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Olympia kompakt: Die "fliegende Tomate" Shaun White schreibt Geschichte - so lief die Nacht in Pyeongchang

Hier finden Sie alles zur Olympia-Nacht: die Entscheidungen, die deutschen Erfolge und was noch passierte.

olympia kompakt - shaun white - laura dahlmeier

US-Snowboarder Shaun White in Aktion bei Olympia 2018

AFP

Was in der Nacht passiert ist, und was der Tag uns bringt - der Überblick:

+++ Hier geht es zum Live-Ticker mit allen Infos und dem Medaillenspiegel +++

So lief es für die deutschen Athleten

Für die deutschen Slalom-Läuferinnen um Lena Dürr, Christina Geiger und Marina Wallner lief gar nichts: Wie schon der Abfahrtslauf der Männer und der Riesenslalom der Frauen musste auch das Slalom-Rennen windbedingt abgesagt werden. Wurde der Wettbewerb zunächst um eine Viertelstunde von 2.30 auf 2.45 Uhr verschoben, hieß es dann erst 3.45 Uhr, ehe sich die Verantwortlichen doch für die Absage entschieden. Ein Wettkampf unter fairen Bedingungen sei so heute nicht möglich, hieß es. Das deutsche Trio muss sich nun bis Freitag gedulden, dann soll das Rennen nachgeholt werden.

olampia kompakt - slalom absage

Ein Streckenposten versucht zu retten, was nicht zu retten ist: Auch der Slalom der Damen musste windbedingt abgesagt werden

DPA

Um eine Medaille bangen muss indes das deutsche Eiskunstlaufpaar Aljona Savchenko und Bruno Massot. Die WM-Zweiten aus Oberstdorf liegen nach einem nicht ganz fehlerfreien Kurzprogramm mit 76,59 Punkten auf dem vierten Platz. Die Weltmeister Sui Wenjing/Han Cong aus China (82,39) führen vor der Kür am Donnerstag (10.30 Uhr Ortszeit/02.30 Uhr MEZ) in der Gangneung Eisarena vor den Europameistern Jewgenija Tarassowa/Wladimir Morosow (OAR/81,68) und Meagan Duhamel/Eric Radford (Kanada/76,82). An den Rekord von 84,17 Punkten der russischen Olympiasieger Tatjana Wolossoschar/Maxim Trankow in Sotschi 2014 kam kein Paar heran. 

Die EM-Achten Annika Hocke/Ruben Blommaert (63,04) aus Berlin erreichten bei ihrem Debüt auf Rang 16 das Finale der besten 16 Duos.

Die Entscheidungen

Nach der Absage des Slaloms der Damen (siehe oben) ging es an diesem Mittwoch bislang nur für die Snowboard-Herren in der Halfpipe um Edelmetall. Dafür fiel das Finale in der halben Eisröhre äußerst spannend aus - mit goldenem Ende für Snowboard-Superstar Shaun White. Der US-Amerikaner, der in früheren Jahren aufgrund seiner roten Haarmähne den Spitznamen "The Flying Tomato" ("Die fliegende Tomate") verpasst bekam, erhielt für seinen besten Lauf 97,75 Punkte und lag damit deutlich vor dem Japaner Ayumu Hirano, der Silber vor Weltmeister Scotty James aus Australien holte.

White indes schrieb mit seinem dritten Olympiasieg nach 2006 und 2010 nicht nur persönliche Geschichte: Der 31-Jährige, der nach seinem Traum-Run die Arme hochriss und weinte, holte auch die insgesamt 100. Goldmedaille für die USA bei Olympischen Winterspielen.

Überschattet wurde das Finale jedoch von einem schweren Sturz des erst 16 Jahre alten Yuto Totsuka. Der Japaner musste per Rettungsschlitten abtransportiert werden, glücklicherweise folgte wenig später leichte Entwarnung: Der 16-Jährige sei bei Bewusstsein und werde mit Schmerzen im Hüftbereich zu Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht, teilte das japanische Team mit.

