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Brasilien: Protest-Aktion: Sportjournalistinnen wehren sich gegen Belästigungen

Sie werden abgeknutscht, begrapscht oder beleidigt – oft vor laufender Kamera. Sportjournalistinnen in Brasilien haben es alles andere als leicht. 52 Frauen taten sich nun zusammen, um gegen dieses Verhalten zu protestieren.

Ein Sportler versucht live vor der Kamera, die brasilianische Journalistin Bibiana Bolson zu küssen.

Ein Sportler versucht live vor der Kamera, die brasilianische Journalistin Bibiana Bolson zu küssen.

Auch wir in Deutschland können nicht behaupten, dass weibliche Journalisten im Bereich Sport von allen Fans gern gesehen werden. So absurd das auch ist. Noch immer sitzen manche Herren gern traditionell mit dem Dosenbier in der Hand vor dem Fernseher und können sich schlicht nicht vorstellen, dass eine Frau ebenso viel Ahnung vom Lieblingsverein oder der Abseitsregel hat wie sie selbst. Immerhin hat sich hier in den letzten Jahren einiges getan – auch, weil die Sportfans längst nicht mehr größtenteils männlich sind.

Während bei uns also kompetente Kolleginnen im Bereich Sportjournalismus immer häufiger glänzen können, ist das Pflaster in Brasilien noch ein ganz anderes. Dort ist der Alltag für Frauen ohnehin sehr viel herausfordernder: Von Frauen wird erwartet, extrem auf ihr Äußeres zu achten, auf der Straße wird ihnen hinterhergepfiffen, sie sind dreiste Anmache und plumpe Kommentare gewohnt.

Das Macho-Gehabe ist ein gesellschaftliches Problem

Und dieses Macho-Verhalten endet auch im beruflichen Bereich nicht. Darauf wies jetzt eine Gruppe von 52 Sportjournalistinnen hin, denen es einfach reichte. Fans beleidigen sie vor laufender Kamera als "Nutten", Sportler begrapschen und küssen sie während Live-Berichterstattungen, statt beidseitigem Respekt gibt es blöde Sprüche und Belästigungen. So macht auch der beste Job der Welt keinen Spaß.

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Aber das wollen die Frauen nicht hinnehmen. Unter dem Motto "Deixa Ela Trabalhar", übersetzt etwa "Lasst sie einfach ihren Job machen", taten sie sich jetzt zusammen, um auf das inakzeptable Verhalten von Fans, Sportlern und auch einigen Kollegen hinzuweisen. Das wollen sich die Journalistinnen nicht länger bieten lassen. Sie wollen einfach als Profis ernst genommen werden.

Die Frauen wollen schlicht Respekt für ihre Arbeit

"In den letzten Jahren war es großartig zu sehen, dass viele Frauen in Brasilien begonnen haben, im Bereich Sport zu arbeiten", sagte die Sportjournalistin Bibiana Bolson der BBC. "Aber jetzt müssen wir dafür sorgen, dass ihnen auch echte Karriereoptionen offenstehen." Und dass sie einfach ihren Job machen und dafür Respekt erwarten können.

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wt

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