Chinas Turnerinnen IOC zweifelt Altersangaben an


Zahnlücke, schüchternes Kinderlächeln: Kaum zu glauben, dass Chinas Turn-Olympiasiegerin He Kexin tatsächlich bereits das Start-Mindestalter von 16 Jahren erreicht hat. Auch andere Mitglieder der Goldriege geben Anlass für Zweifel. Das IOC hat den Turn-Weltverband jetzt aufgefordert, Klarheit zu schaffen.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat den Turn-Weltverband FIG aufgefordert, Nachforschungen zum korrekten Alter von drei Turnerinnen der chinesischen Gold-Riege anzustellen. "Wir haben die FIG gebeten, den Fall weiter zu untersuchen", sagte IOC-Sprecherin Giselle Davies. "Wir haben festgestellt, dass es noch Diskrepanzen gibt, und den Weltverband daher gebeten, sich der Sache anzunehmen", fügte Davies hinzu. "Es geht darum, den Fall mit angemessener Sorgfalt zu prüfen, um hundertprozentige Klarheit zu erzielen", erklärte die Sprecherin auf der IOC- Pressekonferenz in Peking.

Die Londoner Tageszeitung "Times" hatte berichtet, dass das neuerliche IOC-Interesse auf den Nachforschungen des US-Computer- Experten Mike Walker beruhe. Dabei waren zwei chinesische Regierungs-Dokumente aufgetaucht, die belegten, dass die Turnerin He Kexin nicht, wie ihr Pass besagt, am 1. Januar 1992, sondern erst am 1. Januar 1994 geboren wurde.

"Ich glaube, dass die Sache vom Weltverband erledigt wird", meinte Giselle Davies, die erläuterte, dass nochmals Geburtsurkunden und weitere Dokumente geprüft werden sollen. Bisher habe sich der chinesische Turn-Verband als "extrem hilfsbereit" erwiesen.

Auch neue Dokumente können die Zweifel nicht ausräumen

Wang Wei, der Generalsekretär des Organisations-Komitees BOCOG, erwiderte, dass Nachfragen zum Alter der Turnerinnen bereits im Mai beantwortet worden seien. "Wenn es ein Problem gäbe, hätten die Turnerinnen nicht starten dürfen", ergänzte er. Zugleich unterstrich der chinesische Auswahltrainer Lu Shanzen, dass man am Donnerstag der FIG neue Dokumente über He Kexin übergeben habe wie ältere Pässe und den aktuellen Ausweis, um letzte Zweifel auszuräumen. "Diese Dokumente müssen ausreichen, ihr Alter zu belegen. Mehr können wir nicht tun."

FIG-Generalsekretär Andre Gueisbuehler kündigte an, dass der Weltverband noch heute eine Erklärung abgeben werde. "Im Moment können wir nichts hinzufügen." Hingegen hatte Valeri Liukin, der Trainer und Vater von Mehrkampfsiegerin Nastia Liukin, bei der Rückkehr aus China in den USA erklärt: "Wenn sie betrogen haben, sollten sie sich schämen."

Mindestalter für Olympia-Start liegt bei 16 Jahren

Schon vor Wochen waren Zweifel am Alter von mindestens drei Turnerinnen Chinas aufgekommen, nachdem frühere Online-Aufzeichnungen, Meldelisten sowie auch ein Bericht der Staatsagentur Xinhua ans Tageslicht kamen, die das Alter der Goldmedaillen-Gewinnerinnen He Kexin, Jiang Yuyuan und Yang Yilin mit 14 Jahren ausweisen. Eine Turnerin muss aber laut FIG-Regularien in diesem Jahr ihr 16. Lebensjahr vollenden, um in Peking startberechtigt zu sein.

Gegen das Problem der Alters-Fälschung kämpft die FIG bereits seit Anfang der Achtzigerjahre, als das Mindestalter von 14 auf 15 angehoben wurde, um Jugendliche vor ernsten Verletzungen zu schützen.

DPA DPA

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