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"I kon nimmer": Riesch kommt nicht zur Ruhe

Maria Riesch hat in der Nacht zum Samstag ihre zweite Medaille in Vancouver gewonnen und ist wie Rosi Mittermaier Doppel-Olympiasiegerin.

Irgendwann wurde es der Doppel-Olympiasiegerin zu viel. "I kon nimmer´, stöhnte Maria Riesch. Stunden nachdem sie mit ihrer zweiten Goldmedaille bei den Spielen von Vancouver auf eine Stufe mit den Ski-Legenden Rosi Mittermaier und Katja Seizinger gefahren war, nahm der Rummel um sie immer noch kein Ende. "Ich bin noch gar nicht richtig zum Genießen gekommen´, sagte sie.

Es war nur ein Vorgeschmack auf das, was das "Golden Girl´ jetzt erwartet. Maria Riesch ist am Whistler Mountain nicht nur in den Olymp gefahren. Mit Gold in der Super-Kombination und acht Tage später im Slalom ist sie endgültig in der Beletage des Skisports angekommen. "Ich habe was geschafft, was nur zwei vor mir geschafft haben. Mich da einzureihen, bei Rosi Mittermaier und Katja Seizinger, ist eine riesengroße Ehre für mich.

Ich bin jetzt auf demselben Niveau wie diese Größen, das ist einfach Wahnsinn´, sagte sie. Seizinger hatte 1998 als bislang letzte Deutsche zweimal Gold bei ein und denselben Spielen gewonnen, Mittermaier als erste 1976. "Gold-Rosi´ stand bei Rieschs Slalom-Triumph im Zielraum und freute sich "wie verrückt´ über den Erfolg ihrer Erbin. Ihr Mitgefühl galt Rieschs Schwester Susanne. Die hatte Bronze vor Augen, als sie kurz vor dem Ziel einfädelte. "Die eine gewinnt Gold, die andere stürzt. Wie schwierig muss das für die Eltern sein?´, sagte Mittermaier.

Monika und Sigi Riesch taten ihr Möglichstes, um ihre Susanne zu trösten. "Ihr gilt unser Mitgefühl´, sagte Vater Sigi mit Tränen in den Augen. Maria Riesch eilte nach ihrem ersten Jubel zu ihrer am Boden zerstörten Schwester, umarmte und tröstete sie. "Ich leide total mit ihr. Wir haben beide geweint´, sagte sie. Der Augenzeuge Christian Neureuther sprach von einem "unglaublichen Drama zwischen den Schwestern: Die eine steht ganz oben, die andere ganz unten.´ Während Maria bei der Blumenzeremonie geehrt wurde, heulte Susi an der Schulter ihrer Mutter. "Sie stand da wie Aschenputtel´, fand Alpinchef Wolgang Maier.

Susanne werde wohl ein paar Tage brauchen, um den Ausfall-Schock zu verdauen, sagte Maria Riesch. Aber auch Doppel-Gold kann wie ein Schock wirken, wenn auch wie ein positiver. "Da läuft alles ab wie im Film, man bekommt kaum noch etwas mit. Das ist der pure Wahnsinn´, sagte Maria Riesch. Gemeinsam mit ihren Eltern feierte sie ihr Glück am Abend im Deutschen Haus in Whistler, ohne allerdings "die Sau rauszulassen´, wie sie versicherte. Schließlich musste sie am Abend noch packen, am nächsten Morgen ging ihr Flieger zurück in die Heimat.

Marco Mader und Marc Schmidt, SID / SID

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