Deutschland war in dem Wettbewerb nur durch Johannes Höpfl vertreten. Der 22-jährige Passauer blieb jedoch schon in der Quali ohne Chance.

Highlight der Nacht

In Ermangelung anderer Entscheidungen war Whites spektakulärer Auftritt in der Halfpipe auch der Hingucker der Nacht. "Ich wusste vor dem Lauf, dass ich es in mir habe. Im Ziel war ich mir sicher, dass ich es geschafft habe", sagte White. Der Routinier musste bange Momente warten, bis die Jury das Ergebnis präsentierte. Dann weinte White emotional wie selten, umarmte Teamkollegen und Journalisten. "Ich bin so stolz, ich brauche diesen Druck", sagte er.

Vor dem dritten Durchgang war White nur Zweiter hinter Sotschi-Silbermedaillengewinner Hirano gewesen. Doch als es um die Entscheidung ging, steigerte er sich vor 4909 Zuschauern und erstaunte mit zwei Sprüngen mit vierfacher Drehung. "Es geht nichts über ein gutes Comeback, oder", schrieb Schwimmstar Michael Phelps auf Twitter. "So wird das gemacht, Mann." Hirano meinte: "Ich finde, dass seine Tricks so cool waren. Es war wunderbar."

Hier sehen Sie Whites dritten Lauf in voller Länge:

Der Flop der Nacht

... war einmal mehr der Wind. Da sich der nun mal nicht beeinflussen lässt, wollen wir hier auch nicht zu viele Worte verlieren - und einfach hoffen, dass er nachlässt und den Sportlern in den kommenden Tagen endlich die Chance gibt, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Was heute noch ansteht

Aus deutscher Sicht darf man sich auf den restlichen Olympia-Tag wahrlich freuen - denn es riecht nach weiteren Medaillen. Nach ihren Siegen im Sprint und in der Verfolgung geht der Olympiasieg im Biathlon-Einzelrennen (12.05 Uhr) erneut nur Laura Dahlmeier aus Garmisch-Partenkirchen. Dahlmeier ist Weltmeisterin in dieser Disziplin und hat reichlich Selbstvertrauen. Dass sie am Montagabend völlig entkräftet TV-Termine absagen musste, will sie nicht als schlechtes Zeichen verstanden wissen: "Ich habe schon oft genug bewiesen, dass ich mich innerhalb von ein, zwei Tagen ganz gut regenerieren kann."

+++ Update: Das Rennen wurde am Morgen wegen anhaltend starker Winde auf Donnerstag (9.15 Uhr MEZ) verschoben. +++

Auch die Rodel-Weltmeister Toni Eggert und Sascha Benecken haben bei den Doppelsitzern (12.20 Uhr/13.40 Uhr) ein klares Ziel. "Natürlich ist der Traum Gold, wir sind aber so gereift, dass wir sagen, wir schmeißen nicht alles in die Waagschale", sagte Benecken, der aber kein zu hohes Risiko gehen will: "Wir streben hier nicht die zwei perfekten Läufe an, sondern zwei solide." Zu den großen Widersachern der Thüringer gehören Tobias Wendl und Tobias Arlt, die 2014 in Sotschi Gold holten.

Auch wenn sich die Nordischen Kombinierer um Eric Frenzel und Johannes Rydzek in diesem Winter noch nicht in der dominanten Form der vergangenen Saison zeigen konnten, soll es schon im ersten Wettbewerb (7.00 Uhr Springen/9.45 Uhr Langlauf) Medaillen geben. "Ich fühle mich gut. Die Sprünge, die wir bisher gemacht haben, waren auf ordentlichem Niveau", sagte der deutsche Fahnenträger Frenzel. Die härtesten Rivalen der DSV-Starter sind die Norweger und der Japaner Akito Watabe.

mod/DPA