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Fußball-Bundesliga: Gespaltene Nation: So hitzig diskutieren die Fans über das Mecker-Gelb-Rot im Topspiel

Die gelb-rote Karte für Gladbachs Stürmer Plea ist schon jetzt der Aufreger des 20. Spieltags. Im Netz diskutiert Fußball-Deutschland hitzig über Emotionen, Vorbilder und Fingerspitzengefühl.

Schiedsrichter Tobias Stieler zeigt Gladbach-Stürmer Plea die Gelb-Rote Karte

Spielentscheidend oder nicht? Tobias Stieler schickt Gladbach-Stürmer Alassane Plea im Topspiel gegen RB Leipzig mit Gelb-Rot vom Platz.

Getty Images

Samstagabend, Red-Bull-Arena, Leipzig. Es läuft die 60. Minute im Topspiel zwischen RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach. Leipzigs Marcel Sabitzer und Gladbach-Stürmer Alassene Plea kämpfen an der Mittellinie um den Ball. Sabitzer rempelt leicht, sein französischer Gegenspieler plädiert auf Freistoß. Doch Schiedsrichter Tobias Stieler hat kein Foul erkannt. Der Ball trudelt ins Aus. Einwurf. Plea reklamiert gestenreich. Der Unparteiische zieht – so sehen es die Regeln vor – die gelbe Karte. Doch der 26-Jährige will sich nicht beruhigen. Winkt im Weggehen noch ein paar mal abfällig in Richtung Stieler. Der zeigt Plea nochmal gelb und schickt ihn vom Platz. Auch das ist vom Regelwerk des DFB gedeckt – wie man so schön sagt.

Nun liegt es in der Natur des Fußballs, dass die beteiligten Spieler, die beiden Trainer, TV-Experten und nicht zuletzt die Fans – insbesondere bei derart heiklen Szenen – selten einer Meinung sind. So auch dieses Mal. Befeuert von Rekord-Nationalspieler und Sky-Experte Lothar Matthäus entbrannte nach dem Spiel eine hitzige Debatte über Sinn und Unsinn der wiederbelebten DFB-Mecker-Regel, Emotionen, die Vorbildfunktion von Profifußballern und die Frage, ob die gelb-rote Karte das Team von Marco Rose zwei Punkte gekostet hat oder nicht.

Matthäus redete sich in Rage, User schießen zurück

Hitzig debattieren die User im Netz vor allem Matthäus, der sich nach dem Spiel in Rage redete und beinahe gebetsmühlenartig die Emotionen auf dem Platz beschwor. "Wo soll man die Emotionen verstecken", fragte er Reporter Sebastian Hellmann. "Wir wollen doch Emotionen auf dem Platz sehen." Gelb-Rot wegen zwei Mal abwinken, da gehe er nicht mit, so Matthäus aufgebracht. "Der Lothar war doch einer der Vorreiter für die Mecker- und Theaterkultur der Spieler und Trainer. Und eigentlich macht er da weiter, wo er am Ende seiner aktiven Laufbahn aufgehört hat", schreibt ein User. An die Adresse von Matthäus gerichtet, weißt ein anderer daraufhin, dass Emotionen nicht bedeuten, dass man exzessiv den Schiri beschimpfen muss. 

"Schiri Stieler hat das Spiel nicht entschieden"

"Stieler hat 100% recht!", kommentiert ein weiterer User die Bestrafung Pleas. "Sich auf Emotionen rausreden, ist irre, unsportlich und anti-vorbildlich! Und so was kopieren dann die Kids! Bravo!", schreibt er weiter. Das sehen auch viele andere Fans so. Selbst einer, der sich als Fan der Borussia outet. "Gott ist das lächerlich. Erst wollen alle, dass bei Rudelbildung, Meckern [...] die gelben Karten fliegen [...] Aber jetzt heulen, wenn mal – zu Recht – durchgezogen wird. Seiner Meinung nach ist das Spiel auch nicht wegen Schiedsrichter Stieler 2:2 ausgegangen "sondern aufgrund eines Slapstick-Tores und eines Sonntagsschusses."

Und natürlich darf in der emotionalen Nachbesprechung eines solchen Spiels auch das viel zitierte Fingerspitzengefühl nicht fehlen. Dass Schiedsrichter Stieler etwas mehr davon gut zu Gesicht gestanden hätte, sahen nicht nur Matthäus und einige Spieler der Gladbacher so. Doch – und das fällt bei all den mehr oder weniger qualifizierten Kommentaren auf – das Netz schlägt sich überwiegend auf die Seite des Unparteiischen. "Wenn Fußballer nicht wegen jeder Kleinigkeit rumheulen würden, würden sie auch nicht vom Platz fliegen", findet einer. "Wer nach einer Verwarnung immer noch so weiter macht, darf nach dem Spiel nachdenken warum", stellt ein weiterer fest. Zu guter Letzt appellieren einige auch an die Vorbildfunktion der Profikicker: "Da muss sich ein Spieler besser im Griff haben. Das [...] ist für Amateure und Jugendspieler ein ganz schlechtes Vorbild."

Rose verkneift sich Kommentar zu Plea-Platzverweis

Erwartungsgemäß diplomatisch äußerten sich nach der Partie die Trainer der beiden Teams. Oder besser: der Trainer der Leipziger. Denn Gladbachs Marco Rose verkniff sich jeden Kommentar zu der Szene in der 60. Minute. Der gebürtige Leipziger ließ sich von Sky-Reporter Hellmann auch auf mehrfaches Nachhaken hin kein Sterbenswörtchen dazu entlocken. Sportlich fair, aber auch erwartbar kommentierte Kollege Julian Nagelsmann Pleas Platzverweis. "Das ist für mich nicht zwingend eine gelb-rote Karte – gerade in so einem wichtigen Spiel. Neue Regel hin oder her. Das war nicht dramatisch." Das ehrt Nagelsmann – dürfte die Mannschaft von Niederrhein aber kaum trösten.

Quelle: Twitter

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