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Hockey-Triumph: Gold-Zeller schießt Spanien ab

Vier Jahre nach dem sensationellen Triumph der Damen in Athen hat Hockey-Goldschmied Markus Weise auch die deutschen Herren auf den Olymp geführt. Die Mannschaft des 45-jährigen Mannheimers bezwang am Samstagabend in Peking "Angstgegner" Spanien in einem packenden Finale mit 1:0 (1:0).

Den umjubelten Siegtreffer erzielte Christopher Zeller in der 16. Minute. "Es war eine ganz normale Ecke. Ich habe draufgehauen und der Ball war drin", schilderte der umjubelte Torschütze später und fügte an: "Wir haben heute die deutschen Tugenden gezeigt."

Dank einer großartigen taktischen Leistung, unermüdlichen Einsatzes und des erneut in Glanzform spielenden Halbfinal-Helden Max Weinhold im deutschen Tor verteidigten die Weise-Schützlinge die Führung bis zum Schluss und sorgten vor etwa 7000 Zuschauern im nicht voll besetzten Olympic Green Park Stadiums für das dritte Gold deutscher Hockey-Herren nach 1972 in München und 1992 in Barcelona.

"Ich kann das alles noch gar nicht fassen.

Nach der Hochzeit meiner Schwester ist das der schönste Tag in meinem Leben", sagte Kapitän Timo Weß. "Das war so ein Kraftakt heute. Es ist ein unfassbares Gefühl, nach so einem Jahr mit so vielen Opfern", meinte Philipp Zeller. "Man kann sich nicht vorstellen, welche Schmerzen man am Ende in den Beinen hat."

Die deutsche Mannschaft kaufte den Iberern gleich zu Beginn den Schneid ab. Spielerisch sicher und taktisch clever ließen die Weise- Schützlinge dem spanischen Paradesturm um Hockey-Weltstar Santiago Freixa keinen Raum zur Entfaltung. Nicht einmal bis in die Nähe des Strafraums kamen die Südeuropäer anfangs. Mittelfeld und Angriff übten mit konsequentem Forechecking mächtig Druck auf die Defensive der Spanier aus. Die ersten Torchancen ergaben sich zwangsläufig.

Gleich dreimal versuchte es Christopher Zeller binnen einer Minute vergeblich, auch Niklas Meinert traf nicht (5.). Doch dann riss Zeller nach einer erneuten Strafecke die zahlreichen deutschen Fans zu den ersten Jubelstürmen hin, als der Ball im Netz der verdutzten Spanier einschlug. Es war das zweite Tor des 23-Jährigen beim Olympia-Turnier. Wie schon beim 1:0 im Gruppenspiel agierten die Weise-Schützlinge nach der Führung kontrolliert. Zu gut in Erinnerung waren die zahlreichen nervenaufreibenden Duelle mit den Iberern wie vor zwei Jahren im WM-Halbfinale, als sich Deutschland im Siebenmeterschießen durchsetzte. In diesem Jahr hatte es bereits vier Niederlagen gegen den WM-Dritten von 2006 gegeben.

Und die Spanier kamen mit Macht.

Allerdings stoppten vor allem die deutschen Abwehr-Cracks Max Müller und Sebastian Biederlack die gegnerischen Attacken. Was durchkam, wurde eine Beute von Keeper Max Weinhold. Der Held des Siebenmeter-Krimis im Halbfinale gegen die Niederlande rettete in der ersten Halbzeit gleich dreimal mit spektakulären Paraden. "Zum Glück haben wir früh geführt, aber die ganze Zeit war die Angst groß, dass die Spanier noch den Ausgleich machen. Unsere Abwehr war heute Gold wert", sagte Carlos Nevado.

Mit dem Rücken zur Wand drängten die Spanier nach der Pause sofort auf den Ausgleich. Die beste Chance vergab Eduard Tubeau (43.). Der deutschen Mannschaft gelang es nun nicht mehr, die Partie zu kontrollieren. Ein offener Schlagabtausch entwickelte sich, während die Fans in Schwarz-Rot-Gold schon Sieg-Gesänge intonierten. Die Stimme verschlug es ihnen kurz, als Freixa eine Strafecke nur um Zentimeter neben den deutschen Kasten schoss. Am Ende löste sich die Anspannung in ausgelassenem Jubel.

DPA/kbe

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