Olympia in Vancouver Katastrophale Piste verärgert Riesch


Das Wetter gibt in Vancouver weiter Grund zur Sorge. Die Herren-Kombination musste erneut verschoben werden und das Abfahrts-Training der Damen verkam zu einer Farce. Topstar Maria Riesch schimpft nun auf die Pistenverhältnisse.

Das Duell Maria Riesch gegen Lindsey Vonn sollte einer der Höhepunkte der Olympischen Spiele von Vancouver sein, doch jetzt droht das erste Aufeinandertreffen der Skiköniginnen zur Farce zu werden. Anstatt sich am Mittwoch in der Abfahrt auf das Ringen um die Krone ihres Sports konzentrieren zu können, müssen Riesch und Vonn wohl mit der Strecke kämpfen. Das Training am Dienstag wurde abgesagt. Auch die Herren-Kombination wurde erneut verschoben. Grund sind heftiger Schneefall und milde Temperaturen. Der Zustand der Piste ist zu schlecht. Die Super-Kombination war bereits vom vergangenen Sonntag auf diesen Dienstag verschoben worden. Nun soll das Rennen am Freitag gestartet werden.

Die Damen waren sich über ihre Abfahrts-Piste jedenfalls einig: "Die Piste ist von oben bis unten eine einzige Rumpelkiste, darauf habe ich mich einfach nicht wohl gefühlt", sagte Riesch nach dem ersten und einzigen Training am Montag auf dem Franz's Run. Die noch immer leicht angeschlagene Amerikanerin Vonn klagte: "Der Kurs ist der schlechteste für mein Schienbein überhaupt. Er ist sehr wellig und schmerzhaft, ich war förmlich geschockt." Und auch Anja Pärson aus Schweden schimpfte: "Die Strecke ist fast wie eine Buckelpiste."

"Alle Hände voll zu tun, den Berg runterzukommen"

"Die Mädels hatten alle Hände voll zu tun, den Berg runterzukommen", sagte Cheftrainer Mathias Berthold. Am Dienstag wurde die Piste weiter ramponiert. In der Nacht regnete und schneite es erneut, das zweite Training musste abgesagt werden. Gegen das Wetter sind die Veranstalter machtlos, Berthold forderte sie aber trotzdem auf zu reagieren: "Der Zielsprung ist zu mächtig. Da müssen wir nochmal reden, da gehen die Sprünge zu weit." Neben der Unterlage machte Riesch und Co. bei der Übungsfahrt auch die Zweiteilung zu schaffen. Weil nebenan die Männer-Abfahrt ausgetragen wurde, mussten sie ihren Kurs in zwei Etappen befahren - eine in der Olympia-Geschichte einmalige Sache.

Riesch beschwerte sich jedoch nicht über die Aufsplittung, "obwohl es besser gewesen wäre, alles auf einmal durchzuziehen". Aufgrund der Zweiteilung hatte auch das Resultat nur bedingte Aussagekraft, Riesch lag in der Addition 1,82 Sekunden hinter Vonn, die Bestzeit fuhr. "Das Ergebnis macht mich nicht nervös. Und dass Lindsey die Favoritin ist, habe ich ja schon immer gesagt", meinte Riesch, die die Olympia-Generalprobe in St. Moritz gewonnen hatte, allerdings nicht als Trainingsweltmeisterin gilt. Während Riesch vergeblich auf eine zweite Testfahrt hoffte, beschwor Vonn erfolgreich dunkle Mächte, um diese zu verhindern. "Ich hoffe, dass Mutter Natur kooperiert und ich nicht noch einmal fahren muss", sagte sie vor der Absage, denn: "Spaß macht das hier nicht, es geht nur darum, die Augen zuzumachen und durchzuhalten. Es ist ein einziger Kampf, überhaupt nach unten zu kommen."

Vonns Verletzung Thema Nummer eins

Vonns Verletzung ist zwischen den Freundinnen Gesprächsthema Nummer eins. "Maria fragt mich jeden Tag, wie es mir geht", sagte Vonn, die noch vor wenigen Tagen über einen möglichen Verzicht auf die Spiele gesprochen hatte. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein. "Ich glaube nicht, dass sie ein Pokerspiel betreibt. Sie hat sicher Schmerzen, aber sehr scheint sie das nicht zu beeinflussen", sagte Riesch über die Weltmeisterin, die mit Schmerzmitteln fahren will. Auch für Berthold bleibt "diese Amerikanerin" die Topfavoritin. Riesch zählt der erfahrene Coach "zum Kreis der Medaillenkandidaten" - wenngleich er mit ihrer Traingsleistung nicht zufrieden war. "Das war nicht so entschlossen, wie wir uns das vorgestellt haben", sagte er. Doch Berthold bleibt dabei: "Maria hat sehr gute Chancen."

SID/DPA/feh


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker