Franziska van Almsick Super entspannt in den Kampf um Gold


Weltrekordlerin Franziska van Almsick demonstriert beim Trainingslager der deutschen Schwimmer in Palma de Mallorca Selbstbewusstsein - und fühlt sich in ihrer Rolle pudelwohl.

Franziska van Almsick ist bereit für den Kampf um Gold. Eine Woche vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Athen ist Deutschlands große Medaillenhoffnung "super entspannt, so was von entspannt, wie ich schon lange nicht war". Die Weltrekordlerin demonstriert beim Trainingslager der deutschen Schwimmer in Palma de Mallorca Selbstbewusstsein - und fühlt sich in ihrer Rolle pudelwohl. "Ich will das Größte, was man erreichen kann, denn das ist das, was ich noch nicht habe", sagte sie der dpa, "schauen wir mal, ob mir das gelingt. Ich weiß, was ich kann."

Ohne falsche Bescheidenheit

Nach zwei Mal Silber 1992 in Barcelona und 1996 in Atlanta will es die 26 Jahre alte Berlinerin zum Abschluss ihrer großen Karriere bei ihren vierten Olympischen Spielen über 200 m Freistil wissen. Da lässt sie auch kein Tiefstapeln zu. "Was hätte ich antworten sollen auf die Frage, was ich bei den Olympischen Spielen will. Zwei Mal habe ich es knapp verpasst und ein Mal habe ich daneben gehauen. Ich kann nicht einfach sagen, ich will dabei sein oder ich will ins Finale. Ich habe heute keine andere Möglichkeit, als Gold zu wollen." Sie weiß, dass sie dafür ihren eigenen Weltrekord in die Vergangenheit schicken muss.

Die Mannschaft baut auf sie. Auch Cheftrainer Ralf Beckmann. "Nach dem, was wir hier sehen und erleben, kann es darauf hinauslaufen, dass sie wirklich auf den Punkt topfit ist und stärker schwimmen wird und auch stärker auftreten wird, als je zuvor."

"Ich habe nichts zu verlieren"

Franziska van Almsick nimmt die Herausforderung an. Sie wirkt befreit. "Es ist das größte Ziel, das man als Sportler haben kann. Ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde, es ist so wichtig. Aber mein Leben hängt einfach nicht mehr davon ab, so wie das vielleicht früher einmal der Fall war." Sie ist nicht verbissen, wagt sogar einen Tipp: "Die Chancen stehen 50:50. Mal gucken, ob es klappt. Ich habe nichts mehr zu verlieren." Die Vergangenheit mit dem Debakel vor vier Jahren in Sydney hat sie abgehakt. "Es ist alles anders. Es ist eine ganz neue Ausgangsposition."

Ihre Fans geben ihr Halt. "Ich habe den Eindruck, dass die Leute hinter mir stehen", sagt sie, "auch wenn es nicht klappt, dann ist es in Ordnung. Das war noch nie so. Egal, wohin ich gefahren bin, es wurde immer gefordert. Es hat nie jemand gesagt, es ist okay, wenn Du es nicht schaffst, Du bist trotzdem unsere Franzi. Das ist in diesem Jahr zum ersten Mal so und das nimmt mir unheimlich viel Druck."

Zwei Jahre Vorbereitung

Da lässt sie sich auch nicht von einer leichten Erkältung irritieren. "Das sind alles Umstände, mit denen muss man umgehen. Ich fühle mich gut, und das ist die Hauptsache. Ich blicke dem Ganzen positiv entgegen."

Zwei Jahre lang hat sie sich auf Olympia vorbereitet. "Ich glaube, ich freue mich das erste Mal darauf. Ich versuche, das zu genießen. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen, mir selbst auch nicht." Die Freude ist greifbar. Locker gibt sie dem Sportschau-Team der ARD ein Interview und erfüllt die Autogrammwünsche eines Fans. Niemand kann sie mehr unter Druck setzen, nicht einmal sie selbst. Bis Mittwoch bleibt das deutsche Team auf Mallorca, dann geht es nach Athen.

Von Richard Janssen, DPA


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