas" sollten unbedingt gemieden werden.

Das Echo war groß, als der Afrika-Rat kürzlich zur Fußball-Weltmeisterschaft einen Warnkatalog für Berlin ankündigte. Dunkelhäutige Besucher sollten demnach ganze Stadtteile meiden, um sich vor Übergriffen zu schützen. Politiker und Polizei wiegelten ab: Solche "No-Go-Areas" (absolut unsichere Orte) gebe es nicht.

Auch Tourismusverbände sehen Deutschland und seine Hauptstadt als sicheres Terrain. Der brutale Überfall auf einen dunkelhäutigen Deutschen in Potsdam wird als schlimmer Einzelfall gewertet, der auf keinen Fall das WM-Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" in Abrede stellen soll. Dabei zeigt ein Blick in aktuelle internationale Reiseführer, dass dort - wenn auch meist leise - Warnungen vor Rassismus längst zu finden sind. Nicht überall in "Germany" geht es demnach freundlich zu.

Hochburgen von Neo-Nazis laut Reiseführer in Berliner Ost-Vierteln

So schreibt der englische Reiseführer "Time out Berlin", die Stadt sei sicher, setzt aber hinzu: "Vermeiden Sie die östlichen Vororte, wenn Sie homosexuell oder nicht-deutsch aussehen." Der "Lonely Planet", der besonders bei Rucksackreisenden beliebt ist, zählt Berlin zu den sichersten und tolerantesten Städten Europas; rassistische Angriffe seien trotz einiger schlechter Presse recht selten. Aber in Lichtenberg oder Marzahn, die von hoher Arbeitslosigkeit und einer "Post-Wiedervereinigungs-Depression" betroffen seien, könne es Vorurteile gegenüber Fremden und Homosexuellen geben. Im "The Rough Guide To Berlin" wird zur Vorsicht in den beiden Ost-Vierteln geraten: "Als relative Hochburgen von Neo-Nazis und Skinheads gibt es ein echtes Risiko rassistischer Angriffe."

Deutschland bekommt als Reiseland in punkto Sicherheit gute Noten und wird generell als «sehr sicher» ("Lonely Planet Germany") bewertet. Der Reiseführer "Let’s Go Germany" stellt etwas umständlich fest: "Auch wenn die Menschen in der ehemaligen DDR mittlerweile an die Gegenwart von Reisenden ziemlich gewöhnt sind, behalten rechte Gruppierungen ihre potenziell beunruhigende Präsenz in den benachteiligten Regionen Deutschlands." Der "Rough Guide To Germany" weiß, dass die einstige Behauptung, in der DDR habe es keine Verbrechen gegeben, ein Mythos gewesen ist. Seit der Wiedervereinigung hätten die Probleme mit Skinheads und Hooligans dann noch zugenommen.

"Wir warnen nicht vor Fremdenfeindlichkeit"

Verbände wie die Deutsche Zentrale für Tourismus (Frankfurt/Main) sehen den WM-Gastgeber freilich als weltoffen. "Wir warnen nicht vor Fremdenfeindlichkeit", unterstreicht Sprecherin Beate Kilian. Von Übergriffen oder Beleidigungen gegenüber ausländischen Reisegruppen habe sie noch nie gehört. Auch im Goethe-Institut in Berlin ist Ähnliches zu vernehmen, die Erfahrungen von fremd aussehenden Studenten reichten über "dumme Bemerkungen in der U-Bahn" nicht hinaus. Der Tourismuschef der Hauptstadt, Hanns Peter Nerger, hält den angekündigten Warnkatalog für "abwegig". "Es gibt Gebiete, wo ich auch nicht hingehen würde - aber das ist in jeder Stadt so."

Caroline Bock/DPA DPA

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