Olympia: Riesch-Pleite Weiche Knie auf der Harakiri-Abfahrt


Beim Sturzfestival auf der Franz's Downhill-Piste von Whistler behielt Lindsey Vonn die Nerven und raste zum Gold. Maria Riesch indes verließ der Mut: Sie "verbockte" ihr erstes Olympia-Rennen.
Von Christian Ewers, Whistler

Sie nennen es "hot chair", heißer Stuhl, diesen Stehplatz vor einer lackierten Sperrholzwand. Dort wartet stets die Führende eines Skirennens und schaut, was die Konkurrenz so macht. Kameras sind auf den heißen Stuhl gerichtet, sie wollen Enttäuschung oder Freude einfangen, Enttäuschung, wenn eine Fahrerin gehen muss, und Freunde, wenn sie bleiben darf, wenn es so gerade noch gereicht hat.

Stürze am laufenden Band

Am Mittwoch spielten sich auf dem hot chair vor allem Szenen des Entsetzens ab. Lindsey Vonn aus den USA, die spätere Olympia-Siegerin der Damen-Abfahrt, schlug sich die Hände vors Gesicht, als sie ihre Gegnerinnen stürzen sah. Anja Pärson verunglückte schwer im Zielraum der Franz's Downhill-Piste. Nach einem 60 Meter-Sprung überschlug sie sich mehrfach. Und Pärson ist eine der besten Skifahrerinnen der Welt, in Turin 2006 gewann die Bronze in der Abfahrt. Die Schwedin ist Dritte der aktuellen Weltrangliste in dieser Disziplin.

Auch Dominique Gisin (Schweiz), Marion Rolland (Frankreich), Daniela Merighetti (Italien), Elena Fanchini (Italien) und Edith Miklos (Rumänien) stürzten. Miklos musste sogar mit dem Rettungshubschrauber geborgen werden, sie hatte sich überschlagen und war auf dem Kopf gelandet. Die olympische Piste, vereist und gespickt mit vielen kleinen Buckeln und Schlägen, forderte am Mittwoch viele Opfer in Whistler Creekside.

Riesch:"Habe es selbst verbockt"

Maria Riesch aus Garmisch-Partenkirchen fiel nicht, aber sie wirkte stark verunsichert, als sie mit Startnummer 22 auf die Piste ging. Unmittelbar vor Riesch war Pärson verunfallt, es gab eine längere Unterbrechung, und Riesch ging sehr verhalten ins Rennen. Von Beginn an lag sie klar hinter Lindsey Vonn, sie mied im oberen Streckenabschnitt jedes Risiko, verlor Tempo und konnte im letzten Drittel nicht mehr ausreichend beschleunigen. Mit 2,07 Sekunden Abstand auf Lindsey Vonn, mit der sie seit Jahren befreundet ist, kam Riesch ins Ziel. Sie wurde Achte. Bundestrainer Matthias Berthold sagte: "Maria ist zu passiv gefahren. Das war heute nicht der direkte Weg nach vorn."

"Grundsätzlich habe ich es selber verbockt", räumte die Geschlagene ein, auch wenn sie "keinen großen Fehler" sah. "Einige Kleinigkeiten waren nicht in Ordnung. Ich möchte mich nicht entschuldigen, das war keine einfache Situation mit den Stürzen. Es hat heute nicht sollen sein, Donnerstag ist ein neues Rennen", sagte Riesch mit Blick auf die Super-Kombination.

Vonn das Maß aller Dinge

Doch Lindsey Vonn ist derzeit das Maß aller Dinge. Sie ist die Frau, die es zu schlagen gilt. Bloß ist sie überhaupt zu besiegen? In Whistler konnte sie nur mit Schmerzen trainieren, sie hatte sich am Schienbein verletzt, zwischenzeitlich stand ihr Start bei den Olympischen Spielen infrage. Vonn raste am Mittwoch jedoch die Piste hinab, als sei es ihr das pure Vergnügen, sie fuhr angriffslustig und doch sehr weich, die Ski gehorchten ihr auf wundersame Weise auf jedem Meter der 2,9 Kilometer langen Abfahrt. Allerdings räumte Vonn ein: "Es war ein Kampf von oben bis unten. Die Sprünge waren höher und weiter als erwartet." Dennoch distanzierte sie ihre Teamkollegin Julia Mancuso und Elisabeth Görgel aus Österreich deutlich, um 0,56 beziehungsweise um 1,46 Sekunden.

Bereits an diesem Donnerstag treten die Freundinnen Lindsay Vonn und Maria Riesch erneut gegeneinander an. Um 9:30 Ortszeit beginnt die Super-Kombination, zwei Rennen, Slalom und Abfahrt an einem Vormittag.


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