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Skispringen von der Großschanze: Severin Freund "hat hier eine echte Chance"

Die Bruchlandung an der Normalschanze ist verdaut. Deutschlands Skisprung-Hoffnung Severin Freund will heute auf der Großschanze die zweite Chance nutzen. Die Trainingsleistungen sind verheißungsvoll.

Bruchpilot Severin Freund hat die Sturz-Landung auf der Normalschanze abgehakt. Jetzt will er im zweiten Anlauf endlich zur Olympia-Medaille fliegen. "Mit ein bisschen Glück und Zuversicht wird es vielleicht etwas werden", sagte Deutschlands Top-Skispringer vor der Entscheidung vom großen Bakken an diesem Samstag (18.30 Uhr). "Er hat hier echt eine Chance, eine weitere", redete Bundestrainer Werner Schuster seinen Schützling stark.

Das Malheur vom vergangenen Sonntag, als Freund im ersten Durchgang stürzte, ist längst vergessen. "Die Lust kam schon am Tag nach dem Wettkampf wieder. Ich bin ein Mensch, der sich auch mal ärgert, wenn etwas daneben läuft. Ich habe mich kurz aufgeregt, nach dem Aufstehen am nächsten Tag ging der Blick schon wieder nach vorne", berichtete Freund.

"Ich bin wieder im Fluss"

Im mitternächtlichen Abschlusstraining am Donnerstag präsentierte er sich von seiner besten Seite und war auf Augenhöhe mit Olympiasieger Kamil Stoch aus Polen und dem Olympia-Zweiten Peter Prevc aus Slowenien. Dennoch betrieb der 25 Jahre alte Bayer Understatement: "Ich gehöre nicht zu den Top-Favoriten. Ich habe in dieser Saison erst drei Podestplätze. Da gibt es Leute, die haben deutlich mehr." Immerhin geht er mit der Gewissheit in den Wettbewerb: "Ich bin wieder im Fluss. Wenn es aufgeht, springe ich ganz gut."

Das gilt auch für die weiteren deutschen Starter Andreas Wellinger, Richard Freitag und Marinus Kraus. Vor allem Wellinger, der beim Olympia-Debüt auf der kleinen Schanze Sechster wurde, ist gut drauf. "Mein Motto für den Samstag heißt Attacke", verkündete der 18-Jährige.

Als Gute-Laune-Onkel für seine Teamkollegen habe er sich nach deren enttäuschenden Auftritten im ersten Wettbewerb nicht betätigen müssen. "Die Stimmung war super. Den Sevi hat es zwar geschmissen, aber er war trotzdem gut drauf. Er kann es hier allen zeigen", sagte Wellinger.

Altstars dürcken den Daumen

Daran glaubt auch Schuster. "Wir haben die Ruhe bewahrt. Die Jungs sind auf die große Schanze gegangen, als wäre nichts gewesen. Alle ziehen an einem Strang, wir haben keine Störfeuer. Die Moral ist gut und alle können zuversichtlich in den Wettkampf gehen", erklärte er.

Auch die Altstars drücken die Daumen, immerhin warten die DSV-Adler seit zwölf Jahren auf eine olympische Einzelmedaille und sogar schon 20 Jahre auf Einzel-Gold. "Die Jungs haben das Zeug, in meine Fußstapfen zu treten", meinte der dreimalige Olympiasieger Jens Weißflog, der 1994 in Lillehammer triumphiert hatte.

Zuversichtlich ist auch Sven Hannawald. "So ein geschlossen starkes deutsches Team hat es vor zwei, drei Jahren noch nicht gegeben", sagte der Team-Olympiasieger von Salt Lake City. Angesichts des großen Kreises an Medaillenanwärtern sei der Ausgang aber offen: "Das ist immer auch eine Überraschungskiste."

Eric Dobias und Gerald Fritsche/DPA / DPA

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