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Olympia 2018: Sturmchaos bei Olympia: Die Athleten leiden - und riskieren ihre Gesundheit

Heftige Wetterkapriolen bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang wirbeln den Wettkampfkalender gehörig durcheinander. In einigen Disziplinen wird das Programm durchgezogen - mit gefährlichen Folgen.

Olympia ist fest im Griff des Windes: Über die Piste zogen starke Böen

Olympia fest im Griff des Windes: Über die Piste zogen starke Böen

DPA

Für Liebhaber von einarmigen Banditen, diesen Glückspielautomaten, an denen man nach drei Kirschen oder drei Sonnen jagt, ist der Wetterkanal des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ein Traum. Jeden Tag leuchten hier Sonnen-Symbole auf, alles ist gelb hier, von Montag bis Sonntag.

Doch weil Fernsehen selten etwas mit der Realität zu tun hat, folgt die Ernüchterung, sobald man bei den Winterspielen in Südkorea eine der Wettkampfstätten betritt. Zwar lacht die Sonne von oben (leider nur eine – und nicht zwei oder drei, wie es der Wetterkanal glauben machen will), aber wärmende Kraft besitzt sie nicht. Orkanartige Winde fegen über die Pisten und lassen die Schutzzelte zittern, in denen sich Athleten und Zuschauer aufhalten, bevor die Wettbewerbe beginnen.

Freiwillig hält sich niemand draußen auf

Freiwillig hält sich niemand draußen auf. Bei Temperaturen von minus zehn Grad Celsius versuchen Olympia-Sportler und Olympia-Gäste, die Zeit unter freiem Himmel zu minimieren. Die kräftigen Böen sorgen nicht nur für allgemeines Bibbern, sie bedrohen auch den Ablaufplan der Winterspiele ernsthaft. Vor allem die alpinen Wettbewerbe leiden unter den Stürmen. Die Männer-Abfahrt, die am Sonntag gefahren werden sollte, wurde auf Donnerstag verschoben. Auf der Pisten wurden Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 km/h gemessen. Ebenso verschoben wurde der Riesenslalom der Frauen, bei dem die Deutsche Viktoria Rebensburg Chancen auf eine Medaille hat.

"Ich wäre gern gefahren", sagte Rebensburg, Olympiasiegerin von 2010, "aber die Bedingungen müssen fair für alle sein. Deshalb war es richtig, das Rennen abzusagen." DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier sah es ähnlich: "Es waren absolut irreguläre Verhältnisse, da kann man leider nichts machen, aber das musste man verschieben."

Prognosen für Olympia nicht ermutigend

Nun finden Männer-Abfahrt und der Frauen-Riesenslalom nahezu zeitgleich am Donnerstag statt - wenn überhaupt. Die Wind-Prognosen sind wenig ermutigend für die nächsten Tage; zudem soll es noch einmal kälter werden. In den sogenannten jungen Skisportarten, im Slopestyle und in der Halfpipe, scheint man indes fest entschlossen, das Programm durchzuziehen. Mit gefährlichen Folgen für die Athleten.

Im Phoenix Snow Park, wo am Montagvormittag der Slopestyle der Frauen stattfand, waren kaum gelungene Fahrten durch den Hindernisparcours zu bestaunen gewesen. Zwar wurde der Wettbewerb um 75 Minuten verschoben, aber der Wind ließ nicht nach. Die Mehrzahl der Fahrerinnen stürzte, während stramme Böen ihnen die sackigen Jacken aufblähte. Die deutsche Starterin Silvia Mittermüller, 34, verletzte sich bereits während des Trainings am Knie und trat zum Finale nicht an.

Viel Gestaltungsspielraum haben die Organisatoren der alpinen Wettbewerbe nicht mehr. Die Kombination der Männer soll am Dienstagmorgen stattfinden. Das ist die Hoffnung des Internationalen Skiverbandes (FIS). Es wäre die erste alpine Medaille, die in Pyeongchang vergeben werden würde. Im olympischen Wetterkanal leuchten zwar zwei Sonnen für Dienstag - aber der Wind zeigte am Montagabend noch keinerlei Ermüdungserscheinungen. Schlechte Aussichten also.

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