HOME

Stern Logo Olympia 2008

Schießen: Pleiten, Zoff und Bronze

Ein Fehlschuss kostete sie die mögliche Goldmedaille. Doch davon wollte Bronze-Gewinnerin Christine Brinker nichts wissen. "Ich bin super-happy" sagte die Olympia-Debütantin nach ihrem Wettkampf im Skeet-Schießen. Überschattet wurde ihr Triumph allerdings von einem hässlichen Streit im Lager der deutschen Schützen.

Bei Gewitter und Wolkenbruch behielt Christine Brinker in Peking die Übersicht - und feierte Bronze wie einen Olympiasieg. Gleich bei ihrem ersten Olympia-Start konnte die Skeet-Schützin aus Ibbenbüren ausgelassen jubeln. Im Stechen um die Medaillen unterlag sie zwar gegen Olympiasiegerin Chiara Cainero (Italien) und Silbermadaillen-Gewinnerin Kimberly Rhode (USA), aber das trübte ihre Freude nicht. "Ich habe nicht Gold oder Silber verloren, sondern Bronze gewonnen", sagte die 27-Jährige.

"Ich wollte bei meinen ersten Spielen unbedingt eine Medaille. Jetzt bin ich super-happy, dass es geklappt hat", frohlockte Brinker nach der Entscheidung bei strömendem Regen und fiel glücklich ihrem Lebensgefährten und Trainer Tino Wenzel um den Hals.

Entscheidung fiel erst im Stechen

Das Kontrastprogramm boten die Teamkolleginnen, die im Finale des Kleinkaliber-Dreistellungskampfes wie schon mit dem Luftgewehr nur Zuschauer waren. Barbara Lechner (Triftern) belegte den neunten Platz. Und für die erneut enttäuschende Sonja Pfeilschifter aus dem bayerischen Ismaning reichte es mit 578 Ringen und 16 Zählern unter ihrem Weltrekord nur zum bitteren und völlig unerwarteten 17. Platz.

Für Hochspannung sorgten Brinker und ihre Mitkonkurrentinnen: Nach Vorkampf und Finale hatten die drei Skeet-Medaillengewinnerinnen jeweils 93 der 100 Wurfscheiben getroffen. "Das Schöne an dem Stechen war, dass jede von uns etwas Greifbares sicher hatte", bemerkte Brinker. "Bei dem Regen war es schwer zu schießen. Ich habe pitschnasse und kalte Füße", erzählte sie - und fügte ein großes Lob an die Olympia-Gastgeber hinzu: "China ist perfekt."

Christine Brinker ist von den Medaillengewinnerinnen nicht nur die Jüngste, sie hat auch die geringste Erfahrung. Als die ehemalige Fußball-Torhüterin von Schwarz-Weiß Esch vor sieben Jahren mit dem Schießen begann, gehörte die Goldmedaillengewinnerin Cainero bereits zur Elite und Silber-Schützin Rhode war bereits Olympiasiegerin. Zu ihrer Sportart kam die gelernte Arzthelferin und Bundeswehr- Sportsoldatin durch ihren Lebenspartner.

Tino Wenzel hatte sie mit auf den Schießstand genommen, zunächst nur, weil sie den Jagdschein machen wollte. Auf einer Fete ihrer Cliquen hatten sich beide kennen- und lieben gelernt, inzwischen sind sie seit acht Jahren ein Paar. "Irgendwann können wir auch an Hochzeit denken", verriet die Weltmeisterin von 2007 schmunzelnd mit der Bronzemedaille in der Hand. Auf ihren Wettkampf hatte sie sich auch mit Hilfe des Team-Psychologen der Schützen vorbereitet.

Zoff um Pfeilschifter

Darauf verzichtet Sonja Pfeilschifter, deren erneute Pleite Bundestrainer Claus-Dieter Roth in Rage brachte. Er mahnte ein Ende der separaten Vorbereitung Pfeilschifters an. "Die Strategie, sich abzukapseln, war wohl nicht so gut. Es gab genug Extrawürste. Die letzte ist verbrannt", schimpfte er. Die Weltranglisten-Erste, die sich individuell mit ihrem Heimtrainer Hubert Bichler auf Peking vorbereitet hatte, müsse einen Weg zurück ins Team finden.

Pfeilschifter konterte prompt: "Der Bundestrainer hat hier fünf Tage lang kein Wort mit mir gesprochen. Dass er jetzt die Schuld auf andere abwälzt, ist genau das, was ich erwartet habe. Es ist das Letzte, dass er jetzt seinen Frust an uns ablässt, weil sein Stuhl wackelt", wetterte Pfeilschifter unter Tränen. Sie wisse die Gründe für ihr erneutes Olympia-Versagen. Zwölf Ringe unter ihrem Saison- Durchschnitt seien nicht ihr Leistungsvermögen. Sie bekäme bei den Spielen einfach den Kopf nicht frei. Das allein sei der Grund.

Wenn sie Erfolge habe, sonne sich auch der Bundestrainer darin. "Doch die Arbeit machen die Heimtrainer, die dann nicht mal erwähnt oder dafür honoriert würden. Pfeilschifter findet das alles "zum Kotzen" und forderte eine Aussprache noch in Peking. Und sie kündigte eine Trotzreaktion an. Jetzt wolle sie auf jeden Fall Olympia 2012 in London angehen: "Die Vorwürfe motivieren mich."

Uwe Jentzsch/DPA / DPA

Wissenscommunity