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Das müssen Sie zur Olympia-Nacht wissen: Darum brachte Gold-Schützin Barbara Engleder ihre Waffen zum Arzt

Gold, Gold, Gold - ach, Olympia kann so schön sein: Ruderer mit unwiderstehlichem Endspurt, Schützen, die wirklich ins Schwarze treffen, und urige Typen wie unsere Gold-Schützin Barbara Engleder. Die hat ihre Kleinkaliber auf ganz besondere Weise olympiatauglich gemacht.

Barbara Engleder jubelt nach ihrem Olympia-Sieg in Rio über Gold

Die Waffen in die Endoskopie: Um Gold bei Olympia zu gewinnen, muss man auch mal ungewöhnliche Wege gehen - so wie Barbara Engleder

Alle Events, alle Entscheidungen der Nacht und des gestrigen Olympia-Tages finden Sie hier in unserem Livecenter.

Die wichtigsten Entscheidungen:

- Die berühmt-berüchtigte Lagoa wird zur Goldgrube: Sowohl der Doppelvierer der Männer als auch der Doppelvierer der Frauen rudern zum Olympiasieg.

- Goldmedaille auch für die Schützin Barbara Engleder. Die 33-jährige Bayerin behielt in ihrer Spezialdisziplin, dem Dreistellungskampf mit dem Kleinkalibergewehr, die Nerven und siegte mit olympischem Rekord.

- Gold in der Hand schienen auch die Leipziger Zweier-Canadier-Weltmeister Franz Anton/Jan Benzien zu haben. Doch trotz bester Vorkampfzeit und einem fehlerfreien Lauf rutschten sie auf Platz vier ab. Olympiasieger wurden Ladislaw und Peter Skantar aus der Slowakei.

- Sensationell gewinnt Lisa Unruh die erste Einzel-Medaille im Bogenschießen für Deutschland überhaupt. Es ist die Silbermedaille. Olympiasiegerin wird die hohe Favoritin, die Südkoreanerin Chang Heyjin.

- Michael Phelps ist nicht zu stoppen. Der Amerikaner siegt wie bei den Sommerspielen in London über 200 Meter Lagen und holt sich sein 22. Olympia-Gold. Über 100 Meter Freistil gewinnen zeitgleich die Amerikanerin Simone Manuel und die erst 16-jährige Kanadierin Penny Oleksiak.

- Die 19-jährige US-Amerikanerin Simone Biles gewinnt Gold im Turn-Mehrkampf und versetzt die Olympic-Arena in Ekstase. Sie hat das Zeug zum weiblichen Superstar der Spiele.

- Die britischen Bahnradfahrer gewinnen Gold im Teamsprint vor dem Quartett aus Neuseeland.

- Fidschi gewinnt seine erste olympischen Medaille überhaupt. Im Finale des Siebener-Rugbys wird Großbritannien mit 43:7 abgefertigt.

- Gold auch für Topfavorit Ma Long aus China im olympischen Tischtennis-Wettbewerb. Der Weltmeister besiegt seinen Landsmann Zhang Jike glatt mit 4:0 in Sätzen.


Der größte Aufreger:

Leichtathletik und Doping - das ist bei diesen Olympischen Spielen nicht voneinander zu trennen. Die russischen Athleten sind ausgeschlossen. Doch just einen Tag, bevor die Wettbewerbe losgehen, wird einmal mehr deutlich, dass beileibe nicht nur die Russen mit falschen Mitteln spielen. Nach einem Betrugsversuch bei einer Doping-Kontrolle im Olympischen Dorf hat Kenia einen Leichtathletik-Trainer nach Hause geschickt. Wie ein Funktionär des Verbandes mitteilte, ist der frühere Sprinter und heutige Coach, John Anzrah, als Athlet aufgetreten und hat eine Urin-Probe unter dem Namen des 800-Meter-Läufers Ferguson Rotich abgegeben. Dies sei der Teamleitung Kenias von den Doping-Kontrolleuren berichtet worden. "Wir können ein solches Verhalten nicht tolerieren", sagte der Chef des kenischen Olympischen Komitees, Kip Keino.

Vier Tage zuvor war der kenianische Leichtathletik-Delegationschef Michael Rotich von den Rio-Spielen abgezogen worden. Er soll gegen Geldzahlungen Sportler seines Landes über anstehende Doping-Tests informiert haben. Medienberichten zufolge soll er bei seiner Rückkehr am Flughafen von Nairobi festgenommen worden sein.

Ob der neuerliche Vorfall weitere Folgen haben wird, muss sich zeigen. Auf jeden Fall werden Kenais Läufer bei ihren Auftritten in Rio besonders misstrauisch beäugt werden.

Das hätten Sie auf keinen Fall verpassen sollen:

Sie interessieren sich nicht für Rugby? Egal, um den Sport im engeren Sinne ging es im Finale auch gar nicht so sehr. Es ging um Fidschi. Die Geschicke der Welt bestimmt der kleine Inselstaat in der Südsee naturgemäß eher selten. Aber jetzt hat sich Fidschi in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerückt. Denn Fidschi hat die Geschicke des olympischen Rugby-Turniers bestimmt. Gegen das Südsee-Team war kein Kraut gewachsen. Mit 43:7 wurde im Finale auch Großbritannien abgefertigt. Gold für Fidschi bei Olympia! Das hat es noch nie gegeben. Es hat bisher überhaupt noch nie eine Medaille für Fidschi gegeben. Wie stolz die Spieler sind, und wie stolz die Fidschianer auf ihre Spieler sind, lässt sich gar nicht beschreiben. Gold für Fidschi. Im Rugby, jenem Sport, der das Leben der Inselwelt maßgeblich bestimmt. Natürlich flossen Tränen, gefolgt vom emotionalen Gesang im Spielerkreis. Gold für Fidschi. Gold für Olympia.

