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Michael Phelps' letztes Rennen Abschiedsbrief an einen Außerirdischen


Michael Phelps ist ein Superlativ. Er hat die Aufmerksamkeit auf den Sport gelenkt und Leistungsschwimmer wie unseren Autoren Tim Herbig motiviert. Ein ganz persönlicher Abschiedsbrief.

Unser Autor Tim Herbig hat 14 Jahre lang Schwimmen als Leistungssport betrieben. In vielen endlosen Trainingsstunden zog er seine Motivation auch aus diesem Mann, der bis jetzt 21 olympische Medaillen um seinen Hals hängen hatte. Am Samstagabend wird Michael Phelps ein letztes Mal für die 4x100-Meter-Lagenstaffel ins Wasser gehen - um mit der 22. Medaille seine Karriere zu beenden. Er ist der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten. Ein hymnischer Abschiedsbrief eines großen Fans.

Lieber Michael,

heute Abend wirst Du Dein allerletztes Rennen bestreiten. Doch bevor es soweit ist, will ich Dir noch ein paar Dinge sagen.

Ich will Dir danke sagen, für über ein Jahrzehnt Leistungen in der absoluten Weltspitze des Schwimmsports. Danke, für unzählige Momente der Gänsehaut, des ungläubigen Staunens aber auch des Kopfschüttelns. Danke für viel Motivation und Inspiration auf zahlreichen Trainingskilometern.

Als Dein bestes Rennen werden für mich immer die 100 Meter Schmetterling in Peking 2008 in Erinnerung bleiben, als du das 7. Gold auf dem Weg zum historischen Erfolg nur mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung gewinnen konntest. Ein Rennen, in dem Du lange wie der sichere Verlierer ausgesehen hast und erst im Endspurt Deine Klasse gezeigt hast. Das Unterwasserfoto vom Anschlag zwischen Dir und Milorad Cavic ging um die Welt und wurde zu einem Sinnbild Deines Erfolgs in Peking.

Aber genauso, wie Deine größten Siege, wird man sich auch an Deine Niederlagen erinnern. Zu denen zählt auch die jüngste Silbermedaille in London, als wiederum Du im Anschlag knapp geschlagen wurdest oder auch, als wir Deutschen ausnahmsweise in einem Rennen gegen Dich jubeln durften. Bei der WM 2009 in Rom über 200 Meter Freistil, beim Aufstieg eines gewissen Paul Biedermann.

Wer Dein Verhalten nach Niederlagen als arrogant oder unkollegial bezeichnet, hat vermutlich noch nie ein Rennen verloren. Und man kann es nennen, wie man will, aber am Ende gehören auch Niederlagen einfach zum Sport dazu. Selbst für Dich, den "Außerirdischen".

Der gesamte Schwimmsport verneigt sich seit vielen Jahren vor Dir und wird heute seinen größten Athleten verlieren. Nicht nur, dass "wir" ab jetzt den erfolgreichsten Olympioniken aller Zeiten stellen. Nein, Du hast viel mehr bewirkt. Du hast den Schwimmsport durch immer neue Superlative populärer gemacht und dafür gesorgt, dass die Aufmerksamkeit auch anderen Athleten zu Gute kommt.

Es ist mir egal, dass Dich manche Leute arrogant nennen oder Dir, wie jüngst, Faulheit im Training unterstellen. Deine Erfolge sprechen für sich und Du bist eben allen immer ein Stück voraus gewesen, weil Du genauso bist, wie Du bist.

Es ist eigentlich vollkommen egal, wie das Rennen heute Abend ausgeht. Du musst niemandem mehr etwas beweisen, am aller wenigsten Dir selbst. Ich wünsche Dir für die letzten zwei Bahnen Deiner Karriere maximalen Erfolg und für all das, was jetzt kommt, alles Gute.

In stiller aber auch lauter Bewunderung, Tim


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