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Sinquefield Cup Betrugsskandal erschüttert Schach-Welt: Junges Schachtalent soll Magnus Carlsen mit Schummel-Trick geschlagen haben

Schachspieler Hans Niemann, 19
Schachspieler Hans Niemann, 19
© L. Ootes/Grand Chess Tour
Hatte der 19-Jährige etwa ein elektronisches Hilfsmittel dabei, das ihm half, den Norweger Magnus Carlsen zu besiegen? Der US-Schachspieler Hans Niemann sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt.

Es ist ein ungeheurer Vorwurf: Nachdem der 19-jährige US-Amerikaner Hans Niemann beim renommierten Sinquefield Cup (Siegprämie: 500.000 US-Dollar) sensationell den norwegischen Schach-Star Magnus Carlsen schlug, schwelt es in der Szene.

Es war ein beeindruckender Sieg, Carlsen zog sich kurz darauf komplett aus dem Turnier zurück. Aber anstatt Bewunderung gibt es für den Newcomer Niemann nun Beschuldigungen: Er soll mit elektronischen Geräten betrogen haben, die er versteckt am Körper getragen haben soll.

Diese Behauptungen kommen nicht völlig aus dem Nichts: Wunderkind Niemann hatte selbst zugegeben, als Teenager beim Onlineschach gemogelt zu haben. Im Alter von 12 Jahren habe er auf der populärsten Schach-Website chess.com teils mit Unterstützung durch einen Freund Turniere gewonnen – der Grund sei schlicht Ungeduld gewesen, er habe schneller in eine höhere Klasse aufsteigen wollen, um gegen bessere Gegner antreten zu können, so der Amerikaner.

Hat der 19-jährige Amerikaner geschummelt?

Allerdings griff er auch mit 16 Jahren noch einmal auf unlautere Mittel zurück, als er während der Pandemie seine Spiele im Internet live streamte. Hier habe ihm ein Computer geholfen. Diese Online-Matches seien aber nirgends gewertet worden, rechtfertigte sich der heute 19-Jährige.

Niemann versichert, dass er niemals bei Duellen geschummelt habe, bei denen es um Preise ging oder um "echte" Spiele vor Ort. "Ich war 16 Jahre alt und lebte allein in New York City, während die Pandemie tobte. Ich wollte alles dafür tun, meinen Stream zum Wachsen zu bringen", erklärte er sich zerknirscht. Doch offenbar misstrauen die prominenten Gegner Hans Niemann auch heute noch.

Dass der Norweger Carlsen seinem Kontrahenten Niemann Mogelei vorwerfen soll, ist nur aus zweiter Hand bekannt. Deutlicher wurde aber der weltbeste Blitzschach-Spieler Hikaru Nakamura. "Magnus hat Dinge angedeutet, ohne sie auszusprechen. Er wusste doch, welche Anschuldigungen folgen, welche Dynamik das annimmt. Tausende Leute attackieren mich ohne jeden Beweis, darunter Hikaru, gegen den ich nie falsch gespielt habe", sagt Niemann.

Vorwürfe von großen Schach-Stars

Das junge Schachtalent hält das für einen gezielten Angriff auf seinen Ruf: "Die drei größten Schach-Riesen, Hikaru, Magnus und Chess.com, fahren jetzt einen gezielten, koordinierten Angriff gegen mich, das ist unfair. Schaut euch doch einfach meine Partien an", fordert er.

"Chess.com hat meinen Account im Stillen geschlossen, ohne mir einen Grund zu nennen. Sie wollten, dass das nicht publik wird und dachten wahrscheinlich, ich hätte Angst, die Sache öffentlich zu machen, weil ich mich für meine Fehler von früher schäme. Aber ich habe keine Angst, mich zu wehren."

Niemann sei nun umso fester entschlossen, den Sinquefield Cup gewinnen zu wollen. "Darum trainiere ich jetzt zwölf Stunden am Tag, darum lebe ich seit zwei Jahren aus dem Koffer. Ich will es jetzt besser machen als früher. Ich hoffe, dass meine Hingabe, meine Arbeit und meine Ergebnisse zeigen, dass ich meine Lektion gelernt habe."

Und notfalls sei er auch bereit, splitternackt zum Schach-Duell anzutreten – um zu beweisen, dass er keinerlei technische Geräte in seiner Nähe habe. Ob das nötig sein wird, das wird sich zeigen.

Quellen: "Guardian", "Perlen vom Bodensee"

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