Gewinnerin des Abends:

Herzerfrischend nennt man sowas: Wenn Barbara Engleder den Mund aufmacht, dann haben Landsleute nördlich des Weißwurstäquators echte Schwierigkeiten mitzuhalten.


So beherrscht die Niederbayerin im Wettkampf ist, so locker quillt es abseits des Schießstandes aus ihr heraus. "I freu mi scho immer extrovertiert. Da bin i scho bekannt dafür", kommentiert sie im ZDF ihren Ausbruch nach dem Gold-Gewinn im Kleinkaliber-Dreistellungskampf. Die Medaille nennt sie übrigens "das Ding", und das ist "wahsinnig schwoar. Das Ding hat a Kilo". 

Gewonnen hat die Englederin, die ihr Zimmer im Olympia-Quartier mit der Moni (Silber-Schützin Monika Karsch) teilt, "das Ding" übrigens nicht zuletzt, weil sie ihre Waffen quasi zum Arzt geschickt hat. Denn auch sie war vom schweren Hochwasser in Bayern im Frühjahr betroffen. Zwei ihrer KK-Waffen lagen damals lange im Dreckwasser - "a bleede G'schicht". Doch ihr Ausrüster hatte die Lösung: Mit einer Endoskopie der Waffen wurde sichergestellt, dass es keine Rückstände im Inneren der empfindlichen Gewehre mehr gab. Die Waffen waren olympiareif - und goldtauglich.

Daheim im niederbayerischen Vogelarn sorgte Barbara Engleders Sieg natürlich für Ausnahmezustand. Schon eine Stunde nach der Siegerehrung "hab i mit meinem Mann telefoniert und der war scho kaum noch ansprechbar". Auch die Gold-Schützin selbst wollte "unbedingt" auf ein Weißbier ins Deutschen Haus.

Sonst noch was? "Jetz bin i sprachlos. Unglaublich!" Aber wahr.

Verlierer des Abends:

Rio und das Wasser - offensichtlich eine unendliche Geschichte. Draußen strotzt die Lagoa normalerweise vor Müll und kippt regelmäßig um, und drinnen verfärbt sich das Nass neuerdings grün. Die eine Sache hat man für Olympia in den Griff bekommen, die andere wegen Olympia nicht. Natürlich ist das alles ungefährlich, beteuern die Veranstalter. Doch während die Turmspringer meist nur kurz im Wasser sind und nichts weiter bemerkten, klagten die Wasserballer vor allem über brennende Augen.

So ein richtiges Problembewusstsein lassen die Veranstalter nicht erkennen. Vielmehr berichtete Mario Andrada, Sprecher des Organisationskomitees, nicht ohne Stolz die Anekdote von den brasilianischen Wasserballern: Das Grün des Wassers - das ein bisschen an das Grün in der brasilianischen Nationalfahne erinnert - habe die Mannschaft zu einem großartigen 6:5 gegen die Wasserball-Großmacht Serbien inspiriert.

Grund der Verfärbung des Wassers soll sein, dass zur Wasseraufbereitung verwendete Chemikalien aus den Wassertanks ausgelaufen seien. Es gibt aber auch ganz andere Erklärungen:


Wie läuft's für Deutschland?

Was soll man sagen? Läuft für Deutschland! An einem einzigen Tag den Medaillen-Saldo mal eben zu verdoppeln, das macht nun wirklich Spaß und natürlich Lust auf mehr! Die Nörgler der vergangenen Tage haben erst einmal Pause. Für die Tage der Spiele ist das auch völlig in Ordnung - zumal enttäuschte Erwartungen (z.B. die Kanuten Franz/Benzien) durch unerwartete Erfolge (z.B. die Bogenschützin Unruh) ausgeglichen wurden. Trotzdem ist klar, dass längst nicht alles gold ist, was glänzt. Sogar bei den Ruderern: Bevor die beiden Doppelvierer feiern durften, paddelten etliche Boote schon im Halbfinale weit weit hinter den Spitzenbooten her. Und die Schwimmer haben ja schon mit der Aufarbeitung begonnen. Aber jetzt winkt erstmal das nächste Gold. Stichwort: Dressurreiten.

Was wird heute interessant?

Für viele gehen Olympische Spiele erst mit der Leichtathletik richtig los. So gesehen starten die Spiele von Rio heute also richtig durch - unter anderem mit dem Siebenkampf und Robert Harting in der Diskus-Qualifikation. Erste Entscheidungen gibt es im 10.000-Meter-Lauf der Frauen und im 20-Kilometer-Gehen der Männer.

Besonders vielversprechend aus deutscher Sicht: Der Dressur-Equipe kann Gold jetzt schon kaum noch genommen werden. Im Rad-Teamsprint wollen Kristina Vogel und Miriam Welte ihren Olympiasieg von 2012. Medaillenhoffnungen gibt es auch wieder im Schießen und eventuell im Judo.

Bilder des Tages:

Schießen bei Olympia: Das Ziel im Visier

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Olympia in Rio: Vorbereitung auf die Leichtathletik-Wettkämpfe

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