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Reaktionen nach Formel-1-Unglück: Bianchis Freundin Marchetti twittert Genesungswünsche

Nach dem schweren Unfall von Marussia-Pilot Jules Bianchi in Japan gibt es auch außerhalb der Formel-1-Gemeinde Genesungswünsche. Das Unglück schiebt zudem eine Gefahrendiskussion an.

Marussia-Pilot Jules Bianchi verunglückte beim Großen Preis von Japan schwer

Marussia-Pilot Jules Bianchi verunglückte beim Großen Preis von Japan schwer

Die Formel 1 steht unter Schock und bangt um das Leben
des Marussia-Piloten Jules Bianchi. Der schwere Unfall des 25 Jahre
alten Franzosen machte den Mercedes-Doppelerfolg beim chaotischen Regenrennen in Suzuka am Sonntag zur Nebensache.

"Wir machen uns alle große Sorgen", sagte Lewis Hamilton. Trotz seines dritten Sieges in Serie, des achten in dieser Saison und der
ausgebauten WM-Führung vor Silberpfeil-Rivale Nico Rosberg war auch ihm nicht zum Feiern zumute. "Wir alle beten für ihn."

Ob Hamilton, Rosberg, Sebastian Vettel oder alle anderen Fahrer und Teams: Die Beklemmung nach den schrecklichen Bildern vom Marussia-Rennwagen unter einem Bergungskran ließen keinen los.
Auch Bianchis Freundin Camille Marchetti meldete sich via Twitter zu Wort: "Du bist mein Champion. Du bist der Stärkste", schrieb Marchetti.




Rosberg sprach bedrückt von einer "sehr, sehr ernsten" Situation. "Meine Gedanken sind bei ihm." Vettel wünschte dem im Mie-Generalkrankenhaus in Yokkaichi liegenden Marussia-Kollegen "das Allerbeste". Die Unwissenheit über Bianchis Zustand sei quälend. Teams und Fahrer bekundeten ihre große Betroffenheit. "Wir sind in Gedanken und mit unseren Gebeten bei Jules und seiner Familie", lauteten mehrere Grußbotschaften. Auch außerhalb der Formel 1 löste der Unfall große Sorgen aus. "Meine Gedanken gehören Jules Bianchi", twitterte Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski. "Hoffe auf schnelle Erholung."


Marussia-Team bittet um "Geduld"

Indes gab es zu Bianchis Gesundheitszustand noch keine neuen
Informationen. Das Marussia-Team bat am Montag in einer
Pressemitteilung um "Geduld und Verständnis" für die Zurückhaltung. Damit würden die Wünsche der Familie respektiert. In Verbindung mit dem Mie General Krankenhaus in Yokkaichi würden ärztliche Neuigkeiten dann veröffentlicht, wenn es das Hospital für angebracht halte.

Bianchi war am Sonntag in Suzuka beim 15. Saisonlauf bei strömendem Regen von der Strecke abgekommen und mit hoher Geschwindigkeit unter einen Bergungskran gekracht. Dabei zog sich der 25 Jahre alte Franzose schwere Kopfverletzungen zu. Nach verschiedenen Medienberichten soll eine erste Operation am selben Abend erfolgreich verlaufen sein.

Der Kran sollte das Auto von Adrian Sutil bergen. Der Sauber-Pilot aus Gräfelfing war eine Runde vorher an der gleichen Stelle wegen Aquaplanings von der Strecke abgekommen. "Ich denke, die Situation ist kritisch. Meine Gedanken sind bei ihm", sagte Sutil sichtlich mitgenommen, Details zum Unfall des Kollegen wollte er nicht wiedergeben. Das turbulente Rennen war kurz nach dem tragischen Unfall in der 46. von 53 Runden abgebrochenen worden.

Die internationale Presse beschäft sich auch mit den Verantwortlichen des tragischen Unglücks. "Jules Bianchis Crash im
verregneten japanischen Grand Prix wirft einige ernste Fragen über
die Sicherheit des Sports auf", schrieb die englische Zeitung "Sun". Auch die französische Tageszeitung "Libération" erwartet eine neue Gefahrendiskussion: "Der Unfall von Jules Bianchi wird ohne Zweifel die Debatte über ein geschlossenes Cockpit oder einen wirkungsvolleren Überrollbügel wieder aufflammen lassen."

Einige Fahrer und Teamvertreter beklagten nach dem Großen
Preis von Japan am Sonntag die schlechte Sicht, weil das chaotische
Regenrennen noch in vollem Gange war, als die Lichtverhältnisse
nachließen. "Sie haben das Rennen zu spät beendet", kritisierte
Williams-Pilot Felipe Massa. Williams-Ingenieur Rob Smedley sprach
von den dunkelsten Verhältnissen in den 15 Jahren, die er in der
Formel 1 sei.

Medien reagieren bestürzt und kritisch

Die internationalen Medien reagierten bestürzt und äußerst kritisch
auf den schweren Crash des französischen Marussia-Piloten. "Bianchis Unfall erinnert uns: Die Formel 1 ist tödlich", titelte der englische "Telegraph". Der "Corriere dello Sport" machte sogar direkt den Internationalen Automobilverband für den folgenschweren Unfall verantwortlich: "Bianchi in Lebensgefahr, die FIA unter Anklage."

Die teilweise extremen Bedingungen beim Grand Prix waren absehbar. Erstens, weil selbst bei normalem Wetter die Sonne gegen 17.30 Uhr über Suzuka untergeht. Damit kann es bei einem um 15 Uhr gestarteten Rennen mit Unterbrechungen sehr eng werden. Zweitens, weil diesmal auch noch die Vorboten von Taifun Phanfone - vor dem der Formel-1-Wetterdienst in den Tagen vor dem Grand Prix eindringlich und wiederholt gewarnt hatte - die Verhältnisse erschwerten. "Man hätte früher starten können, darüber gibt es keine Diskussion", befand Mercedes-Teamaufsichtsratschef und RTL-Experte Niki Lauda.

Der Internationale Automobilverband konnte sich mit den heimischen Betreibern und den Vermarktern aber offensichtlich nicht einigen. Rennstreckenbesitzer Honda soll sich gegen eine Vorverlegung des Starts gesträubt haben.

Dennoch kam bei Bianchis Unfall wohl alles nur erdenklich Negative
zusammen: Regen, schlechte Sicht, der Kran - und dann noch die
Tatsache, dass der Franzose mit seinem Marussia so unter das Heck des Krans geriet, dass er vermutlich mit enormer Wucht am Kopf getroffen wurde. Die linke Seite des Wagens wurde komplett zerstört. Sogar der Überrollbügel direkt hinter dem Kopf des Piloten war gebrochen.

tob/DPA / DPA

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